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Vattenfall will Reaktor Krümmel abreißen

Kehrtwende Vattenfall will Reaktor Krümmel abreißen

Der Energiekonzern Vattenfall hat nach jahrelangem Streit um das Kernkraftwerk Krümmel bei der Kieler Atomaufsicht den vollständigen Abriss des größten Siedewasserreaktors der Welt beantragt. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) begrüßte den Antrag, der nach Information von KN-online eine heikle Passage enthält.

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Krümmel steht wegen einer Pannenserie seit Mitte 2007 fast ununterbrochen still.

Quelle: hfr (Archiv)

Kiel. Vattenfall will 2018 auch dann mit dem Rückbau beginnen, wenn nicht sämtliches Atommaterial geborgen ist.

„Es ist gut, dass Vattenfall jetzt bereit ist, den Rückbau des Atomkraftwerks Krümmel einzuleiten“, sagte Habeck. Für den Abriss, der bis 2033 dauern soll, hat Vattenfall 1,7 Milliarden Euro zurückgelegt. Habeck: „Damit ist auch klar, dass Vattenfall nicht heimlich doch auf einen Wiedereinstieg in die Atomkraft in Deutschland hofft.“ Hintergrund: Vattenfall hatte sich seit der Stilllegung Krümmels 2011 allen Forderungen aus Kiel widersetzt, den Reaktor abzubauen. Der Konzern klagt zudem vor einem internationalen Schiedsgericht auf Schadenersatz wegen des von der Bundesregierung angekündigten Atomausstiegs. Krümmel galt dabei bisher als Faustpfand des Konzerns.

Der Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy, Pieter Wasmuth, begründete den Sinneswandel auch mit den bereits laufenden Planungen für den Abriss des Vattenfall-Reaktors Brunsbüttel. „Die Erfahrungen, die wir in Brunsbüttel bereits gesammelt haben, fließen in Krümmel mit ein.“ Der Konzern hofft aber nicht nur auf Synergieeffekte beim Rückbau von gleich zwei Meilern, sondern hat auch seine Atomsparte umorganisiert. „Wir haben eine interne Reorganisation durchgeführt, und zwar von einer Betriebs- zu einer Rückbauorganisation“, so der Konzern.

Vattenfall ließ sich eine Hintertür offen. „Wir behalten uns ... ausdrücklich vor, diesen Antrag zurückzuziehen bzw. eine erteilte Genehmigung nicht auszunutzen“, heißt es in den neunseitigen Schreiben an die Atomaufsicht. Habeck sieht darin nur eine juristisch übliche „salvatorische Klausel“ (vorbeugende Absicherung). Auf Nachfrage räumte der Umweltminister ein, dass er Vattenfall letztlich nicht zum Rückbau des Reaktors zwingen kann. Grund: Das Atomgesetz verpflichtet Betreiber nur, Alt-Meiler entweder einzumotten oder abzubauen, macht dafür aber keine Zeitvorgaben.

Zündstoff birgt eine andere Passage des Rückbau-Antrags. Demnach ist „nicht sichergestellt, dass eine vollständige Kernbrennstofffreiheit vor Beginn von Rückbauarbeiten terminplangemäß erreicht werden kann“. Konkret geht es um bis zu 200 defekte Brennstäbe, die in einem Lagerbecken schmoren. Das Umweltministerium sieht darin kein Problem. Im Landeshaus gab es viel Lob für die Rückbaupläne. Auch aus Geesthacht selbst kam Beifall.

Die Geschichte der schleswig-holsteinischen Kernkraftwerke

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Der Rückbau-Antrag für Krümmel ist ein Meilenstein auf dem richtigen Weg des Ausstiegs aus der Atomkraft. Der Siedewasserreaktor gehört zu den acht Kernkraftwerken, die in Deutschland nach der Katastrophe von Fukushima stillgelegt wurden. Und er war der einzige dieser Meiler, dessen Zukunft noch offen war.

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