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Land will Rinderherpes loswerden

Virus BHV1 Land will Rinderherpes loswerden

Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will bis spätestens Ende 2016 den anzeigepflichtigen Rinderherpes aus Schleswig-Holsteins Kuhställen verbannen. Der Virus BHV1, für Menschen ungefährlich, sorgt bei den Tieren für Erkrankungen der oberen Luftwege oder für Entzündungen im Geschlechtstrakt und damit Störungen der Fruchtbarkeit.

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Kälber mit BHV1 finden keine Käufer. Ein einmal infiziertes Tier bleibt lebenslang Virusträger. Weil viele Tiere zwar gesund erscheinen, das Virus aber in sich tragen und es weiterverbreiten können, ist die Sanierung in Rinderbeständen sehr schwierig.

Quelle: Jens Büttner/dpa

Kiel. Da Niedersachsen mit der sogenannten Sanierung jedoch eineinhalb Jahre schneller ist, befürchten Experten in Schleswig-Holstein für den Viehhandel erhebliche Absatzprobleme bei Kälbern.

 Pro Jahr werden im Land nach Angaben des Ministeriums etwa 400000 Kälber geboren, die Hälfte davon Bullen. Für diese männlichen Nachkommen gebe es in einer auf Milchwirtschaft getrimmten Landwirtschaft ohnehin kaum einen Absatzmarkt. 20000 Kälber werden bisher direkt nach Niedersachsen und 25000 über Niedersachsen in die Niederlande verkauft. Schließt Niedersachsen dem nördlichen Nachbarn die Türen, müssen die Tiere direkt in die Niederlande transportiert werden.

 Quarantäne rechnet sich nach Angaben von Matthias Leisen, Geschäftsführer der Landesgenossenschaft Rinderzucht, wirtschaftlich nicht. Sie kostet pro Tier und Tag drei bis fünf Euro zuzüglich einer Veterinäruntersuchung. Und das ist viel zu teuer, weil es auf dem hart umkämpften Markt im vergangenen Winter für ein schwarzbuntes Milchkalb nur etwa 70 Euro gab. „Unser Handel muss deshalb direkte Vermarktungswege ansteuern, rechnet aber mit Preisabschlägen von 20 bis 30 Euro.“

 Aktuell sind in Schleswig-Holstein 94,7 Prozent der Betriebe BHV1-frei. Innerhalb von eineinhalb Jahren, seit eine entsprechende Landesverordnung in Kraft trat, ist die Zahl der positiv getesteten Tiere von knapp 12000 auf nunmehr 3300 in neun Kreisen reduziert worden. Die Zahl der Betriebe sei von 413 auf 75 gesunken, hieß es, und liege damit bei etwa einem Prozent. Ab Juli 2016 werde man voraussichtlich noch in 30 Betrieben den Virus nachweisen können.

 Um jedoch den Antrag zur Anerkennung als BHV1-freie Region stellen zu können, müssen 99,8 Prozent der Betriebe frei von Reagenten sein. „Hier sind wir aufgrund von Gesprächen optimistisch, dass diese Betriebe auf Basis von Freiwilligkeit doch schneller sanieren“, sagt Habeck. „So dürfte der erwartete Handelsnachteil für Schleswig-Holstein gegebenenfalls um einige Monate verringert werden.“ Unterdessen weist Stefanie Pöpken vom Verein Pro Vieh auf lange Transportwege hin. Die Kälber, gerade mal zwei Wochen alt, würden im Hänger enormen Belastungen ausgesetzt. Darüber hinaus werde offensichtlich, dass die Landwirtschaft ein Bullenkälberproblem habe: „Jahrzehntelang ist auf Milchviehhaltung gezüchtet worden. Doch die Bullenkälber sind für den Markt uninteressant, weil sie kaum Fleischansatz haben. Das ist eine Fehlentwicklung. Dabei gäbe es genetisches Potenzial an Rindern, die beiden Nutzungsanforderungen genügen.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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