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Ein Haus für Mensch und Pferd

Ulsnis Ein Haus für Mensch und Pferd

Ferien mit Pferd — das stellte Walter Kau einst vor Probleme. Wie kriegt man Zwei- und Vierbeiner unter ein Dach? Kau griff zur Selbsthilfe und entwarf ein Musterhaus. Die Nachfrage dafür sei da, sagt er — doch es gibt ein großes Problem.

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Walter Kau, Geschäftsführer der Skandwood-Horsehouse GmbH sitzt in Ulsnis auf der Terrasse des von ihm entworfenen "Horsehouse", daneben steht ein Fell-Pony im Stallbereich des Gebäudes: In dem Haus können Menschen direkt neben ihren Tieren wohnen.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Ulsnis . Dass das schon mal klar ist: Es müffelt nicht. Es stinkt absolut nicht nach Mist, wenn Walter Kau mit Hedwig und Bella Zeitung liest. Dabei stehen die beiden schwarzbraunen Fellponys am offenen Fenster und schauen aus ihrem Stallbereich hinein in Kaus Wohnzimmer. Das sogenannte „Horsehouse“ bietet für Mensch und Tier ungewöhnliche Perspektiven.

Eine Neuerfindung sei das nicht, räumt Kau, Geschäftsführer der Skandwood-Horsehouse GmbH aus Flensburg ein. Seinen Ursprung habe die Idee, Häuser mit integriertem Stall zu bauen, in Amerika. „Früher wohnte man mit den Tieren im Haus. Ich bin auf alte Traditionen zurückgegangen. Die alten Wikinger haben schon so gelebt.“

Das Musterhaus in Ulsnis nahe der Schlei, das auch als Ferienhaus von Kau genutzt und vermietet wird, ist allerdings deutlich komfortabler als die mittelalterlichen Mensch-Tier-Behausungen. Im Erdgeschoss ist direkt neben dem Wohn- und Essbereich der Stall, der wiederum vom ersten Stock des Hauses überdacht wird. Haben Pferd und Halter das Bedürfnis nach Nähe, lässt sich das Fenster öffnen. Bei der Entwicklung habe er Sorge dafür getragen, dass es zu keinerlei Geruchsbelästigung kommt, sagt Kau. Der Kaltbereich Stall und der Warmbereich Wohnhaus seien thermisch getrennt. Im Flur des Hauses gibt es eine weitere „Geruchsschleuse“ beim Übergang zur Stallgasse, die als Versorgungsgang dient.

Hinter dem Haus können Pferde am „Putzplatz“ gepflegt werden. Wer will, kann über dem Stall ein Heulager einrichten — Kau nutzt den Bereich derzeit lieber als Fitnessraum. Der Stall ist ein sogenannter Laufstall mit Robusthaltung und angrenzendem Sandplatz, erklärt Kau. „Das ist schöner, wenn sich die Tiere frei bewegen können.“ Und natürlich müssen auch beim „Horsehouse“ die Richtlinien des Tierschutzgesetzes beachtet werden.

„Ich war schon lange Stallbauer“, setzt Kau zu einer Erklärung für die ungewöhnliche Haus-Idee an. Mit Kindern und Pferden sei er früher in Urlaub gefahren. „Wir hatten massive Probleme, eine pferde- und menschengerechte Unterkunft zu finden.“ So entstand das „Horsehouse“, als Ferienhaus nutzbar, als Erweiterung für Reiterhöfe oder festes Wohnhaus für Menschen, die ihre Pferde — oder andere Stalltiere - immer nah bei sich haben möchten. Zielgruppe sind Freizeitreiter, „für Profireiter, für Sportreiter ist das nichts“. Auch für Praxen, die mit Tieren arbeiten, sei das Haus geeignet.

Die Nachfrage sei zwar „riesengroß“, berichtet Kau beim Plausch auf der Terrasse, immer beobachtet von Hedwig und Bella. Anfragen kämen auch aus Österreich und der Schweiz. Ein Haus ist bereits in Dithmarschen entstanden. „Aber die Problematik bei der Vermarktung ist: Es gibt fast keine Grundstücke.“ Pferdehaltung werde in Neubaugebieten nicht genehmigt. Nur drei infrage kommende sogenannte Sonderbaugebiete gebe es in Deutschland. „Ich werde mich selbst um die Erschließung kümmern“, schlussfolgert Kau. „Meine Zukunft sehe ich in Sonderbaugebieten. Wir wollen die Gemeinden begeistern. Das kann auch interessant sein zur Belebung des ländlichen Raums.“

„Die Idee ist toll“, sagt Christiane Ferderer, Leiterin der Bundesgeschäftsstelle der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland. „Die meisten unserer Mitglieder leben mit ihren Tieren. Das ist fast ein familiäres Verhältnis.“ Die Tiere sollten natürlich möglichst artgerecht untergebracht werden: „Die Pferde brauchen Auslauf, eine Weide, Lagerfläche ist nötig.“ Auch Ferderer sieht aber baurechtliche Schwierigkeiten: „In Deutschland sind Resthöfe beliebt, da gibt es mit der Baugenehmigung in der Regel keine Probleme.“

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