7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Mutter erschien nicht vor Gericht

Vernachlässigung Mutter erschien nicht vor Gericht

Eine Angeklagte erscheint nicht vor Gericht. Zweimal hintereinander Sie lebt mittlerweile in NRW. Die Kammer bittet die dortige Polizei, die Frau nach Flensburg zu bringen. Die fühlt sich nicht zuständig. Ergebnis: Ein Haftbefehl und ein echter Prozessbeginn erst im Mai.

Voriger Artikel
Polizei bittet um Hinweise nach Trickdiebstahl
Nächster Artikel
Mehr als zehntausend Flüchtlingshelfer

Ein Haftbefehl gegen die Angeklagte scheint der einzige Weg, den Prozess gegen die Mutter in Flensburg starten zu können.

Quelle: dpa

Flensburg. Der Fall nimmt kuriose Züge an: Zwei Tage versuchte die erste Große Strafkammer am Landgericht Flensburg die Hauptverhandlung gegen eine Frau zu beginnen, die ihren vierjährigen Sohn über Wochen alleingelassen haben soll. Am Dienstag ist der Prozess nun zunächst gescheitert. Die Angeklagte, die mittlerweile in Herzogenrath bei Aachen lebt, war erneut nicht zur Hauptverhandlung erschienen. Ohne sie kann nicht verhandelt werden. Da die Frau bereits am Montag fehlte, wurde am Montagvormittag eine sogenannte Verfügung angeordnet und die Polizei in Aachen informiert, damit diese die Frau nach Flensburg bringt. Diese habe sich jedoch nicht zuständig gefühlt, sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag sichtlich konsterniert.

Daraufhin hat die Staatsanwältin auf Bitten der Kammer bei der Polizei in Flensburg angerufen. Diese hat dann mit den Kollegen in Aachen einen Kompromiss vereinbart: Eine Übergabe der Angeklagten in Münster. Dies hätte aber nicht zeitnah erfolgen können. Die Polizei in Aachen sei am Montag zunächst nicht einmal nach Herzogenrath gefahren, um nachzusehen, ob die Frau überhaupt an ihrem gemeldeten Wohnsitz sei, sagte der Vorsitzende Richter. Angesetzt waren eigentlich Verhandlungstage von Montag bis Mittwoch dieser Woche. Nach hinten verschoben werden hätten sie wegen anderer Termine der Beteiligten nicht.

Haftbefehl gegen die Mutter

Gegen die Angeklagte wird nun Haftbefehl erlassen. Auch ihr Pflichtverteidiger hat die Frau seinen Angaben zufolge seit Monaten nicht mehr gesehen. Offensichtlich gehe es nicht anders, die Frau müsse wohl in Haft genommen werden, sagte der Vorsitzende Richter. „Ich gehe davon aus, dass sich die Polizei in Aachen zumindest für Haftbefehle zuständig fühlt.“

„Ich finde es extrem ärgerlich“ sagte die Staatsanwältin nach der Verhandlung. Der Fall liege eh schon lange zurück. Jetzt dauert es noch einmal fast ein halbes Jahr, bis es zu einer Hauptverhandlung kommt. Ein erneuter Prozess wird wegen anderer Termine der Beteiligten voraussichtlich erst Anfang Mai 2016 stattfinden können.

Angeklagte ließ ihren Sohn rund drei Wochen allein

Die jetzt 38 Jahre alte Frau ist wegen versuchten Totschlags an ihrem Sohn angeklagt. Sie soll im August und September 2012 in Flensburg ihr Kind rund drei Wochen lang in der abgeschlossenen Wohnung alleingelassen haben. Der Junge aß während der Zeit, was er in der Wohnung fand, und trank Leitungswasser. Der Junge wurde gerettet, weil er Termine bei einer Logopädin versäumt hatte. Diese hatte nach dem Rechten gesehen und den Jungen in der verschlossenen Wohnung entdeckt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Prozesse
Heute beginnt der Prozess gegen eine Mutter wegen versuchten Totschlags.

Vor dem Landgericht Flensburg ist der Prozess gegen eine Mutter, die ihren vierjährigen Sohn über Wochen alleine gelassen haben soll, zunächst gescheitert. Die Angeklagte, die mittlerweile in Herzogenrath bei Aachen lebt, war auch am Dienstag nicht zur Hauptverhandlung erschienen.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3