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Moskau schickt Korvetten in die Ostsee

Bewaffnung möglich Moskau schickt Korvetten in die Ostsee

Während Deutschland und andere Nato-Staaten die Aufrüstungspläne für Osteuropa vorantreiben, hat die russische Marine zwei ihrer modernsten Korvetten aus dem Schwarzen Meer in die Ostsee verlegt. Beide Schiffe sollen angeblich auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden können.

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Die russische Marine hat zwei ihrer modernsten Korvetten aus dem Schwarzen Meer in die Ostsee verlegt.

Quelle: Königlich Niederländische Marine

Kiel. Die Neubauten „Zelenyy Doy“ und „Serpukhov“, die mit dem Marschflugkörper Kalibr ausgerüstet werden können, sollen die Baltische Flotte in der Ostsee verstärken. Mit diesem Flugkörper haben die Schiffe im August auch in den Krieg in Syrien eingegriffen. Er fliegt bis zu 2500 Kilometer weit und soll angeblich auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Schwedischen Medienberichten zufolge können von Kaliningrad aus damit Ziele bis an die Atlantikküste Portugals und die Mittelmeerküste erreicht werden.

Die Verlegung der beiden Korvetten zeichnete sich bereits Anfang Oktober ab. Die Schiffe passierten am 5. Oktober den Bosporus. Die ersten Fotos der Korvetten veröffentlichte am Montag der Befehlshaber der niederländischen Marine, Vizeadmiral Robert Verkerk, über Twitter. Ein niederländischer Marinehubschrauber hatte die Aufnahmen gemacht. Die Korvetten sind 62 Meter lang und verdrängen rund 500 Tonnen. Beide Schiffe gehören zur neuen „Bujan“-Klasse.

Bereits in der vergangenen Woche berichtete KN-online von acht Schiffen der russischen Marine, die auf ihrem Weg ins Mittelmeer das Seegebiet 120 Kilometer westlich von Helgoland passierten. An der Beschattung des Geschwaders waren nach KN-Informationen auch deutsche Kriegsschiffe beteiligt, darunter die Korvette „Ludwigshafen“ der Einsatzflottille aus Kiel.

Nato treibt Ost-Aufrüstung voran

Deutschland und andere Nato-Staaten treiben indes die Aufrüstungspläne für Osteuropa voran. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kündigte in Brüssel an, dass der von der Bundeswehr angeführte Verband für Litauen aus rund 1000 Soldaten bestehen wird. „Deutschland wird daran den größten Anteil tragen“, ergänzte sie am Rande von Beratungen mit Bündniskollegen.

Nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium hat Deutschland zugesagt, zwischen 400 und 600 Soldaten sowie Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 für die multinationale Kampftruppe zur Verfügung zu stellen. Die ersten sollen im Februar kommenden Jahres in Richtung Litauen aufbrechen. Unterstützung wird wechselnd aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Norwegen, Kroatien und Luxemburg kommen.

Angst vor einem russischen Angriff

Die jüngsten Aufrüstungspläne der Nato sind eine weitere Reaktion auf die Ukrainekrise und die Angst östlicher Mitgliedsländer vor einem russischen Angriff. Vor allem die baltischen Staaten und Polen fühlen sich bedroht, seit sich der große Nachbar 2014 die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibte.

Beim Bündnisgipfel im Juli war deswegen beschlossen worden, mehrere Tausend Soldaten in die östlichen Bündnisländer zu verlegen. Zudem ist eine verstärkte Präsenz der Allianz in der Schwarzmeerregion geplant. Auch an ihr will sich die Bundeswehr beteiligen. Neben Deutschland übernehmen Großbritannien, die USA und Kanada die Führungsverantwortung bei der Aufrüstungsinitiative. Sie werden die Kampftruppen in Estland, Polen und Lettland führen.

Geplante Stärke der Einheiten sei angemessen

Die geplante Stärke der Einheiten mit je rund 1000 Soldaten nannte von der Leyen „genau angemessen“ und „defensiv“. Sie sei ein klares Zeichen, dass ein Angriff auf ein Land als ein Angriff auf alle 28 Nato-Staaten wahrgenommen würde. Ähnlich äußerte sich nach den Beratungen Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. „Wir sind besorgt über das Verhalten Russlands“, sagte er. Die Aufrüstung werde aber mit weiteren Dialogbemühungen einhergehen.

Russland hatte die Aufrüstungspläne bereits unmittelbar nach den Grundsatzbeschlüssen im Sommer scharf kritisiert. „Die Allianz konzentriert ihre Kräfte darauf, eine nicht existierende Gefahr aus dem Osten einzudämmen“, erklärte das Außenministerium damals und warf der Nato eine „Dämonisierung“ Russlands vor.

Während Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven am Donnerstagmorgen im schwedischen „Morgenfernsehen“ betonte, er sehe „keine direkte Bedrohung gegen Schweden“, sieht das Allan Widman, liberales Mitglied des schwedischen Verteidigungsausschusses, ganz anders: „Es besteht ein reales Risiko für Krieg.“

mit dpa und Niklas Wieczorek

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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