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Ein Leben für die Hunde

Verein Hundeliebe-grenzenlos Ein Leben für die Hunde

Seit vier Jahren haben sie sich für 1500 Vierbeiner erfolgreich eingesetzt. Der Verein Hundeliebe-grenzenlos aus Kiel rettet Tiere aus Zypern vor der Tötung.

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Jessica (36) und Klaus Thoma (53) (mit den Zypernhunden Emma, Marley und Elsa) sind auf die Vermittlung für Hunde ab 40 Zentimeter spezialisiert: „Die brauchen mehr Hilfe. Welpen und kleineren Hunde finden eher Abnehmer.“

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Marley, ein kräftiger blonder Rüde mit sanftem Wesen, ruft bei Jessica und Klaus Thoma immer wieder außergewöhnliche Gefühle hervor. Und einen Gedanken: ein Glück, dass wir ihn gerettet haben. Marley ist jetzt seit einem Jahr in Deutschland. Ohne den in Flensburg gegründeten Verein „Hundeliebe-grenzenlos“ wäre er nicht mehr: „In seiner Heimat Zypern stand schon der Tierarzt mit einer Giftspritze vor ihm“, berichten die Kieler. So wie er „werden tausende Hunde auf der Mittelmeerinsel von ihren Haltern ausgesetzt, landen erst im privaten Tierheim oder in einer staatlichen Tötungsstation, wo sie nach kurzer Zeit wegen Platzmangel umgebracht werden.“ Um für diese Tiere in Deutschland ein neues Zuhause zu finden, investiert das Ehepaar mit anderen Vereinsmitgliedern aus ganz Schleswig-Holstein fast seine gesamte Freizeit.

Berichte von Hundequälerei, Vernachlässigung und Todesgefahr rufen bei Tierfreunden eine beklemmende Mischung aus Wut und Mitleid hervor. Auch beim Ehepaar Thoma. Vor vier Jahren nahm es seine erste Zypernhündin auf – vermittelt über den damals frisch gegründeten Verein Hundeliebe-grenzenlos. Es folgten zwei weitere für Verwandte und schließlich die aktive Vereinsarbeit: „Wir halten Kontakt zu mehreren Frauen auf Zypern, die die zum Tode geweihten Hunde aufnehmen.“

Zusammenarbeit mit 70-jähriger Zypriotin

Eine von ihnen ist die 70-jährige Zypriotin Eleni. In ihrem Tierasyl im Südosten Zyperns bringt sie in Zwingern unter freiem Himmel um die 90 Hunde gleichzeitig unter. Susi, eine auf Zypern lebende Deutsche, notiert vor Ort die Daten zum Sozialverhalten der Tiere, zu Geschlecht, Alter und Rasse, macht Fotos und Videos und schickt sie per E-Mail an die Vereinsmitglieder nach Schleswig-Holstein. In Kiel hat Jessica Thoma in einem kleinen Esszimmer ihr Büro mit Laptop und Aktenablage eingerichtet. Mehrmals am Tag treffen Mails aus Zypern ein. Aus den vielen Daten wählt sie einzelne aus, schreibt eine Hunde-Vita nach der anderen und stellt sie auf ihre Homepage.

Um die 150 Hundeporträts sind dort aktuell zu finden. Nach Vereinsangaben wurden seit 2011 über 1500 Hunde nach Deutschland in ein neues Zuhause vermittelt und so vor dem sicheren Tod gerettet: Welpen, Hunde bis und ab 40 Zentimeter, Hunde mit Handicap, und solche, die schon in deutschen Familien zur Pflege sind und dort auf ihr endgültiges Zuhause warten. „Es sind alles Mischlingshunde, die meisten nicht älter als vier Jahre“, berichten die Thomas.

Flugpaten werden ständig gesucht

Für Hunde, die sie ins Internet gestellt haben, übernehmen die beiden auch die ehrenamtliche Vermittlung. An manchen Tagen stehe das Telefon kaum still. Konkrete Interessenten werden noch mit einem Hausbesuch überprüft: „Wohnt jemand im vierten Stock und bewirbt sich um eine Dogge, lehnen wir ab.“ Stimmt alles, werden die Helfer auf Zypern aktiv, lassen das Tier vom Arzt checken, chippen und kastrieren. Der größte Zeit- und Kostenaufwand des Vereins steht jedoch noch bevor: der Transport nach Deutschland. Dafür sucht der Verein ständig Flugpaten, die nach Zypern fliegen und mit mehreren Hunden in Transportkästen den Rückflug antreten. Klaus Thoma, der im Hauptberuf Beamter, hat die Transporte schon gemacht.

Aber auch ohne diese dreitägigen Touren sind er und seine Frau neben ihren Vollzeitjobs fast nur für die Hunde im Einsatz. Von ihrer Arbeit im Einzelhandel hat Jessica Thoma um 19 Uhr Feierabend, mehrmals im Monat nimmt sie anschließend ihr Abendbrot im Auto ein, während ihr Mann den Wagen Richtung Hamburger Flughafen steuert. Dort treffen die neuen Halter erstmals auf ihre Zypernhunde. Große Gefühle sind also im Spiel. Und die Thomas wollen dabei sein, wenn die Neuankömmlinge nach dem langen Flug aus ihren Boxen gelassen werden. Vorsichtig bis neugierig beschnüffeln die Vierbeiner ihre zukünftigen Herrchen und Frauchen. Und die ringen um Fassung. Denn vergessen ist das Elend, dem die Tiere entronnen sind, nicht. „Das ist der Moment, für den wir das machen“, sagt Klaus Thoma. „Man sieht ja sonst nicht so oft Männer weinen.“

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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