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Demenzbegleiter bringen Zeit und Geduld mit

UKSH Demenzbegleiter bringen Zeit und Geduld mit

Etwa die Hälfte der Patienten in deutschen Krankenhäusern ist nach Angaben der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft älter als 60 Jahre, rund zwölf Prozent sind von einer Demenzerkrankung betroffen. Obwohl diese Patientengruppe aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden Jahren deutlich wachsen wird, sind die meisten Krankenhäuser noch nicht darauf eingestellt.

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Für Patienten im Einsatz: Rolf Ingenfeld, Christiane Hauschild, Karina Sengewitz, Inge Ivens, Antje Laenger und Karin Schmidt (von links) sind die ersten ehrenamtlichen Demenzbegleiter am UKSH in Kiel.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Demenzkranke reagieren oft mit Unruhe, Angst und Aggression auf die ungewohnte Umgebung und die Abläufe im Krankenhaus. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel und Lübeck sind jetzt erstmals ehrenamtliche Demenzbegleiter im Einsatz, die Betroffene im Krankenhausalltag unterstützen.

„Demenz im Krankenhaus ist ein zunehmend wichtiges Thema“, erklärt Jutta-Andrea Hollstein, Krankenschwester und Pflegetrainerin im Patienteninformationszentrum des UKSH in Kiel (PIZ). „In Zukunft werden wir mehr Konzepte für eine gute Begleitung brauchen.“ Gemeinsam mit ihrer Kollegin Susanne Ehlers schult und berät Hollstein die 13 neuen Demenzbegleiter, die seit Kurzem an einem festen Tag pro Woche für jeweils drei Stunden Patienten der Inneren Medizin besuchen.

 Das können auch Patienten sein, die nach einem Schlaganfall, durch Parkinson oder andere Krankheiten in ihrer Wahrnehmung eingeschränkt sind. Die Demenzbegleiter sind alle durch einen Artikel in den Kieler Nachrichten auf das Ehrenamt aufmerksam geworden, haben private oder berufliche Erfahrung mit Alten- und Krankenpflege oder Demenz. Aber am Wichtigsten ist für die meisten, den Patienten „Zuwendung und Herz“ zu geben, wie es die ehemalige Altenpflegerin Karin Schmidt ausdrückt.

 Die 72-Jährige ist einfach da und bringt Zeit und Geduld mit. Sie spielt, liest kleine Geschichten vor oder lässt die Patienten stundenlang von sich erzählen. „Sie wissen oft nicht mehr, was es zum Mittagessen gegeben hat, aber wenn es um ihre Vergangenheit als Kriegskind geht, funktioniert ihr Erinnerungsvermögen hervorragend“, sagt Karin Schmidt schmunzelnd. Das Reden entspannt und beruhigt, gerne auch auf Plattdeutsch. „Ob das alles stimmt, ist völlig egal“, betont Christiane Hauschild. Es gehe darum, sich ganz auf den Patienten mit seinen individuellen Bedürfnissen einzustellen. „Manchmal wollen sie auch nicht, dass man am Bett sitzt, das ist auch in Ordnung“, sagt die 63-Jährige, die von sich sagt, dass sie alte Menschen mit ihrer Lebenserfahrung liebt. „Viele glauben ja nicht, dass man hier auch selbst etwas mitnimmt, aber es ist so.“

 Natürlich gibt es auch die anderen Situationen, in denen Patienten aggressiv werden, sich hilflos fühlen, die Orientierung verlieren oder glauben, man habe sie bestohlen. Wenn ehrenamtliche Demenzbegleiter sich damit überfordert fühlen, können sie jederzeit aus der Situation heraus, betont Pflegetrainerin Jutta-Andrea Hollstein: „Dann übernimmt das Fachpersonal.“ Dennoch werden die Demenzbegleiter im Vorfeld intensiv geschult und tauschen sich regelmäßig über ihre Einsätze aus. Für die Pflegekräfte seien die Ehrenamtler eine wichtige Stütze, auch wenn sie nur stundenweise da seien. „Am UKSH in Lübeck wird über hauptamtliche Demenzbegleiter nachgedacht“, sagt Hollstein. Dort begleiten derzeit 18 Ehrenamtler demenzkranke Patienten.

 Das UKSH sucht weitere Demenzbegleiter. In Kiel startet die nächste Schulung am 18. September. Interessenten können sich bei Jutta-Andrea Hollstein, Tel. 0431/597-5976, melden.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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