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Der weite Weg zum Facharzt

Terminservicestelle Der weite Weg zum Facharzt

Die neue Terminservicestelle in Bad Segeberg ist startbereit. Von der kommenden Woche an sollen die Mitarbeiter sicherstellen, dass Kassenpatienten innerhalb von vier Wochen von einem Facharzt behandelt werden. Wer den neuen Service nutzen will, muss allerdings einiges beachten.

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Die neue Terminservicestelle in Bad Segeberg soll sicherstellen, dass Kassenpatienten innerhalb von vier Wochen von einem Facharzt behandelt werden.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bad Segeberg. Die Bundesregierung hat im sogenannten „Versorgungsstärkungsgesetz“ festgelegt, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen in jedem Bundesland eine Terminservicestelle TSS einrichten müssen. Wie diese Servicestelle arbeitet, kann jede Vereinigung selbst entscheiden. In Schleswig-Holstein soll das so funktionieren: Wer von einem Facharzt beraten, untersucht und/oder behandelt werden soll, muss sich erst einmal von seinem Hausarzt eine Überweisung mit einem Vermittlungscode ausstellen lassen. Anschließend ruft der Patient die Terminservicestelle an. Diese muss ihm dann eine Facharztpraxis nennen. Dort muss der Patient selbst einen Termin für die nächsten vier Wochen vereinbaren. Gelingt das innerhalb einer Woche nicht, vermittelt die Terminservicestelle eine ambulante Behandlung in einem Krankenhaus.

Wichtig: Man hat keinen Anspruch auf eine bestimmte Praxis. Im Gegenteil: Wenn man Pech hat, ist die Praxis, die die Terminservicestelle vorschlägt, weit entfernt. Der Weg dahin darf – mit Bus oder Bahn – eine halbe Stunden länger dauern als bis zur nächstgelegenen Facharztpraxis. Bei bestimmten Fachärzten wie speziellen Internisten oder Radiologen sind sogar 60 Minuten zusätzlich zumutbar. Ein Plöner, der normalerweise einen Facharzt in Kiel hat, müsste also eine Praxis in Lübeck oder Rendsburg akzeptieren.

Unübersichtlich wird das neue System durch etliche Ausnahmen: Wer zum Gynäkologe oder Augenarzt möchte, kann sich direkt, also ohne Überweisung, an die TSS wenden. Nicht von der TSS werden Zahnärzte, Kieferorthopäden, Hausärzte, allgemeine Kinder- und Jugendärzte sowie vorläufig auch Psychotherapeuten vermittelt. Und: Patienten mit einem verschiebbaren Anliegen wie etwa Früherkennungsuntersuchungen haben keinen Anspruch, innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt zu bekommen.

Die Konstruktion zeigt, dass die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein KVSH von der neuen Einrichtung keineswegs begeistert ist. „Selbstverständlich setzen wir die gesetzliche Vorgabe um. Wir glauben aber, dass die Terminservicestelle unsere Probleme nicht lösen wird“, sagt Dr. Monika Schliffke, KVSH-Vorstandsvorsitzende. „Wir haben schon jetzt zu wenig Nervenärzte, Schmerztherapeuten, Rheumatologen und Augenärzte, um der Patientennachfrage gerecht zu werden. Eine staatliche Termingarantie wird daran nichts ändern." Bei der Kassenärztlichen Vereinigung hofft man offenbar, dass die komplizierte Konstruktion der TSS dazu beiträgt, dass die Patienten die neue Terminservicestelle wenig nutzen. So empfiehlt man den Patienten ganz offen, sich erst einmal an den Wunsch-Facharzt zu wenden, bevor man die TSS anruft. Die könne auch keine Termine innerhalb von wenigen Tagen garantieren...

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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