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Rimmelsberg räumt Missstände ein

Umstrittene Jugendhilfe Rimmelsberg räumt Missstände ein

Die wegen erniedrigender Erziehungsmethoden kritisierte Jugendhilfeeinrichtung Rimmelsberg hat am Donnerstag erstmals pädagogische Fehler zugegeben.

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Der Geschäftsführer der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Rimmelsberg, Volker Clemens stellt beim Pressetermin das pädagogische Konzept vor.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Sillerup. Diesen Vorwurf will Manuel Feldhues nicht stehen lassen. Ja, es habe Handlungsbedarf bestanden. „Aber schwarze Pädagogik hat es hier auf Hof Seeland nie gegeben.“ Der 49-jährige Erzieher ist Inhaber der in die Schlagzeilen geratenen Kinder- und Jugendhilfe Rimmelsberg im Kreis Schleswig-Flensburg und hat an diesem Donnerstagvormittag über eine PR-Agentin die Journalisten aus Kiel, Flensburg und Hamburg zum Gespräch eingeladen. „Transparenz statt Verschwiegenheit“ wurden für diese Pressekonferenz angekündigt. Man könnte es aber auch als Flucht nach vorn bezeichnen.

Feldhues bietet in seinen acht Häusern 61 Plätze an, von denen aktuell aber nur 41 belegt sind. Und auf dem ins Visier der Landesheimaufsicht geratenen Hof Seeland mit seinen 16 Einzelzimmern, wo aber nur noch vier Jungen wohnen, ist die Quote besonders niedrig. Noch bis vor kurzem waren in Rimmelsberg auch sechs unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Aufgeschreckt durch das überregionale Medienecho hatten die Jugendämter diese Jugendlichen kurzfristig lieber woanders untergebracht.

Doch, er stehe unter ökonomischem Druck, bestätigt Feldhues. Bereits vor drei Monaten schaltete er einen Unternehmensberater aus Flensburg ein, und ursprünglich hatte er vor, sein Unternehmen zum September zur gemeinnützigen GmbH umzuwandeln, die neben günstigeren Haftungsfragen vor allem steuerliche Vorteile und die Einwerbung von Spenden ermöglicht. Aufgrund des aktuellen Wirbels sei das neue Ziel nun Anfang 2017.

Fragen zur gesamtwirtschaftlichen Situation, geschweige denn zu Verbindlichkeiten, will der neue Geschäftsführer Volker Clemens nicht beantworten. Nur so viel: Das Ziel, zum September 70 Prozent der Plätze auf Hof Seeland zu belegen, sei „überhaupt nicht mehr realistisch“. Seit vier Jahren ist Clemens beim Träger beschäftigt, seit Anfang des Jahres leitet er den kaufmännischen Bereich. Feldhues tauschte inzwischen auch die pädagogische Leitung aus. Sie sei „mental nicht mehr in der Lage“ gewesen, die Anforderungen zu meistern.

2012 hatte Feldhues „den Laden“, wie er sagt, von seiner Mutter übernommen. Erst auf Nachfrage bestätigt er, dass Helga Breulmann ursprünglich den Friesenhof aufgebaut hatte. Sohn Manuel war bereits mit 13 Jahren der „kleine Hausmeister“, bevor das Heim an Barbara Janssen verkauft wurde. Mit deren Bootcamp-Pädagogik, die in Kiel längst einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss beschäftigt, will Feldhues nichts zu tun haben. Genau davon berichtete allerdings kürzlich in unserer Zeitung ein ehemaliger Seeland-Bewohner. Strafsport und Drill, Kasernenton, Essensentzug und Demütigungen hätten 2012 bis 2014 zum Alltag gehört. „Ich kann es mir nicht erklären“, sagt Feldhues dazu. Er bestreitet nichts, bestätigt aber auch nur das, was ohnehin bekannt ist: das fragwürdige Punktesystem und den Losertisch, an dem Jungen zur Strafe sitzen mussten.

Zu verhindern seien inakzeptable Erziehungsmethoden nur durch eine engmaschige Kontrolle der Mitarbeiter, sagt er. Seit Mitte 2015 gebe es ein Qualitätsmanagement, die Zimmer sind freundlich eingerichtet, es gibt einen Kummerkasten, und am schwarzen Brett hängen Kontaktangaben zur Landesheimaufsicht und zur neu eingerichteten Kieler Ombudsstelle für Heimkinder. Man setze heute auf Mitbestimmung, eine familiäre Atmosphäre und darauf, dass „sich hier alle wohlfühlen“. Im Übrigen nehme man keine Härtefälle mehr auf. Jahrelang habe vor allem Hamburg straffällige Jugendliche vor die Entscheidung ’Knast oder Hof Seeland?’ gestellt. Feldhues sagt dazu: „Da kriechen Sie als Erzieher auf dem Zahnfleisch.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Was Druck von oben doch manchmal bewirken kann. Jahrelang ließ der Inhaber der Kinder- und Jugendhilfe Rimmelsberg, Manuel Feldhues, die Zügel bei seinen Mitarbeitern mächtig schleifen.

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