21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Es bleibt fahrlässige Tötung

Urteil Es bleibt fahrlässige Tötung

Die Ärzte glaubten bei der geplanten Entfernung einer Leberzyste an eine Routineoperation. Doch bei dem vermeintlich simplen Eingriff am 29. Juni 2011 war der damalige Chefarzt (51) einer Klinik in Henstedt-Ulzburg völlig überfordert, urteilte später die Justiz.

Voriger Artikel
China wichtiger Wachstumsmotor
Nächster Artikel
Hier gibt es Fischbrötchen in Schleswig-Holstein

Am Dienstag – fast fünf Jahre nach dem vermeidbaren Tod der 67-jährigen Patientin – musste sich ein ehemaliger Chefarzt in Kiel zum zweiten Mal in einem Strafprozess verantworten.

Quelle: Malte Christians/ dpa (Archiv)

Kiel. Am Dienstag – fast fünf Jahre nach dem vermeidbaren Tod der 67-jährigen Patientin – musste er sich in Kiel zum zweiten Mal in einem Strafprozess verantworten. Dort bestätigte eine Berufungskammer des Landgerichts das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Norderstedt. Dieses hatte den Angeklagten, der nach dem Vorfall sofort suspendiert worden war, im Februar 2015 wegen fahrlässiger Tötung zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Chirurg muss zudem 8000 Euro – ein knappes Monatsnettogehalt – an den Kinderhospizverein „Die Muschel e.V.“ zahlen.

Der Mediziner legte Rechtsmittel gegen das Urteil ein, akzeptierte jedoch später den vom Amtsgericht festgestellten Sachverhalt und damit seine Verantwortung für den Tod der Patientin. Deren erwachsene Kinder saßen ihm erneut als Nebenkläger gegenüber. Nach dem jetzt bestätigten Urteil überschätzte der Chefarzt, der über keine speziellen Kenntnisse der Leberchirurgie verfügt habe, seine Fähigkeiten.

Leichtfertig habe er im Vorfeld der Operation auf eine Computer-Tomographie verzichtet, die in der Klinik bereitstand, und die Patientin nur mangelhafter über die Risiken aufgeklärt. Laut Gutachten hatte der Chefarzt Lage und Größe der Leberzyste falsch eingeschätzt und bei der Operation aus Unachtsamkeit den Abriss einer Vene verursacht. Eine starke Blutung war die Folge, zahlreiche Transfusionen waren erforderlich. Beim Versuch, die Blutung zu stillen, verschloss der Chirurg laut Urteil versehentlich die untere Hohlvene und verursachte einen massiven Blutstau. Erst zweieinhalb Stunden nach OP-Beginn entschloss sich der Angeklagte zur Verlegung der Patientin ins Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Laut Urteil hätte der Chirurg die Operation „spätestens nach Eröffnung des Bauchraums“ abbrechen müssen. Im Amtsgericht Norderstedt warf ihm der Vorsitzende zudem vor, die Verantwortung für den Tod der Patientin zunächst auf andere geschoben zu haben. Die Verteidigung hatte damals Freispruch gefordert.

Der Angeklagte trat nach seiner Entlassung eine Chefarztstelle in Attendorn (Nordrhein-Westfalen) an, die er nach eigenen Angaben „aufgrund von Differenzen“ verlor. Anfang 2014 folgte ein Chefarzt-Posten im Kreiskrankenhaus Prignitz (Brandenburg), das sich im Sommer 2015 „aufgrund medialer Berichterstattung“ von ihm trennte. Dann wurde der Angeklagte leitender Oberarzt in Geesthacht. Weil er sich „als Chirurg nicht mehr wohlfühlte“, habe er vor einem halben Jahr eine Stelle im Ausland als Gutachter einer Versicherung angenommen. Dort verdiene er 8700 Euro netto, zahle jedoch das meiste an seine getrennt lebende Ehefrau und die Kinder.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3