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Überdüngung setzt dem Grundwasser zu

Grenzwerte überschritten Überdüngung setzt dem Grundwasser zu

Das Grundwasser in Schleswig-Holstein ist gefährdet, in weiten Gebieten des Landes sind wegen zu hoher Nitratbelastungen in einem schlechten Zustand. Was bedeutet das für das Trinkwasser? Für den Verband der schleswig-holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft (VSHEW) steht fest: Auch das Trinkwasser im Land ist gefährdet.

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Überdüngung setzt dem Grundwasser in Schleswig-Holstein zu.

Quelle: Wolfgang Weihs/dpa

Kiel. Das Trinkwasser in Schleswig-Holstein stammt zu 100 Prozent aus dem Grundwasser. 55 Grundwasserkörper stehen dafür zur Verfügung. Die Hauptgefahr für das Wasser ist das Nitrat aus der Landwirtschaft – und das schon seit Jahrzehnten, wie Dorit Kuhnt, zuständige Referatsleiterin im Landwirtschaftsministerium auf einer Informationsveranstaltung des VSHEW in Kiel betonte.

Die Trinkwasserverordnung legt den Grenzwert für Nitrat auf 50 Milligramm pro Liter fest, empfiehlt aber 25 Milligramm/Liter. Denn Nitrat kann sich im Körper und in Lebensmittel zu gesundheitsschädlichem Nitrit umwandeln. Und es kann mit Aminen Nitrosamine bilden, die in Tierversuchen Krebs hervorgerufen haben.

Seit 2005 untersucht das Land in einem eigenen Messnetz regelmäßig die Grundwasserkörper unter anderem auf Nitrat. Seither werden Überschreitungen des Grenzwertes festgestellt. 2014 wurden in 22 der 55 Grundwasserkörper mehr als 50 Milligramm pro Liter Nitrat gemessen.

Besonders belastet ist das Grundwasser auf dem Geestrücken: Dort konzentrieren sich große Milchviehbetriebe, Biogasanlagen, Maisanbau. Dadurch fällt dort viel mehr Dünger in Form von Gülle und Gärresten aus den Biogasanlagen an als die Pflanzen auf den landwirtschaftlichen Flächen aufnehmen können. „Das Paradoxe ist, dass wir schon viel zu viel organischen Dünger haben und dennoch noch sehr viel mineralischen Dünger dazukaufen“, sagte Dorit Kuhnt.

Die Folge: Im Herbst ist noch viel zu viel Nitrat im Boden, kann versickern und ins Grundwasser gelangen.

Natürlich geht das Nitrat vom Acker nicht eins zu eins ins Grundwasser. Ein Teil wird im Boden abgebaut. Doch auf Föhr und im Hamburger Rand wurde man bereits durch hochschnellende Nitratwerte im Grundwasser aufgeschreckt. Untersuchungen des Landes bestätigten den Verdacht: Die Abbaufähigkeit der Böden ist endlich und niemand weiß bisher, wann der Boden diese Fähigkeit verliert.

So schnell wie möglich muss die Überdüngung gemeinsam beendet werden, appellierte Guido Austen von der VSHEW und erntete Applaus von Land und Bauernverband. Man setzt auf den Runden Tisch und vor allem auf die Beratung der Landwirte. Statt bisher 5,2 Millionen stellt das Land für die Fünfjahresperiode 14,2 Millionen Euro bereit. „Die Beratung wird von 95 Prozent der Landwirte positiv aufgenommen und ist auch wirksam“, berichtete Jürgen Buchholtz, Gewässerschutzberater von der Firma GWS Nord.

Für Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender im Umweltausschuss des Bauernverbandes, kann die Überdüngung nur beendet werden, wenn andere Bauern überschüssige Gülle vom Geestrücken übernehmen. Dazu müsse Ackerfruchtbetrieben erlaubt werden, Gülle zu lagern.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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