15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Urlauber trotzen dem kalten Sommer

Tourismus-Halbzeitbilanz Urlauber trotzen dem kalten Sommer

Der Sommer: Typisch Norddeutsch. Die Touristen: Trotzen dem Wetter und kommen trotzdem oder gerade deswegen nach Schleswig-Holstein. Zur Mitte der Urlaubssaison hat die Tourismusbranche im Land neue Rekorde bei Übernachtungen und Umsatz im Blick und zieht eine positive Zwischenbilanz.

Voriger Artikel
Polizei findet Drogen bei Pannenhilfe
Nächster Artikel
27-Jähriger wirft Paletten und Säcke auf Gleise

Gerda Erdmann (79, von li. nach re.) aus Hamburg, Kristina Ollenschläger (54) und Jon Ollenschläger (56) aus Norderstedt sowie Lothar Blödow (66) aus Herne lassen sich vom Wetter nicht den Kiel-Besuch verderben. Sie feiern mit Nicole Mißbach (43) und Peggy Ollenschläger (58) am Strand den 70. Geburtstag von Edgar Mißbach.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Lediglich das Geschäft mit den Tagesausflüglern trübt die Stimmung – sie lassen bei wechselhaftem Wetter die Strandkörbe links liegen oder bleiben gleich ganz zu Hause.

 Bereits für den Zeitraum von Januar bis Mai meldete das Statistikamt Nord einen Anstieg der Übernachtungen um fünf Prozent (rund 400000 Gäste) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Das ist ein erfreuliches Ergebnis und zieht sich auch durch den Sommer“, sagte Marc Euler, Sprecher der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash). Zwar gebe es noch keine aktuellen Zahlen, doch der Trend setze sich fort. „Wir sind sehr zufrieden. Einzelne Orte vermelden Auslastungen von 90 Prozent“, berichtete der Tourismusexperte. Schleswig-Holstein sei als Urlaubsland im Trend. „Es ist zu sehen, dass es weitere Steigerungen gibt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass wir den Rekord von 27 Millionen Übernachtungen vom vergangenen Jahr knacken“, sagte Euler.

 Auch Axel Strehl, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Schleswig-Holstein, sieht den bisherigen Saisonverlauf positiv. „Unser schönes Land ist voll ausgelastet und in Hotellerie und Gastronomie gut aufgestellt“, sagte der Chef des Landesverbands. „Jetzt kommen entscheidende Wochen, die hoffentlich so gut werden wie die ersten.“ Schleswig-Holstein habe mit Investitionen in Infrastruktur und Betriebe den Nerv der Urlauber getroffen. „Die Gästezufriedenheit war gut und ist noch gestiegen. Wichtig dafür ist, dass die Urlauber gut untergebracht sind und gut verpflegt werden.“ Ob es wieder für einen Rekord reiche, werde sich zeigen. „Bei so einem hohen Niveau ist es allerdings schwierig, noch höher zu kommen.“

 Dass der Sommer bislang seinen Namen kaum verdient, scheint die Urlauber nicht zu verschrecken. „Die Menschen wissen, dass es in Schleswig-Holstein auch Mal regnet und stürmt. Aber dann ziehen sie sich eben den Friesennerz an“, meint Tash-Sprecher Euler. Für viele Touristen gehöre die „Struktur am Himmel“ dazu. „Niemand storniert eine Reise wegen zu wenig Sonnenstunden.“ Für manche Feriengäste seien Wind und Regen als „Erlebnis“ sogar das besondere am „echten Norden“. „Wer nach Schleswig-Holstein fährt, weiß, dass es nicht jeden Tag 30 Grad und Sonnenschein gibt“, sagte auch Axel Strehl. „Das ist für den Körper auch viel erholsamer.“ Bereits jetzt hätten viele Feriengäste für das kommende Jahr ihren Urlaub gebucht, negative Stimmen habe er nicht gehört.

 Im Gegensatz zu Urlaubern, schwächelt das Geschäft mit den kurzentschlossenen Gästen. „Die Saison läuft durchwachsen“, sagte Norbert Babies vom Landesverband der Strandkorbvermieter. Zwar seien die Hotels voll, die Tagesmieter bleiben jedoch wegen des schlechten Wetters aus. Die Umsätze im Tagesgeschäft – für viele Vermieter eine wichtige Einnahmequelle – seien zwischen zehn und 30 Prozent geringer als im Vorjahr. Die Ausfälle in der Saison könne man jetzt zwar nicht mehr kompensieren, trotzdem hofft Babies auf noch möglichst viele sonnige Tage. „Im Strandkorb ist es auch im Herbst noch mollig warm, das kann ich nur empfehlen“, sagte er. „Ansonsten werden wir sicher im nächsten Jahr wieder mehr zu Lächeln haben.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3