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Schleuser im Netz von Kieler Soldaten

Tender „Werra“ Schleuser im Netz von Kieler Soldaten

Kieler Marinesoldaten haben im Mittelmeer erstmals nicht nur Flüchtlinge gerettet, sondern auch mutmaßliche Schleuser festgenommen. Drei aus Ägypten stammende Tatverdächtige wurden vor der libyschen Küste gestoppt.

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Drei Ägypter werden in einem Speedboot zur „Werra“ gebracht. Deutsche und finnische Soldaten hatten das Trio festgesetzt. Unweit davon wurden 146 Flüchtlinge gerettet.

Quelle: Bastian Fischborn

Kiel. Die Besatzung des Kieler Tenders „Werra“ nahm das Trio mit Hilfe finnischer Boardingsoldaten fest. Im italienischen Hafen Catania auf Sizilien wurden sie der Finanzpolizei Guardia di Finanza übergeben. „Das ist das erste Mal, dass wir bei diesem Einsatz Personen festnehmen konnten, die der Schleusung verdächtig sind“, sagte Fregattenkapitän Torsten Eidam, Führer des vierten Einsatzkontingentes der Marine bei der EU-Operation Sophia.

 Der Einsatz begann am frühen Sonnabend. Die „Werra“ hatte gerade 657 gerettete Menschen in Trapani ausgeschifft und war erst wenige Stunden wieder im Einsatzgebiet vor Tripolis an der libyschen Küste unterwegs, als sie zum nächsten Einsatz gerufen wurde. Ein Seefernaufklärer hatte Sonnabendmorgen in den libyschen Hoheitsgewässern ein großes Schlauchboot voller Flüchtlinge und ein Motorboot entdeckt.

 Aus großer Entfernung wurde der Bootsverband aus der Luft beschattet. „Dabei wurde festgestellt, dass sich die Tatverdächtigen aus dem Motorboot auch auf dem Boot mit den Flüchtlingen bewegten“, berichtete Eidam.

Befehl zur Abfangaktion

 Die Schleuser merkten offenbar nicht, dass sie beobachtet wurden. Sie setzten ihre Fahrt in Richtung Italien fort. „Sie müssen sich sehr sicher gefühlt haben“, so Eidam. Um kurz nach 10 Uhr gab das Hauptquartier für die Operation Sophia den Befehl zur Abfangaktion. „Wir waren mit der ,Werra’ zu dem Zeitpunkt gut 25 Meilen entfernt und haben uns auf den Weg zu einer Position gemacht, die uns das Hauptquartier zuwies“, sagte Eidam. Das Motorboot und das Schlauchboot mit den Flüchtlingen hatten die libyschen Hoheitsgewässer bereits verlassen und waren jetzt 32 Meilen nördlich der Hafenstadt Tripolis. „Es bestätigte sich das Lagebild, dass es eine Verbindung zwischen dem Schlauchboot und dem Motorboot gab“, so Eidam. Während die „Werra“ auf den kleinen Konvoi zulief, ging das britische Marineschiff „Enterprise“ in dessen Rücken in eine Abfangposition. Hubschrauber der italienischen Marine stiegen zur Absicherung auf.

 Um 12.20 Uhr war die „Werra“ vor Ort. „Wir haben dann unsere beiden Speedboote ausgesetzt“, sagte Eidam. Besetzt mit Soldaten der „Werra“ und einem Boardingteam der finnischen Marine rauschten sie auf das Schleuserboot zu. Die Aktion ging schnell. Angesichts des Aufgebots hissten die mutmaßlichen Schleuser sofort eine weiße Flagge. „Die Männer waren sofort kooperativ und ließen sich widerstandslos festsetzen“, so Eidam. Das Boot wurde zur Sicherung von Beweismitteln an Deck gehoben und am Sonntag den Behörden übergeben.

 Zeitgleich wurden 146 Flüchtlinge von der italienischen Korvette „Borsini“ aus einem Schlauchboot gerettet. Sie brachte die Menschen danach zur „Werra“, wo sie ebenfalls einquartiert wurden. „Wir haben die drei Tatverdächtigen im Vorschiff, getrennt von den Flüchtlingen, untergebracht“, sagte Eidam. Der Tender habe sich als Plattform dabei optimal bewährt, so der Kommandeur. Heute kehrt die „Werra“ wieder in das Operationsgebiet vor Libyen zurück.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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