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Urlauber meiden Reisen an den Bosporus

Ferienzeit Urlauber meiden Reisen an den Bosporus

Das miese Wetter macht Sonnenhunger. Dabei dämpfen zwar der Putschversuch in der Türkei und der Anschlag von Nizza die Reiselust der Schleswig-Holsteiner. Die erwartete Stornierungswelle bleibt jedoch aus. Denn schon vor den aktuellen Ereignissen stand zum Beispiel Spanien als Reiseziel höher im Kurs als das Land am Bosporus.

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Paradiesisch und unbebaut ist lange Strand von Patara in der Türkei. Ein Großteil der deutschen Touristen bleibt fern.

Quelle: dpa

Kiel/Eckernförde. „Wir haben viele besorgte Anfragen, aber so gut wie keine Stornierung für türkische Reiseziele. Einige unserer Kunden sind gestern und heute in die Türkei geflogen“, sagt Heinke Flohrs, Inhaberin der Tui Travel Star Reisewelt in Eckernförde und Gettorf am Montag. Auch im Derpart Eckernförder Reisebüro stehen Kunden nicht Schlange zum Umbuchen. „Im Grunde ist die Buchungslage wie zu Jahresbeginn“, bestätigt Geschäftsführer Lars Vondenhoff. „Um mehr als ein Drittel sind bei uns in diesem Jahr die Türkeireisen zurückgegangen“, betont auch Gudrun Kay vom Reisebüro Altenholz.

 Dafür sind in den Eckernförder Agenturen, in Altenholz und auch bundesweit näher gelegene Sonnenziele gefragter denn je. Die Folge: Spanientrips sind so teuer wie lange nicht mehr. Und immer mehr Urlauber bevorzugen die eigene Anreise mit Auto oder Bahn. „Deutschland, Österreich, Norditalien, Kroatien, Dänemark profitieren“, heißt es übereinstimmend.

 Als „dramatischen Schaden für die Türkei“ bezeichnet Jörg Weißgräber, Verkaufsleiter Touristik beim Kieler Reisebüro Fahrenkrog, den Putschversuch. „Das wird auch dem letzten Kunden die Lust ausgetrieben haben“, vermutet der Reiseexperte. Insgesamt hätten sich die Buchungen in das Land sogar halbiert. „Bisher haben wir aber keine Stornierungen“, berichtet auch er. Viele Kunden hätten aber Fragen zur Rechtslage in Krisensituationen. „Ein Anrecht auf eine kostenlose Stornierung gibt es nicht. Da muss das Auswärtige Amt erst eine Reisewarnung aussprechen.“ Für Weißgräber heißt der Gewinner Griechenland: Das Klima sei vergleichbar, die Gastfreundschaft ebenfalls sehr hoch.

 Angst, dass auch in den als ruhig geltenden Urlaubsorten an der türkischen Riviera Terroristen zuschlagen, scheint nicht das Hauptmotiv für den Verzicht auf diesen Urlaub. In Kundengesprächen hören Reiseberater immer wieder: „Die Regierung Erdogan wollen wir nicht unterstützen.“ Nina Koppe, Reiseberaterin im Hapag-Lloyd-Reisebüro Kiel, macht dagegen auch die Erfahrung, dass ein Teil der Kunden die politische Situation bei der Wahl des Reiseziels ignoriert. „Es ist für die Leute eine Frage des Preises. Die Türkei ist jetzt sehr günstig“, weiß sie. Abraten würde sie derzeit von Städtereisen. Nahezu weg vom Fenster sind Nordafrika und Naher Osten mit den Ausnahmen Djerba in Tunesien und Hurghada in Ägypten. Flohrs sagt: „Daher leiden auch wir unter der Krisenstimmung. Andererseits ist unsere Beratungskompetenz jetzt gefragter denn je.“

Von Cornelia Müller und Lutz Timm

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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