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Fachärzte halten Servicestelle für unnötig

Terminvergabe Fachärzte halten Servicestelle für unnötig

Wer einen Facharzt benötigt, soll ab 23. Januar innerhalb von vier Wochen behandelt werden. Eine Terminservicestelle, eingerichtet von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), soll dafür sorgen. Kritik kommt von Fachärzten: Terminservicestellen seien überflüssig und populistisch.

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Schneller zum Facharzt: Mit einer Überweisung vom Hausarzt sollen Patienten künftig einen Gutscheincode für dringende Termine bekommen, die sie dann in der Servicestelle einlösen können.

Quelle: imago

Kiel. Noch immer ist nicht ganz klar, wie die gesetzlichen Vorgaben für die Terminservicestelle in Bad Segeberg umgesetzt werden, heißt es bei der KVSH. Klar sei aber, wie die Terminvermittlung ablaufen soll. Wer nicht schnell genug einen Termin bei einem Facharzt findet, muss sich von seinem Hausarzt eine Überweisung mit einem Gutscheincode ausstellen lassen. Diesen Code gibt es aber nur, wenn der Patient kurzfristig behandelt werden muss und es dabei nicht nur um eine Bagatellerkrankung, Prävention oder Routineuntersuchung geht.

 Wer einen Gutscheincode hat, ruft bei der Terminservicestelle TSS an und gibt den Code durch. Die TSS muss ihm dann einen Facharzt vermitteln. „Der Patient muss diesen Facharzt aber selbst anrufen und sich einen Termin holen“, sagt Marco Dethlefsen von der KVSH. Sagt dem Patienten der Termin oder die Praxis nicht zu, muss er dies noch am selben Tag der TSS melden. Dann muss diese ihm einen zweiten Facharzt vermitteln. Meldet sich der Patient nicht sofort wieder, endet der Vermittlungsanspruch und das Verfahren beginnt von vorne: Hausarzt, Überweisung, Gutscheincode, TSS... Ausnahmen sind die Hausärzte, Kinderärzte und solche, zu denen man ohne Überweisung gehen kann wie Frauen- oder Augenärzte.

 Viele Fachärzte nehmen die gesetzlich verordnete TSS offenbar nur widerwillig hin. „Die Ärzte im Praxisnetz Kiel sind sich einig: Die Servicestellen sind absolut überflüssig“, sagt Dr. Doris Scharrel, Frauenärztin in Kronshagen und Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte. Ihre Prognose: Die Ärzte werden Gutscheincodes so sparsam wie möglich einsetzen und damit die TSS ad absurdum führen. Der Kieler Chirurg, Unfallchirurg und Orthopäde Dr. Ralf Schmitz nennt die TSS „blanken Populismus“. Als Landesvorsitzender vom Berufsverband Deutscher Chirurgen vertritt er auch Klinikärzte. „Wenn die TSS keinen Facharzt nennen kann, sollen die Patienten ambulant in Kliniken behandelt werden. Dort haben die Kollegen aber schon genug zu tun. Zudem muss der Patient dort nicht von einem Facharzt, sondern nach Facharztstandard behandelt werden.“ Lange Wartezeiten gebe es, so Schmitz, nicht, weil die Ärzte nicht behandeln würden, sondern weil es in einigen Disziplinen zu wenige Ärzte gebe – und zu viele Patienten, die verunsichert in die Praxis kommen, aber gar nicht behandlungsbedürftig sind. Schmitz berichtet: „Zu uns kommen regelmäßig Leute nach einem Wespenstich, obwohl sie keine Allergie haben. Früher hätte man die Stelle einfach gekühlt.“

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Kein langes Warten mehr auf die Ultraschalluntersuchung oder die Verschreibung der neuen Brille. Hört sich gut an. Doch ob die Terminservicestellen das halten, was sich der Bundesgesundheitsminister verspricht, ist fraglich.

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