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Kein Ende der Geflügelpest in Sicht

Tierseuchen-Experte Kein Ende der Geflügelpest in Sicht

Die Geflügelpest breitet sich aus und könnte noch Wochen oder Monate grassieren. Diese Prognose wagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Prof. Thomas Mettenleiter, bei einem Blitzbesuch am Donnerstag in Kiel.

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FLI-Chef Thomas Mettenleitner (li.) und Umweltminster Robert Habeck warnten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz vor Panikreaktionen. Der H5N8-Virus habe noch keinen Menschen infiziert.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Der Experte für Tierseuchen lehnte Schutzimpfungen für Vögel ab und verteidigte die Tötung auch von Geflügel, bei dem weniger gefährliche Virus-Varianten festgestellt werden.

„Momentan deutet nichts darauf hin, dass die Epidemie sich abschwächt“, berichtete Mettenleiter. Inzwischen seien 13 der 16 Bundesländer betroffen. Als seuchenfrei gelten nur noch Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen. In Deutschland seien bereits 450 Wildvögel an dem Virus H5N8 verendet, darunter auch mindestens zwei Seeadler in Schleswig-Holstein. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) geht davon aus, dass die Geflügelpest den Seeadlern nicht gänzlich den Garaus macht. „Der Bestand wird sich erholen.“

Die Ausweitung ist enorm

Von der Seuche betroffen sind längst auch andere Länder. Mettenleiter nannte Frankreich, Holland, Österreich, Ungarn, Polen und die Ukraine. H5N8-Befunde gebe es auch in Ägypten, Israel und dem Iran. „Wir haben eine Epidemie bei Wildvögeln“, bilanzierte der Virologe. Ein schnelles Ende der Seuche sei nicht in Sicht. „Ich fürchte, wir müssen uns über eine längere Zeit auf H5N8 einstellen.“ Um so wichtiger sei, durch Bio-Sicherheitsmaßnahmen wie die Stallpflicht Tiere in großen Geflügelhaltungen zu schützen. Hier zog Mettenleiter eine positive Zwischenbilanz. Demnach wurde der Virus bisher nur in zwei großen Geflügelbetrieben festgestellt, nämlich in Grumby im Kreis Schleswig-Flensburg und im niedersächsischen Cloppenburg.

Mettenleiter sprach sich gegen Schutzimpfungen für Geflügel aus. Begründung: Der Virus könnte in geimpften Tiere überwintern und sich sogar verändern. Der Professor ließ zudem keinen Zweifel daran, dass auch Tiere mit dem kaum gefährlichen H5-Virus getötet werden müssen. „Es gibt eine Reihe von Beispielen, in denen sich aus einem solchen Virus ein hochpathogener Mutantenvirus entwickelt hat.“ Er widersprach damit ausdrücklich der Kieler Biochemikerin und Zellbiologin Prof. Karina Reiß. Sie hatte es „ungeheuerlich und unethisch“ genannt, dass nach einem eher harmlosen H5-Befund in Dithmarschen 3800 Gänse getötet wurden.

Messenleiter und Habeck warnten zugleich vor Panikreaktionen. „Es gibt bisher weltweit keine Infektion eines Menschen mit dem H5N8-Virus“, betonte der Wissenschaftler. „Alle Produkte wie etwa Eier, die angeboten werden, sind ohne Vogelgrippe“, sagte Habeck. „Es gibt null Hinweise, dass da etwas gefährlich sein könnte.“ Am Abend meldete Habeck einen weiteren Virusfall – bei einer Wildgans in Kronshagen.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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