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Wild-App soll mehr Sicherheit bringen

Unfälle in Schleswig-Holstein Wild-App soll mehr Sicherheit bringen

Tag für Tag fallen zig Wildtiere dem Auto- und Zugverkehr zum Opfer. Gerade beginnt wieder das alljährliche Rehsterben auf den Straßen. Gemeldet wird nur ein Bruchteil der Wildunfälle – wenn Menschen zu Schaden kommen oder die Versicherung Autoreparaturen bezahlen soll.

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Der Wissenschaftler Heiko Schmüser führt und leitet das Wildtierkataster

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Um wirksame Maßnahmen zum Schutz von Mensch und Tier zu entwickeln, müssten möglichst alle toten Wildtiere erfasst werden. Das Team vom Wildtierkataster setzt deshalb auf eine Wild-App – und die Hilfe der Bürger.

 „Obwohl wir viel über Wildunfälle lesen, wird das wahre Ausmaß des Verkehrstods bei Wild und insgesamt von geschützten und bedrohten Tierarten immer noch unterschätzt“, sagt Heiko Schmüser. Der 50-Jährige sitzt mit seinen Kollegen in der Kieler Universität. An der Bürotür steht: Wildtierkataster Schleswig-Holstein. Bereits 1995 wurde es auf Initiative des Veterinärmediziners Dr. Ulrich Fehlberg eingerichtet. Ziel war die dauerhafte Beobachtung von Wildtierarten in Schleswig-Holstein. Das Projekt der Landesjägerschaft und dem Institut für Natur- und Ressourcenschutz an der Universität Kiel liefert seither Daten über die Entwicklung von Wildtierarten.

2010 kam das Todfundkataster

 „Als die A 7 ausgebaut wurde, kam 2009 die Frage auf, wo Wildwechsel stattfinden und besondere Schutzmaßnahmen notwendig sind“, erinnert sich Schmüser. Doch es gab keine belastbaren Daten dazu. 2010 wurde deshalb das Todfundkataster eingerichtet. Finanziert wird es vom Landesjagdverbands Schleswig-Holstein und dem Umweltministerium aus der Jagdabgabe. Das Kataster soll Wildunfälle und Todfunde wilder Tiere systematisch erfassen. Auf dieser Basis könnten dann Gefahrenstellen identifiziert, bei Planungen berücksichtigt und bei bestehenden Straßen zumindest entschärft werden – etwa durch Geschwindigkeitsbegrenzungen, Grünbrücken oder Wildradar wie am Rastorfer Kreuz. Außerdem könnten Erkenntnisse über die Wildtierpopulationen gewonnen werden.

5000 Wildunfälle gemeldet

 Inzwischen werden etwa 5000 Wildunfälle pro Jahr gemeldet, meist von Jägern. „Doch das ist nur ein Teil, und meist sind es nur große Wildtiere. Die Wildbiologen interessieren aber alle Arten, von Rebhuhn und Rotmilan bis zu Rothirsch und Feldhase, von Fledermaus und Igel bis zu Wiesel, Fischotter und Eichhörnchen“, sagt Geograf Schmüser. Außerdem gebe es aus einigen Ecken des Landes noch gar keine Meldungen. Deshalb werden jetzt auch die Bürger um Mithilfe gebeten. Um die Meldung von Totfunden möglichst einfach zu machen, wurde eine App entwickelt. Mit ihr kann man direkt über GPS die Koordinaten des Fundortes weitergeben und auch noch ein Foto des Tieres senden. Die App ist kostenlos und erfordert eine einmalige Registrierung. Meldungen sind übrigens aus dem gesamten Bundesgebiet möglich.

 „Wenn genug Daten vorhanden sind, könnte das auch für Navi-Hersteller interessant sein. Sie könnten eine Warnfunktion einbauen nach dem Motto: Vorsicht, in 100 Metern Gefahr von Wildwechsel“, sagt Schmüser. Für eine Tierart wäre solch eine Warnung allerdings überall notwendig: Das Risiko, mit einem Reh zu kollidieren, besteht im gesamten Land. „In diesen Wochen, wenn die Rehböcke ihre Einstandskämpfe haben, ist die Gefahr aber besonders hoch.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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