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Ursachen für tote Wale vor der Nordsee vielschichtig

Walsterben Ursachen für tote Wale vor der Nordsee vielschichtig

30 junge Pottwale strandeten Anfang des Jahres in der Nordsee - die wohl größte bekannte Strandungsserie seit Jahrhunderten. Dem Phänomen wollen Wissenschaftler auf der Spur kommen, doch die Ursachen scheinen vielschichtig.

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Anfang des Jahres verendeten zahlreiche Pottwale vor der Nordsee.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Wilhelmshaven. Die jungen toten Wale hatten keine Infektionskrankheiten, hatten genug gegessen und sind nicht wie zunächst vermutet verhungert. Doch in den Mägen der an den Nordseeküsten gestrandeten Pottwale fanden Veterinäre bei der Untersuchung auch Müll. Fischernetze, Leinen, alte Autoteile, Kaffeekapseln und Verpackungen des täglichen Bedarfs seien teilweise in erheblichem Ausmaß entdeckt worden, sagte Prof. Ursula Siebert von der Tiermedizinischen Hochschule Hannover am Mittwoch in Wilhelmshaven. 13 der 30 Tiere wurden dort untersucht. Todesursächlich war der Müll nicht. Aber im weiteren Leben hätten die Wale damit Probleme bekommen, sagte Siebert.

Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) kündigte auf dem eintägigen Walsymposium an, insbesondere die Aktivitäten gegen die Vermüllung der Meere zu verstärken. „Das sind Dinge, die das Leben dieser großen Meeressäuger stark beeinträchtigen könnten.“ Mit der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie der Europäischen Union zur Reduzierung der Müllbelastung sei ein erster Schritt erfolgt. Der Schlüssel sei aber die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung für die Bedeutung der Meere als wichtiger Teil des Ökosystems.

Hier sehen Sie Bilder von den gestrandeten Pottwalen vor Dithmarschen.

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Für die tödliche Strandung der insgesamt 30 Wale sind nach Ansicht der Experten nicht eine einzelne Ursache, sondern eher eine Mischung verschiedener Faktoren verantwortlich. Die zu der Jahreszeit ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen in Nordatlantik hätten möglicherweise die Tintenfische - Lieblingsspeise der Pottwale - weit in den Norden getrieben, sagte Siebert. „Die klimatischen Veränderungen könnten dazu beigetragen haben.“ Schwere akustische Manöver, die die Wale vom richtigen Kurs vom Nordmeer zu den Azoren abgebracht haben könnten, habe es zu der Zeit nicht gegeben.

Walstrandungen in der Nordsee hat es bereits im 16. Jahrhundert gegeben. „Und wir müssen damit rechnen, dass es wieder passiert“, sagte Siebert. „Wenn sie einmal in der Nordsee sind, haben sie kaum eine Chance, da wieder rauszukommen.“ Dass es oft mehrere Tiere sind, ist nicht ungewöhnlich. „Die männlichen Jungwale sind immer in Gruppen von bis zu 40 Tieren unterwegs.“ Niedersachsen hat nach Angaben von Wenzel für die Beseitigung der Kadaver 120 000 Euro gezahlt.

Rund 100 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Verbänden hatten über Phänomen der Walstrandungen und mögliche Ursachen diskutiert sowie Filmbeiträge über das Leben der Wale gesehen.

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