23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Habeck hält Bohrschlamm für ungefährlich

Erdölförderung Habeck hält Bohrschlamm für ungefährlich

Hinterlassenschaft der Ölförderung in Schleswig-Holstein: Bohrschlamm wurde jahrzehntelang in Gruben gekippt. Umweltminister Habeck versichert: „Das Trinkwasser ist sicher.“ Die Opposition wirft dem Minister Versäumnisse vor. Der Umweltausschuss greift das Thema auf.

Voriger Artikel
Brand in Flüchtlingsunterkunft: keine Verletzten
Nächster Artikel
Ursache ist vermutlich fahrlässige Brandstiftung

Umweltminister Robert Habeck

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. In Schleswig-Holstein könnte sich nach Angaben des Umweltministeriums an etwa 100 Orten sogenannter Bohrschlamm als Altlast aus der Erdölförderung befinden. „Es handelt sich hierbei um Verdachtsflächen, der Sachstand ist noch nicht geklärt“, sagte eine Ministeriumssprecherin am Donnerstag in Kiel. Ein Gutachten und dann weitere Untersuchungen seien geplant. Zu den Verdachtsflächen gehören vier Wasserschutzgebiete und neun Trinkwassereinzugsgebiete. Zunächst hatte NDR Info berichtet und auf eine Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Piraten-Landtagsfraktion verwiesen. Die Opposition hielt Habeck Versäumnisse und Versagen vor.

Die Verbraucher müssten sich keine Sorgen beim Verzehr von Trinkwasser machen, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. „Das Trinkwasser ist sicher. Das Wasser wird so intensiv wie kein anderes Lebensmittel untersucht.“ Zwar gebe es auch in Wassereinzugsgebieten neun Verdachtsfälle. „Würden sie jedoch das Trinkwasser berühren, wäre das längst gesperrt worden. Auch dort kann man unbedenklich weiter das Wasser aus dem Wasserhahn trinken.“

Bereits seit 2014 erfasst

Das Ministerium erfasse die Bohrschlämme bereits seit 2014 gesondert, sagte Habeck. „Man muss wissen, dass wir in Schleswig-Holstein 10.000 Altlasten-Verdachtsfälle haben.“ Davon seien die Bohrschlamm-Fälle nur ein kleiner Teil. „Ölrückstände können Potenzial haben, die Umwelt zu gefährden, in vielen Fällen aber dürfte von den Bohrschlammgruben gar keine Umweltgefahr ausgehen, da das abgelagerte Bohrgut keine Verunreinigung aufweist“, erläuterte Habeck. Möglicherweise gebe es im Land andere Altlasten, die noch bedenklicher seien wie etwa von Chemiewerken oder Reinigungen.

„Nicht richtig ist, dass wir uns darum nicht gekümmert haben“, sagte Habeck. Die Altablagerungen seien ein Erbe von einer mehr als 100 Jahren Gewerbe- und Industriegeschichte. „Es ist eine Mammutaufgabe für die Behörden, solche Altlasten abzuarbeiten.“ Viele der Bohrschlämme stammten aus Bohrungen vor 70 oder 80 Jahren. Damals haben Landwirte laut Ministerium natürlich gefördertes Bohrgut zum Teil auch zur Bodenverbesserung eingesetzt, während die Ölrückstände bei fündigen Bohrungen Potenzial zur Umweltgefährdung hätten. In der Antwort der Landesregierung heißt es: „Eine pauschale Aussage zur Toxizität der abgelagerten Schlämme ist nicht möglich.“

Das Umweltministerium hat die Fachaufsicht, zuständig sind die unteren Bodenschutzbehörden der Kreise und kreisfreien Städte. Zur Unterstützung der Kreise wird das Ministerium einen externen Gutachter beauftragen. Der Experte soll Verdachtsflächen konkretisieren. Danach müssten die unteren Bodenschutzbehörden die entsprechenden Flächen näher untersuchen, etwa mit Grundwasser- oder Bodenproben. Ob eine Gefährdung von Mensch oder Umwelt vorliege, könne nur im Einzelfall nach Abschluss der Gefährdungsabschätzung durch die zuständige Behörden beantwortet werden.

Opposition fühlt sich unterinformiert

Massive Kritik kam von der Opposition. „Es kann nicht angehen, dass das Land erst Ölbohrungen genehmigt und mitkassiert, dann aber die Kommunen bei der Schadensanalyse und -beseitigung alleine lässt“, kritisierte der Piraten-Abgeordnete Patrick Breyer. „Die Kommunen sind mit den vielen Verdachtsflächen augenscheinlich überfordert und kommen nicht nach.“ Und weiter: „Wieso gab es hierzulande in den letzten zehn Jahren keine einzige nennenswerte Sanierungsmaßnahme? Und warum zahlt die Erdölindustrie dem Land Niedersachsen Millionen für Analyse und Sanierung von Schlammgruben, während unser Grüner Umweltminister auf solche Beteiligungen verzichtet?“, fragte Breyer.

Die CDU fühlte sich mit „nur ausweichenden Antworten“ abgespeist. Der FDP-Abgeordnete Oliver Kumbartzky hielt Habeck vor, ihn schon vor über einem Jahr auf die Bohrschlamm-Problematik hingewiesen zu haben. Die FDP will in der kommenden Sitzung des Umweltausschusses Habeck Gelegenheit geben, „dem Landtag seine Ideen vorzustellen“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Mit Karte
Foto: An die Zeit der Erdölförderung in Schwedeneck erinnert diese Pferdekopfpumpe im Ortsteil Sprenge.

An 100 Stellen im Land lagern möglicherweise giftige Bohrschlämme. Das hat das Umweltministerium in der Antwort auf eine Anfrage der Piraten-Fraktion bekanntgegeben. Wie viele Tonnen es sind und ob die Abfälle aus der Erdölförderung gefährlich sind – das kann bisher niemand beantworten.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3