18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Der neue Weg über die Elbe

Cuxhaven-Brunsbüttel Der neue Weg über die Elbe

Fähnchen, estnische Folkloretänzer und jede Menge Vertreter aus Politik und Wirtschaft: Zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven besteht seit Mittwoch nach 14-jähriger Unterbrechung wieder eine Fährverbindung.

Voriger Artikel
UKSH-Ärzte unterstützen das Land
Nächster Artikel
Ansturm von Asylbewerbern

Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) tanzt in Brunsbüttel nach dem Anlegen an Deck der Fähre mit einer Tänzerin einer lettischen Volkstanzgruppe von Bord.

Quelle: Carsten Rehder/ dpa

Cuxhaven/Brunsbüttel. Betreiberin ist die Cuxhavener Elb-Link-Reederei, gegründet vom estnischen Schifffahrtsunternehmen AS Tallink Group. Mit täglich bis zu zwölf Abfahrten in jede Richtung pendeln zunächst zwei Fähren im 90-Minuten-Takt zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Noch sind ein paar Stellschrauben zu drehen.

Mit mehr als einer Stunde Verspätung läuft die „Saareemaa“ am Eröffnungstag in Brunsbüttel ein – das Schiff sollte hier schon um 12 Uhr von Maja Martens (26), einer Vertreterin der örtlichen Lebenshilfe, auf den neuen Namen „Anne-Marie“ getauft werden. An einem solchen Ausnahmetag läuft eben manches anders als geplant. Elb-Link-Geschäftsführer Christian Schulz (46) verweist auf die erste Schiffstaufe in Cuxhaven, wo die niedersächsische Staatssekretärin Daniela Behrens dem anderen Schiff, jetzt „Grete“ genannt, stets eine Handbreit Wasser unterm Kiel gewünscht hat. Doch dann haben sich weitere wichtige Redner nach vorne gedrängt – und das hat gedauert. „Ab Donnerstag werden wir unsere Fahrzeiten halten“, verspricht Schulz. Das habe man mehrfach erfolgreich ausprobiert.

Die neue Fährverbindung sorge dafür, „dass die beiden Seiten der Elbe weiter zusammenwachsen“, sagt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), bevor er mit der estnischen Folkloregruppe tanzen muss. Angesichts der verkehrstechnischen Herausforderungen, die die umfangreichen Ausbaumaßnahmen der A7 verursachen, komme der neuen Fährlinie eine ganz besondere Bedeutung zu. Doch auch weiterhin sei der Ausbau der A 20 unverzichtbar. Sein niedersächsischer Amtskollege Olaf Lies (SPD) pflichtet ihm bei. Er geht davon aus, dass bei positiver Entscheidung des Bundes im Bundesverkehrswegeplan mit dem Bau der ersten Abschnitte der A 20 auf niedersächsischer Seite bereits 2017 begonnen werden könnte.

Aber wo geht’s denn hier bitte zur Fähre? Zumindest auf schleswig-holsteinischer Seite sucht man eine Ausschilderung bisher vergeblich. „Ich habe mich auch schon verfahren“, sagt Elb-Link-Geschäftsführer Schulz. In den vergangenen Monaten wurde am Fährterminal eine Ampel installiert. Die bestehende RoRo-Rampe musste passgenau verlängert werden, und damit die Schiffe sicher an- und ablegen können, wurden zusätzliche Dalben gerammt. Wer es glücklich auf die Fähre mit ihrem robusten Skandinavien-Charme geschafft hat, wird von einer Stammbesatzung mit 16 Mitarbeitern pro Schicht versorgt. Schulz: „In Dänemark fahren normalerweise sieben pro Schicht. Aber wir wollen ein bisschen mehr als die üblichen Fähren bieten.“

Es sei dieser Spagat zwischen anspruchslosen Fernfahrern auf der einen Seite und verwöhnten Urlauberfamilien auf der anderen, der die Herausforderung ausmacht, sagt Birger Latki (50). Der Transportlogistiker aus Warnemünde war 2014 in einem Gutachten zum Ergebnis gekommen, dass die Fährverbindung rentabel arbeiten kann. „Ob es sich wirklich lohnt, wissen wir erst in ein bis zwei Jahren.“ Eine hohe Frequenz sei wichtig, vor allem aber komme es auf Pünktlichkeit und den reibungslosen Ablauf in den Terminals an. Und auch auf den Preis? Zumindest Urlauber dürften laut Umfrage bereit sein, die 25 Euro im Pkw für die einfache Fahrt zu bezahlen. Die Kosten für Lkw-Fahrten richten sich nach der Größe, Großkunden werden Sonderkonditionen versprochen.

Für den Brunsbütteler Unternehmer Friedrich A. Kruse jun. (29) und seine 70 Fahrzeuge ist die neue Fähre vor allem für die Westverbindung Richtung Rheinland und Benelux interessant. „Wir haben eine Niederlassung in Bremerhaven. Das liegt jetzt vor der Haustür. Knut Frisch (63), Betriebsleiter des Kernkraftwerks Brunsbüttel, verweist wie so viele an diesem Tag auf den Hamburger Elbtunnel. Mit der neuen Fähre werde die Strecke endlich kalkulierbar.

„Nichts geht von heute auf morgen, das ist in der Schifffahrt so, und die ist konservativ“, sagt Elb-Link-Geschäftsführer Schulz. Konservativ bedeute in diesem Zusammenhang aber vor allem eines: Es wird auf die Kosten geachtet. „Und durch diese neue Linie spart man bares Geld“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Mehr zum Artikel
Schifffahrt

Fünf Tage vor Wiederaufnahme des Fährbetriebs zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven können Besucher morgen (12.00 Uhr) die Elbfähre besichtigen. Am Anleger Brunsbüttel bekommen sie beim sogenannten "Open Ship"-Tag die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen eines modernen Fährschiffes zu werfen.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3