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Wildschweine als Verkehrsrisiko

Unfall auf der A7 Wildschweine als Verkehrsrisiko

Eine Rotte Wildschweine ist am Dienstag auf der Autobahn 7 bei Großenaspe bei einem schweren Unfall von einem Sattelzug überfahren worden. Unfälle mit Wildschweinen nehmen im Land zu. Auf Autobahnen sind sie allerdings bisher selten gewesen, heißt es bei der Polizei.

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Sie sind massig und schnell, gelten als intelligent und sozial: Wildschweine breiten sich in Schleswig-Holstein immer stärker aus, weil sich die Lebensbedingungen für sie deutlich verbessert haben. Eine Folge: Bei den Wildtierunfällen im Land sind auch immer öfter Wildschweine beteiligt.

Quelle: imago

Großenaspe. Der Unfall ereignete sich im Morgengrauen auf der Autobahnstrecke zwischen Bad Bramstedt und Großenaspe. Die Wildschweine seien plötzlich auf der Bahn gewesen, sagte der Lkw-Fahrer später der Polizei. Ein Ausweichen wäre nicht möglich gewesen. Der Sattelzug überrollte acht Wildschweine. Auch der Fahrer eines nachfolgenden Autos konnte nicht ausweichen und überfuhr sie. Alle acht Tiere verendeten. Die Autofahrer sollen unverletzt geblieben sein. Damit die Feuerwehr die Tierkörper von der Fahrbahn räumen konnte, musste die Autobahn in Fahrtrichtung Norden für etwa anderthalb Stunden gesperrt werden. Der Verkehr staute sich auf bis zu vier Kilometer. Die Polizei schätzt den Schaden an beiden Fahrzeugen auf rund 10.000 Euro.

 „Solch ein Unfall kann auch Menschenleben kosten“, sagt Andreas Schober, Geschäftsführer beim Landesjagdverband Schleswig-Holstein. Häufig würden Autofahrer die Gefahr durch Wildschweine oder Hirsche noch immer unterschätzen. Denn die ausgewachsenen Tiere sind nicht nur kompakt und 150 bis 200 Kilogramm schwer – sie sind auch mit bis zu 60 Stundenkilometern unerwartet schnell. „Die sind so fix, da kann man nicht mehr reagieren", bestätigt ein Sprecher der Autobahnpolizei. Schober ergänzt: „Wenn man mit 100 Stundenkilometern mit solch einem Tier kollidiert, ist es, als wenn man gegen eine Betonwand fährt.“

 Die Unfälle passieren vor allem auf Land- und Bundesstraßen. An den Autobahnen verhindern vor allem in Waldgebieten Schutzzäune, dass das Wild auf die Fahrbahn läuft. Allerdings sind die Wildschweine heute längst nicht mehr auf waldreiche Gebiete beschränkt. „Früher waren Wildschweine vor allem im Herzogtum Lauenburg und den Kreisen Ostholstein und Plön zu finden, inzwischen haben sie sich in der Geest, aber auch im Westen und nördlich des Kanals verbreitet. Rund 80 Prozent des Landes sind inzwischen von Wildschweinen besiedelt.“

Maisanbau und Klima sind verantwortlich

 Schober führt das vor allem auf zwei Faktoren zurück: Der großflächige Maisanbau bietet dem Schwarzwild Schutz und Nahrung, kurz einen idealen Lebensraum. Zweitens begünstigen die klimatischen Veränderungen den Wildschweinbestand. Längere Vegetationsperioden und mildere Winter bewirken, dass heute mehr Frischlinge die Winter überleben als früher. Und zum Teil entwickelt sich der Nachwuchs so rasant, dass er sich noch im gleichen Jahr selbst fortpflanzen kann. Folge: Im Kreis Plön und Ostholstein kann man schon einmal Rotten von 20 Tieren über die Felder laufen sehen. Spaziergänger berichten, dass sie auf Wegen entlang von Maisfeldern Wildschweinen begegnen.

 Die Jägerschaft schießt zwar immer mehr Schwarzwild – vor 30 Jahren waren es etwa 3000 Tiere, 2010 waren es 16000 und im Jagdjahr 2014/15 immerhin 11300 Wildschweine, darunter 18 in Kiel und fünf in Neumünster. Beim Wildtierkataster an der Kieler Universität geht man aber davon aus, dass eine forcierte Bejagung alleine nicht ausreichen wird, wenn man den Wildschweinbestand reduzieren will.

 Die wachsende Wildschweinpopulation erhöht auch das Risiko von Wildunfällen. Um schnell mögliche Gefahrenstellen identifizieren zu können, ruft das Wildtierkataster auf, Wildunfälle oder auch tote Tiere am Straßenrand zu melden. Das dient nicht nur der Unfallprävention, sondern gibt auch wichtige Rückschlüsse auf Wildtierbestände und -bewegungen im Land.

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