17 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Statt eines „Verteilers“ lieber den Spaziergang

Tipps einer Ernährungswissenschaftlerin Statt eines „Verteilers“ lieber den Spaziergang

Weihnachten wäre geschafft. Aber was sagt eigentlich unser Körper zu dem vielen Essen während der Feierlichkeiten? Wir sprachen mit Claudia Berg, selbstständige Ernährungswissenschaftlerin und Personal Trainerin in Kiel.

Voriger Artikel
Ölverschmutzung sorgt für Straßensperrung
Nächster Artikel
Das ändert sich zum 1. Januar

Was für ein Festessen: Während der Weihnachtsfeiertage hat so mancher über die Stränge geschlagen und viel mehr gegessen als sonst üblich. Doch was macht das fette und üppige Essen mit unserem Körper?

Quelle: Tobias Hase/dpa

Kiel. Die 38-Jährige gibt Einzelpersonen und Firmen täglich Tipps in Sachen Ernährung, Bewegung und Gesundheitsmanagement.

Viele Festmahlzeiten liegen hinter uns. Was passiert in unserem Körper, wenn wir fette Speisen, Süßigkeiten und viel Alkohol zu uns nehmen?

 Durch das an den Feiertagen häufig üppige Essen sind unsere Speicher an Kohlenhydraten in der Leber und im Muskel randvoll. Da wir uns in der Regel an den Feiertagen wenig bewegen, werden diese auch nicht entleert. Essen wir dann das nächste Feiertagsmahl mit viel Fett und Kohlenhydraten, werden diese, statt in Muskel und Leber gespeichert zu werden, in Bauchfett oder „Hüftgold“ umgewandelt. Wir nehmen an Umfang und Gewicht zu. Genießen wir zum Essen noch Alkohol, wird dieser Effekt verstärkt. Außerdem arbeiten Leber, Magen und Niere auf Hochtouren, um den Alkohol und die fetten Speisen wieder abzubauen.

Hilft nach dem Essen ein Verteiler in Form von Hochprozentigem?

 Ein Kräuterschnaps oder ähnliche „Verteiler“ nach dem Essen zur besseren Verdauung sind eher ein Mythos beziehungsweise haben einen reinen Placebo-Effekt. Denn trinken wir Alkohol zu oder nach dem Essen, muss der Stoffwechsel erst den Alkohol im Körper neutralisieren, bevor alle anderen Stoffwechselwege aktiviert werden. Das heißt: Statt eines Verdauungsschnapses sollte man in diesen Tagen lieber einen Spaziergang machen, um die Verdauung anzuregen.

Worauf sollten wir nach den Feiertagen bei unserer Ernährung achten?

 Jetzt nach den Feiertagen wie auch im Alltag allgemein gibt es drei wertvolle Tipps zu beachten. Erstens: ausreichend Wasser trinken – individuelle Trinkmenge: 30 Milliliter pro Kilo Körpergewicht und Tag, bei Sport einen halben Liter zusätzlich, keine gezuckerten Getränke. Zweitens: ausgewogene, gemüsebetonte, fettarme Mischkost essen mit fünf bis sieben Portionen – eine Portion ist eine Handvoll – Gemüse und Obst am Tag für einen ausgewogenen Säure-Basen-Haushalt. Drittens: regelmäßige Mahlzeiten, um Heißhungerattacken vorzubeugen. Denn wir nehmen nicht zwischen Weihnachten und Silvester, sondern zwischen Silvester und Weihnachten zu. Wenn Sie es schaffen, ab heute von diesen drei Tipps einen Tipp für die nächsten 30 Tage umzusetzen, dann haben Sie aus einer kleinen Übung eine neue „gesunde“ Gewohnheit etabliert. Dabei in kleinen Schritten vorgehen: zum Beispiel statt bisher zwei Portionen Gemüse und Obst pro Tag ab heute eine Handvoll Gemüse mehr essen und dann Schritt für Schritt steigern.

Tipp für Silvester: Wie kann man sich und seinem Körper etwas Gutes tun und trotzdem genießen?

 Wer an Silvester Alkohol trinkt, sollte neben dem obligatorischen Sekt zum Anstoßen um Mitternacht einen guten Rotwein genießen. Dieser hat in Maßen genossen eine schützende Wirkung auf unser Herz-Kreislauf-System. Essen wir zu Silvester darüber hinaus noch fettreichen Fisch wie Hering, Makrele oder Lachs, nehmen wir die für unseren Körper so wichtigen Omega-3-Fettsäuren auf. Diese haben in jedem Alter zahlreiche positive Wirkungen auf unsere Gesundheit, unter anderem positiven Einfluss auf die Blutfettwerte und Förderung der Gehirnleistung.

Wie bekommt man mehr Bewegung in den Alltag?

 Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt bei 10000 Schritten pro Tag. Mittels eines Schrittzählers, eines Aktivitätsmessers oder einer App auf dem Smartphone kann die Bewegung im Alltag gemessen werden. Häufig überschätzen wir, wie viel wir uns bewegen, und unterschätzen, wie viel wir essen. Bei einer sitzenden Tätigkeit kommt man gerade mal auf etwa 4000 bis 6000 Schritte pro Tag. Wer länger als zwei Stunden am Stück sitzt, tut sich und seiner Gesundheit nichts Gutes. Forscher sagen inzwischen: „Das Sitzen ist das neue Rauchen.“ Neben einem bewegten Alltag ist es empfehlenswert, sich dreimal pro Woche für mindestens 45 bis 60 Minuten sportlich zu betätigen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3