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UKSH lässt Schlaganfall-Patienten warten

Notfallambulanz UKSH lässt Schlaganfall-Patienten warten

Schlaganfallpatienten erheben schwere Vorwürfe gegen das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel: Trotz des Schlaganfall-Verdachts hätten sie stundenlang in den Fluren der Notfallambulanz ausharren müssen, ohne dass sich jemand um sie gekümmert habe.

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Das medizinische Personal in der Notaufnahme des UKSH Kiel ist chronisch überlastet – ein strukturelles Problem.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Professor Günther Deuschl, scheidender Direktor der UKSH-Klinik für Neurologie, räumt ein, dass es durch strukturelle und personelle Engpässe zu langen Wartezeiten kommen könne – auch für potenzielle Schlaganfallpatienten. Dies sei jedoch nicht nur ein Kieler Problem. Deutschl: „Wir fordern seit Jahren mehr Stroke-Unit-Betten für Schleswig-Holstein.“

Mit starken Kopfschmerzen, Taubheitsgefühlen und Gleichgewichtsstörungen war Melina Vandersee von ihrem Neurologen in die Notaufnahme des UKSH überwiesen worden – Verdacht auf Schlaganfall. Sieben Stunden musste die 24-jährige Preetzerin nach eigener Aussage auf dem Flur warten, bis sie genauer untersucht wurde. Dann habe man ihr „zwischen all den Menschen“ mitgeteilt, dass sie zwei Schlaganfälle gehabt habe und sofort auf die Intensivstation müsse.

Ähnlich erging es Ingrid Pedack aus Kiel. Die 75-Jährige war mit Verdacht auf Schlaganfall ins UKSH eingeliefert worden. „Nach fünf Stunden Wartezeit auf dem Flur hieß es nur, es gebe in Kiel und Schleswig-Holstein kein Bett für mich“, berichtet die Kielerin. Nach Hause oder mit dem Rettungswagen in eine Hamburger Klinik – das sei ihre Wahl gewesen. „Man hört doch immer, dass bei einem Schlaganfall jede Minute zählt“, sagt die Seniorin. Zumal das UKSH als Partnerklinik des Schlaganfallnetzes Schleswig-Holstein über eine Stroke Unit mit elf Betten zur schnellen und optimalen Versorgung von Schlaganfallpatienten verfügt.

Stroke Unit am UKSH auf Kante genäht?

Professor Deuschl, der am 31.03.2016 in den Ruhestand tritt, erklärt, dass sowohl in der überlasteten und unterfinanzierten Notaufnahme als auch in der Stroke Unit alles „auf Kante genäht“ sei. Die Notaufnahme mit jährlich 8000 Neurologie-Patienten habe zu wenig Personal. Es komme vor, dass man „bis zu zehn Stunden“ auf einen Arzt warten müsse. Auch potenzielle Schlaganfall-Patienten mit nicht eindeutigen Symptomen müssten manchmal warten. Dies gelte aber nicht für Schlaganfall-Patienten, „die mit akuten und offensichtlichen Symptomen kommen und dringlicher Behandlung bedürfen“, so Deuschl.

Auch für Ärzte und Pfleger sei die Situation sehr belastend. Zumal nicht garantiert sei, dass nach der Erstbehandlung ein Bett für betroffene Patienten zur Verfügung stehe. Jedes einzelne vorgehaltene Bett verursache täglich hohe Kosten, daher gebe es nur ein begrenztes Kontingent, auf das das Klinikpersonal keinen Einfluss habe. Deuschl kritisiert: „Wir nähern uns amerikanischen Verhältnissen.“

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Rein theoretisch könnte man sich als Schleswig-Holsteiner beruhigt zurücklehnen, wenn es um das Thema Schlaganfall geht. Nicht nur das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein verfügt in Lübeck und Kiel über Stroke Units, also spezielle Intensivstationen für Schlaganfallpatienten.

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