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Gesa Bertrang greift nach den Sternen

Uni Kiel Gesa Bertrang greift nach den Sternen

Im Jubiläumsjahr auf Entdeckungstour an der Uni Kiel: Blick in den Himmel. Zusammen mit Gesa Bertrang fragen wir uns, wieso es die Erde, die Sonne und das Sonnensystem gibt. Die Astrophysikerin hat einiges auf sich genommen, um einer Antwort etwas näherzukommen.

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Für so einen Ausblick reisen Astronomen auch schon mal um die halbe Welt: Astrophysikerin Gesa Bertrang in der Sternwarte auf dem Dach des Uni-Instituts.

Quelle: fpr: Frank Peter

Kiel. Gesa Bertrang war schon ganz früh ein „Hans-guck-in-die-Luft“, sagt die 29-Jährige selbst. Schon als Kind faszinierte sie ein Buch, das im Wohnzimmer der Eltern stand, unerreichbar ganz oben im Bücherregal. Ab und zu holten es die Eltern hervor und zeigten ihr die Bilder. „Der Heimatplanet“ hieß es. „In dem Buch waren auch Aufnahmen aus dem All, aufgenommen vom Hubble-Teleskop“, erinnert sie sich. „Die werde ich nie vergessen.“

 Kein Wunder, dass die Gaardenerin nach dem Abitur gleich an die Uni ging. „Ich wusste schon ganz früh, dass ich mal etwas mit Sternen machen werde“, sagt sie. Doch um Astrophysikerin zu werden, muss man zunächst ganz normal Physik studieren. Nach fünf Jahren hatte sie das Diplom in der Tasche und konnte sich ganz den Sternen widmen. Seitdem versucht sie, den Einfluss von Magnetfeldern auf die Entstehung von Planeten zu erforschen. Und das klingt leichter, als es ist. Im Physikunterricht konnten Eisenspäne vor einen Magneten gestreut wunderbar diese Felder sichtbar machen. Aber im weiten All?

 Aber auch im All gibt es Staub. Und der hat eine erstaunliche Eigenschaften: Er reagiert ähnlich wie Eisenspäne. Genau das hilft Gesa Bertrang bei ihrer Forschung. Denn bevor ein Stern und seine Planeten entstehen, gibt es eine riesige Wolke aus Staub und Gas. „Die Teilchen spüren ihre eigene Gravitation und werden zum Zentrum der Wolke gezogen“, sagt die Astrophysikerin. „Die Wolke kollabiert. Sobald Druck und Temperatur im Zentrum hoch genug sind, kommt es zur Kernfusion und ein Protostern ist entstanden“, erklärt sie. Und der entwickelt sich in etwa zehn Millionen Jahren zu einem Stern vergleichbar unserer Sonne, Aus einer Scheibe drumherum werden neue Planeten. „Weil das All so groß ist und unsere Teleskope und Instrumente immer besser werden, vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Planet bestätigt wird. Es scheint ganz so, als sei es ganz typisch, dass sich Planeten um Sterne herum bilden“, sagt sie mit leuchtenden Augen.

 Doch zurück zur Wolke aus Staub und Gas, die irgendwann einmal zu einem Stern wird: Mit Hilfe eines Teleskops kann man sehen, wie sich die länglichen Staubkörnchen ähnlich wie die Eisenspäne in eine bestimmte Richtung ausrichten: in etwa senkrecht zu den Magnetfeldlinien. In ihrer Doktorarbeit nutzt Gesa Bertrang dies, um die Rolle von Magnetfeldern bei der Entstehung von Sonnensystemen zu erforschen. Ohne Magnetfelder keine Stern- und Planetenentstehung.

 Als Beweis dienen ihr Teleskopbilder, die allerdings aufwendig zu machen waren. Denn nicht jedes Teleskop zeigt, was die Astrophysikerin sehen will. Und nicht jedes eignet sich. „Ich habe fünf Beobachtungsanträge bewilligt bekommen – drei in Indien und zwei in Chile“, sagt die junge Frau. In Indien war sie insgesamt eine Woche. Der Weg zum Teleskop war ein Abenteuer für sich. „Fünf Stunden im Sammeltaxi bis zum Kollegen vor Ort und noch einmal drei Stunden Autofahrt bis zum Teleskop. Und dann klemmte auch noch die Kuppelluke. Ich dachte schon, ich hab die Reise umsonst gemacht“, sagt die Wissenschaftlerin. Mit „vier schönen Aufnahmen auf einer CD“ fuhr sie wieder nach Deutschland. „Auch wenn ich während der Rückreise ordentlich Sorgen hatte, dass meiner CD etwas passiert“, fügt sie grinsend hinzu.

 Mit Chile war es einfacher. Da wurden die Fotos gleich online gestellt – ein Jahr lang jederzeit abrufbereit für sie und später auch für alle Interessierten. Drei Staubwolken hatte sie ausgeguckt, um sie genau zu beobachten. Die sind 2,7 bis 33,9 Billiarden Kilometer von der Erde entfernt. In Chile steht das Teleskop in der Atacamawüste, einen der trockensten Plätze der Erde. Das bedeutet: kaum Wolken und wenig Wasser in der Atmosphäre. Beste Voraussetzung also für perfekte Bilder. Ans Teleskop dürfen die Astrophysiker aus aller Welt übrigens nicht selber. Schon allein die Körperwärme im Raum würde die Technik beeinflussen. Deshalb steht in einem anderen Raum immer ein Computer als Zwischenstation, auf dem man das gleich speichern kann, was das Teleskop zeigt. Dabei sind etliche Fehlerquellen wie Staub auf dem Chip, die Wärme des Kamera und vieles mehr noch nicht ausgeschaltet. Um die Aufnahmen davon zu reinigen, schrieb sich Gesa Bertrang auch noch ein spezielles Programm selbst.

 Rund 120 Seiten wird ihre Doktorarbeit umfassen, die Gesa Bertrang gerade fertigstellt. Im Spätsommer geht sie dann zwei Jahre nach Chile – als Doktorin der Astrophysik. Einen besseren Ort zum Forschen kann sie sich nicht vorstellen. Ein Schlaraffenland für Sternengucker. Und vielleicht gelingt es der Kielerin, ein Lebenszeichen in der Atmosphäre eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufzufangen. „Wir schätzen, dass mindestens zehn Prozent der Sterne, die wir sehen, Planeten um sich herum haben“, sagt sie schmunzelnd. „Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass wir nicht die einzigen Lebewesen im Universum sind.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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