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Lieber Dänemark als Tunesien

Urlauber zieht es nach Norden Lieber Dänemark als Tunesien

Nicht nur hinsichtlich des Wetters war es erwartungsgemäß mal wieder ein heißes Auftaktwochenende zum Ferienstart im Norden – vor allem auf den Autobahnen.

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Zu unsicher war es auch Anke Pottkamp (48) und Norbert Reißfelder (52) aus Frankfurt in der Türkei oder in Tunesien.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Jede Menge Geduld von den Autofahrern forderten vor allem die zeitweise bis zu zehn Kilometer langen Staus vor der dänischen Grenze oder der auf bis zu 17 Kilometern zäh fließende Verkehr auf der A7 zwischen Kaltenkirchen und Neumünster. Der Norden profitiert offenbar von zunehmender Terrorangst. Ein Indiz dafür: Viele Ferienfahrer an Raststätten der A7 berichteten von entsprechender Änderung ihres Urlaubsziels: lieber Nord- oder Ostsee statt Mittelmeer.

 Das dachten sich zum Beispiel auch Andreas und Susanna Glissmann, die gerade von ihrem einwöchigen Urlaub in Dänemark Richtung Heimat in Bremen zurückkehrten. Sonst bevorzugt das Paar zwar eher die warmen Mittelmeerregionen. „Aber Türkei oder Tunesien kommt für uns jetzt nicht mehr in Frage, wahrscheinlich sogar die nächsten Jahre nicht.“ Vor allem deshalb, weil die Urlaubspremiere im dänischen Ferienhaus „wunderbar“ funktionierte.

 Ganz ähnlich sah dies auch Familie Polte aus Wilhemshaven, ebenfalls auf dem Rückweg aus Dänemark. „Wir haben uns in diesem Jahr ganz bewusst entschieden, im Norden zu bleiben“, erklärt André Polte, vor allem aus Rücksicht auf seine beiden Kinder Joris (10) und Julian (12). „Denn sie haben nun zum ersten Mal Terroranschläge oder den Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine so richtig bewusst mitbekommen. Und wir wollten nicht riskieren, dass sie aus Angst vielleicht gar nicht in einen Flieger Richtung Süden steigen.“

 In den Norden statt wie sonst häufig in die Türkei oder Tunesien zog es in diesem Jahr auch Norbert Reißfelder und Anke Pottkamp – ebenfalls in ein dänisches Ferienhaus. „Allerdings muss man sehr frühzeitig buchen“, berichtete die 48-Jährige, „sonst ist alles schon weg, weil viele andere offenbar ebenso auf die Idee eines Urlaubs im Norden kommen.“

 Allerdings forderte dem Paar die Anreise aus Frankfurt am Sonnabend jede Menge Geduld ab. Ganz acht Stunden brauchten sie von ihrer Heimatstadt bis zur Raststätte Brokenlande. Und vor der dänischen Grenze ging das Stau-Geduldsspiel voraussichtlich mit einer Wartezeit von rund 40 Minuten noch weiter.

 „Dabei müsste das gar nicht sein“, erklärt ADAC-Stauberater Hauke Nohns, der mit seinen beiden Kollegen an der Raststätte aktuelle Infos zur Verkehrslage an die Ferienfahrer weitergibt. Die dänischen Grenzbeamten hätten extra eine weitere Fahrspur freigemacht, um die Sichtkontrollen zu beschleunigen. „Aber die meisten Autofahrer sehen das gar nicht, stattdessen stehe sie lieben in der zeitweise bis zu zehn Kilometer langen Schlange vor dem Grenzübergang.“

 Auch andere Staus sind aus Sicht des Verkehrsexperten „hausgemacht“ und wären mit etwas mehr Umsicht leicht vermeidbar. Zum Beispiel beim Einfädeln vor Fahrspurverengungen. „Wenn die Leute ihren Dickkopf durchsetzen und keine anderen Fahrzeuge vorlassen wollen, erzeugen sie damit total unnötige Rückstaus“, ärgert sich Nohns und führt gleich noch ein weiteres Beispiel an: ruckartiges Bremsen vor verkürzten Ausfahrten in langen Baustellen. „Etwas mehr Aufmerksamkeit, und schon wäre auch diese Ursache für Staus vermeidbar. Aber irgendeiner torft halt immer.“

 Welche Ursachen zu teilweise massiven Verkehrsbehinderungen auf der A7 am Sonnabend führten, konnte Hauke Nohns natürlich nicht sagen. Fakt war aber: Außer vor der dänischen Grenze gab es zwischen Kaltenkirchen und Neumünster zeitweise bis zu 17 Kilometer lange Staus, etwa sieben Kilometer waren es zwischen Warder und der Hochbrücke. Auch auf der A1 staute sich der Verkehr zwischen Schwartau und Kreuz Lübeck auf zehn Kilometern, zwischen Bargteheide und Reinfeld sogar auf 15 Kilometern.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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