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UKSH-Patienten klagen über Notaufnahme

1. Medizin UKSH-Patienten klagen über Notaufnahme

Wer sich über die Notaufnahme im Modul-Bau des UKSH beschwere, der kenne die andere Notaufnahme in der 1. Medizin nicht, sagt ein Kieler, der mit Blaulicht in der internistischen Notaufnahme eingeliefert worden war. Die Verhältnisse dort seien unzumutbar.

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Eingang zur 1. Medizin am UKSH: Bis die neue Notfallaufnahme in Betrieb geht, sind Kompromisse und Geduld gefragt.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Ein Klinikzimmer, in das kein Krankenbett hineinpasst? Hört sich an wie ein schlechter Scherz. Doch ausgerechnet in der Notaufnahme der Universitätsklinik hat das eine alte Dame erlebt. „Die Verhältnisse in der Notaufnahme sind unzumutbar. Da kann das Personal noch so nett sein“, sagt ein anderer Patient.

 Was er berichtet, deckt sich mit der Schilderung des Schleswig-Holsteiners, dessen Mutter in dieser Notaufnahme landete. Weil sie mit einem MRSA-Keim infiziert ist, musste sie von den anderen Patienten isoliert werden. Dafür gibt es zwar ein Zimmer. Dessen Tür ist aber so schmal, dass ein normales Krankenbett nicht hindurchpasst. Folge: Die Patienten müssen mit einer Pritsche vorlieb nehmen. Die ist nicht nur schmaler, sondern auch deutlich härter als ein Bett. „Am Anfang hieß es, meine Mutter müsse nur ein paar Stunden dort ausharren, aber am nächsten Tag war sie immer noch dort und am übernächsten Tag auch, weil auf der Station kein Platz für sie war.“ Für seine Mutter sei es immer schmerzhafter geworden, auf der dünnen Auflage zu liegen. „Und damit sie nicht herausfiel und sich noch mehr tat, wurde das Gitter am Bett hochgeklappt.“

 UKSH-Sprecher Oliver Grieve bestätigt, dass ein normales Bett nicht durch die Tür passt. „Die Patienten liegen aber auf nicht auf einer einfachen Pritsche, sondern das ist schon eine Hightech-Liege.“ Richtig sei aber, dass dort Patienten nur kurzfristig untergebracht werden sollen. „Aber was sollen wir als Maximalversorger machen, wenn wir keine Patienten abweisen dürfen und plötzlich mehr Keim-Patienten als Isolierzimmer haben?“ Das Bettgitter sieht er dagegen nicht als Problem an. „Das sind auch nur Seitenstützen und die werden nur mit Einwilligung der Patienten angewendet.“

 Der Angehörige kritisiert wie der andere Patient aber auch die Gesamtsituation: Die Patienten würden in zwei großen Behandlungszimmern untergebracht. „Wenn Sie nur durch einen Vorhang vom Nachbarn getrennt sind, bekommen sie alles mit, ob sie wollen oder nicht. Wer kann, versucht deshalb, die Toilette zu nutzen. In dem Raum gibt es aber nicht einmal eine Waschmöglichkeit, von Toilette und Dusche nicht zu reden“, erzählt der lungenkranke Mann. Um das WC zu erreichen, müsse man über den Flur, vorbei an der Klinikpforte, wo jemand sitzt und ein Kommen und Gehen sei, und weiter in einen anderen Flur gehen. Stimmt, bestätigt der Kliniksprecher, das seien aber nur 20 Schritte. Der Patient sagt, er habe 39 Schritte benötigt. Schlimmer findet er aber die „öffentliche, ungeschützte Situation“ - und dass er sich nicht getraut habe, eine Pflegekraft um Begleitung zu bitten: „Das Personal ist sowieso nur am Flitzen, das sind einfach zu wenig Leute und die sitzen im anderen Flur. Das WC und das Isolierzimmer sehen, weil sie ja nicht um die Ecke schauen können.“

 Am meisten hat ihn aber der Fäkalien-Transport gestört. „Auch bei mir war ein Isolierpatient in dem Zimmer mit der Pritsche. Die Fäkalien können aber nur in dem Behandlungsraum im anderen Flur entsorgt werden. Also mussten die Pfleger jedes Mal mit den infektiösen Fäkalien durch den Flur und durch das Zimmer laufen, in dem die Daten der Monitore zusammenlaufen, in dem aber auch das Personal isst und Pause macht.“ Auch Kliniksprecher Grieve nennt das suboptimal. „Das ist aber so vom Gesundheitsamt genehmigt. Wir kennen diese Zustände und machen auch keinen Hehl daraus. Deshalb ist der Neubau mit einer Zentralen Notaufnahme ja so dringend notwendig.“ Die neue Notaufnahme soll 2017 oder 18 fertig sein. „So lange“, sagt der Patient, „werde ich mich im Notfall in eine anderes Krankenhaus bringen lassen.“

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UKSH in Kiel
Foto: Alltag in der Notaufnahme: Krankenschwester Susanne Lorenz (links) nimmt einen Mann, der mit starken Schmerzen in die Notaufnahme gekommen ist, in Empfang.

Das Blaulicht des Rettungswagen ist von weitem zu sehen. Als er vor der Notaufnahme des Uniklinikums hält, ist das Team schon informiert. Es dauert nur 90 Sekunden, bis ein Arzt und zwei Pflegekräfte mit dem Patienten im Schockraum verschwinden.

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