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Als Falkner mit dem Greifvogel auf Jagd

Travenbrück Als Falkner mit dem Greifvogel auf Jagd

Es ist eine Jahrtausende alte Tradition, die Jagd mit dem Greifvogel. Auch in Deutschland gehört die Beizjagd mittlerweile zum Kulturerbe, auch hier stellen die Falkner mit Habicht und Wanderfalke dem Wild nach, statt einfach eine Flinte zu nehmen — warum eigentlich?

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Die Jagd mit dem Greifvogel ist eine Jahrtausende alte Tradition.

Quelle: Peer Körner/dpa

Travenbrück/Hannover. Ein Habicht sitzt bei Peter Behrmann im Garten. Aus der Nähe wirkt der Greifvogel ziemlich beeindruckend, aufmerksam verfolgen seine respekteinflößenden Augen jede Bewegung. Bis auf wenige Meter kann man herangehen, dann wird der Vogel unruhig. Er ist kein Wildtier mehr, aber zahm ist er auch noch nicht. Behrmann ist Falkner, bei sich daheim in Travenbrück nordöstlich von Hamburg gewöhnt er den jungen Habicht gerade an sich, an die neue Umgebung — und an das Jagen. Seit Jahrtausenden trainieren Menschen so Greifvögel als Jagdgenossen.

„Dem Vogel die Freiheit zu geben, auf freies Wild zu jagen, und am Ende des Tages doch mit ihm nach Hause zu gehen — das ist faszinierend“, sagt Behrmann. Der Habicht sitzt in traditioneller Anbindehaltung mit kleinen Lederfesseln an den Fängen auf einem ummantelten Metallbogen, dem Sprenkel. Kurz neigt sich der Vogel nach vorn, dann startet er explosionsartig.

An einer dünnen Leine entlang saust er auf Behrmanns Handschuh, wo ein totes Küken wartet. Dann der nächste Versuch, diesmal auf eine Beuteattrappe, die Behrmann an einer Leine über den Rasen zieht. Erst fliegt er an der Lockschnur, später kann sie weggelassen werden. „Sowie er frei fliegt, bekommt er einen Sender“, sagt der 52-jährige Familienvater. „In der Saison trainiere ich ihn täglich.“

Pfeilschneller Wanderfalke

Auch in Deutschland gehört die Beizjagd mittlerweile zum immateriellen Kulturerbe, Anke Bormann aus Hannover war als stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Falkenordens an der Antragstellung beteiligt. „Wir sind seit Dezember letzten Jahres im bundesweiten Verzeichnis“, freut sie sich. Bormann geht mit ihrem pfeilschnellen Wanderfalken Kira gerne bei Seelze in der Nähe von Hannover auf Jagd.

Wie Falknerei funktioniere, dass sei vielen Menschen völlig unbekannt, berichtet sie. Oft werde das Interesse für die Vögel bei Flugshows geweckt. „Tatsächlich ist die Falknerei jedoch eine uralte Form der Jagd, bei der mit Greifvögeln auf freilebendes Wild gejagt wird“, sagt sie. „Bis heute hat sich an den Grundprinzipien der Falknerei nicht viel geändert, nur dass wir heute bessere tiermedizinische und technische Möglichkeiten haben.“

Tierschützer sehen die Falknerei durchaus kritisch. „Uns missfällt vor allem die Schaufalknerei als Spektakel“, kritisiert Jürgen Becht vom Naturschutzbund Nabu. „Da geht es nur um wirtschaftliche Interessen, die Vögel werden zu wenig geflogen.“ Oft würden die Tiere dort nicht artgerecht gehalten. Doch müsse man unterscheiden: „Wir sind nicht strikt gegen die Falknerei als Jagd“, betont Becht. „Da sind sicher Leute dabei, die etwas von der Sache verstehen.“

Peter Behrmann schwört anders als Anke Bormann nicht auf Wanderfalken, sondern auf den Habicht. „Es ist wohl der beste Beizjäger“, meint Behrmann. Als Allrounder jage er sowohl Vögel als auch etwa Kaninchen.

In seiner Mauserkammer wartet Alt-Habicht Wike, ein Weibchen. Auf dem Sprenkel sitzt ein erst vier Monate altes Tier, einen Namen hat es noch nicht. „Den bekommen sie erst auf ihrer ersten Beute“, sagt Behrmann. In Hamburg ist er als ehrenamtlicher Stadtjäger mit Wike auch in Parks und Schrebergärten unterwegs.

Die Beziehung zum Greifvogel sei anders als bei Haustieren, sagt Behrmann. „Es gibt keine emotionale Bindung.“ Der Vogel werde durch Training und Gewichtskontrolle für die Jagd motiviert. „Ich bin für ihn ein reiner Jagdpartner“, meint Behrmann. „Früher oder später merkt er, dass ich und die Frettchen seine Helfer sind. Aber er braucht mich nicht.“ Die enge Zusammenarbeit mit dem Vogel, dem Hund und den zahmen Mardern sei Teil der Faszination.

Bundesweit gibt es etwa 2000 Falkner, viele sind nicht aktiv. „Manch einer, der den Schein macht, stellt keinen Vogel auf, weil er merkt, dass die Haltung sehr anspruchsvoll ist“, sagt Behrmann. Man brauche Gelegenheit zum Jagen und Platz für eine Mauserkammer, die sauber gehalten werden müsse. Die Vögel müssten täglich beobachtet und gefüttert werden, dann kämen noch Hund und Frettchen dazu. „Die Familie muss mitspielen.“ Behrmann ist im technischen Außendienst unterwegs, er hat zwei kleine Töchter. Ehefrau Wiebke ist nicht immer begeistert: „Zwei Vögel sind ein bisschen viel“, sagt sie.

Für Behrmann ist die Falknerei wichtiger Teil seines Lebens. „Beizjagd bedeutet für mich Freiheit. Die Jagd ohne Waffe mit einem tierischen Gefährten ist einzigartig — in der Natur mit Vogel und Frettchen am Kaninchenbau zu stehen“, schwärmt er. „Jeder Jagdflug ist anders.“

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Ein Artikel von
Deutsche Presse-Agentur dpa

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