17 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Land einigt sich mit Lübeck

Unterkunft für 600 Flüchtlinge Land einigt sich mit Lübeck

Die Landesregierung in Kiel hat sich mit der Hansestadt Lübeck auf einen Standort für den Bau einer Flüchtlingserstaufnahme geeinigt. Die Einrichtung mit 600 Plätzen soll auf einem Grundstück an der Kronsforder Landstraße entstehen.

Voriger Artikel
Flugbetrieb geht vorerst weiter
Nächster Artikel
Mehr Fernzüge für den Norden

„Die Kommunen sind am Limit“, sagt Daniel Günther (CDU).

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel/Lübeck. Das bestätigte Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) am Donnerstag. Weitere Einzelheiten wollte sie nicht nennen, um zunächst die Anwohner zu informieren.

 Eine ursprünglich vom Land geplante Erstaufnahmeeinrichtung im Neubaugebiet Bornkamp war am massiven Protest von Anwohnern gescheitert. Nach dem neuen Standort war monatelang gesucht worden. Derzeit gibt es in der Hansestadt ein Containerdorf auf dem Volksfestplatz als provisorische Erstaufnahme mit rund 830 Plätzen. In die jetzt nach nur fünf Monaten Bauzeit eingeweihte Gemeinschaftsunterkunft im Stadtteil Kücknitz sollen 140 Flüchtlinge einziehen.

 Auf den Rohbau der Unterkunft war Ende Juni ein Brandanschlag verübt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft dauern die Ermittlungen noch an. Die Fertigstellung der neun Doppelhäuser mit insgesamt 42 Wohnungen hat sich nach Angaben der Hansestadt Lübeck durch den Anschlag nicht verzögert.

 Das Land hat den Bau der neun Doppelhäuser mit rund vier Millionen Euro aus einem Flüchtlings-Sonderprogramm gefördert. Die schnelle Umsetzung in Lübeck zeige, dass das Land damit den richtigen Weg eingeschlagen habe, sagte Söller-Winkler.

 Der Aufbau der Integrierenden Flüchtlingsambulanz an Neumünsters Friedrich-Ebert-Krankenhaus macht unterdessen Fortschritte: Bisher sind drei aus Syrien geflüchtete Ärzten eingestellt worden, die seit ein bis zwei Jahren in Kiel und Schleswig leben. Einer arbeitet bereits als Praktikant in der Gefäßchirurgie des FEK. Drei Ärzte werden noch gesucht – „gern auch ein deutscher“, sagte FEK-Sprecherin Maren von Dollen. Auch Pflegekräfte werden noch gesucht: Sechs der zehn Stellen sind noch frei. Bislang wurde unter anderem eine syrische Medizinstudentin aus Kiel als Teilzeitkraft gewonnen.

 CDU-Fraktionschef Daniel Günther hat unterdessen den Flüchtlingsgipfel von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) mit den Vertretern der Kommunen scharf kritisiert. „Die Kommunen sind am Limit“, sagte Günther. Albig sei mit klaren Finanzzusagen und Vereinbarungen vom Gipfel mit der Kanzlerin gekommen. „In dieser Lage die Bürgermeister und Landräte nur mit der Aussage nach Hause zu schicken, dass noch viel mehr Flüchtlinge kommen und sie dafür zu sorgen haben, dass die Stimmung nicht kippt, ist Führungsversagen.“

 Aus Günthers Sicht hätte Albig statt Arbeitsgruppen einzurichten Vorschläge vorlegen müssen, wie das Land die Vereinbarungen mit dem Bund umsetzen will. Die Kommunen müssten wissen, woran sie sind. „Albig darf sich nicht länger vor der Verantwortung drücken, jetzt hier im Land eine klare Aussage zu treffen“, sagte Günther. Er habe auch kein Verständnis dafür, dass Albig wichtige Finanzierungsfragen unbeantwortet lasse.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Flüchtlinge in der Wik
Sie sind selbst noch nicht lange in Deutschland, haben über die ehrenamtlichen Sprachkurse bei der Zentralen Beratungsstelle (ZBBS) Deutsch gelernt und helfen nun anderen Flüchtlingen als Lotsen bei Ämter- und Arztbesuchen (von links): Ehsam (33) und Parinaz (31) aus dem Iran, Saad (31) und Bilal (29) aus Syrien und Maziar (27) aus dem Iran.

450 Flüchtlinge sollen ab 1. November in die neue Gemeinschaftsunterkunft in der ehemaligen Marinetechnikschule in der Wik einziehen. 200 interessierte Bürger kamen am Mittwoch zur Infoveranstaltung und signalisierten ihre große Hilfsbereitschaft.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3