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Nordkirche führt Segnungszeremonie für Homo-Paare ein

Vor Synodentagung Nordkirche führt Segnungszeremonie für Homo-Paare ein

Gleichgeschlechtliche Paare sollen in Zukunft in der evangelisch-lutherischen Nordkirche mit einer neuen Trauungszeremonie den Bund fürs Leben schließen können.

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Bald soll eine der Trauung ähnliche Segnungszeremonie für gleichgeschlechtliche Paare in der Nordkirche möglich sein.

Quelle: Michael Reichel/dpa

Kiel. Mit dem Michaelistag am 29. September und dem darauffolgenden Erntedanksonntag läutet die Kirche das Ende ihrer recht festlosen Sommerzeit ein. Auch die Synode der Nordkirche kommt dann wieder in Lübeck-Travemünde zusammen. Gesetzgeberisch hat sich das Parlament der evangelisch-lutherischen Landeskirche vorgenommen, mit ihren fusionsbedingt unübersichtlichen Regeln zur Segnung homosexueller Paare aufzuräumen.

Programmatisch wollen sich die Synodalen außerdem in 14 Arbeitsgruppen Gedanken über den Frieden machen – angesichts globaler Flüchtlingsströme und immenser deutscher Rüstungsexporte ein komplexes Thema, wie der Präses, der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Tietze, am Mittwoch bei der Vorstellung des Tagungsprogramms in Kiel betonte. Er sei in der Evangelischen Jugend politisiert worden, habe an Friedensdemos teilgenommen und sei anerkannter Kriegsdienstverweigerer. Viele der Synodalen hätten ähnliche Biografien – und suchten nun wie er nach Orientierung. In Zeiten asymmetrischer Konflikte sei es schwer, Antworten zu finden. „Aber wir haben alle nicht verlernt zu argumentieren.“

Die Gesprächsergebnisse der dreitägigen September-Synode sollen im November aufgegriffen werden und in ein Positionspapier einfließen. Landesbischof Gerhard Ulrich wünscht sich eine solche klare Wortmeldung der Kirchenparlamentarier – gerade weil die gesellschaftlichen Debatten in jüngster Zeit rauer geworden seien. Nachdem das Bischofskollegium das starke Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern in einer Stellungnahme kommentiert hatte, seien Reaktionen eingegangen, die ihn „angst und bange“ gemacht hätten. „Die Schwelle, jemanden verbal zu entwürdigen, ist offenbar gesunken“, beklagte der Bischof. Nach der jüngsten Verhaftung von drei mutmaßlichen IS-Mitgliedern in Schleswig-Holstein warnte Ulrich daher auch davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen: „Es gibt keinen Grund, alle Flüchtlinge mit Terroristen gleichzusetzen.“

Beherzte Debatten werden bei der Synode angesichts des Gesetzes über die „Segnung von Menschen in eingetragenen (gleichgeschlechtlichen) Partnerschaften“ erwartet. Während entsprechende öffentliche Gottesdienste in der früheren nordelbischen Kirche nach Zustimmung von Kirchengemeinderat und Propst möglich waren, erlaubte die ehemalige mecklenburgische Kirche diese nur im geschlossenen Rahmen, in Pommern gab es sie gar nicht.

Die Vorlage der Kirchenleitung sieht vor, dass Segnungsgottesdienste künftig in der gesamten Landeskirche möglich sind. Tietze rechnet mit einer „sehr, sehr großen Mehrheit“ für das Gesetz. Spannend dürfte werden, für welche Kontroversen ein Antrag des Kirchenkreises Hamburg-Ost sorgt, in dem von „Traugottesdiensten von gleich- wie andersgeschlechtlichen Paaren“ die Rede ist.

Bischof Ulrich rechtfertigt die unterschiedlichen Namen für beide Amtshandlungen damit, dass so auch diejenigen zustimmen könnten, die die klassische Trauung Paaren aus einer Frau und einem Mann vorbehalten wollen. In beiden Fällen werde die Amtshandlung ins Kirchenbuch eingetragen. Die Zeremonien und auch die Formulare seien identisch. „Gesegnet werden in beiden Fällen die Menschen, nicht ihre Lebensform.“ Ulrich räumte ein, dass es auch im Dialog mit der katholischen Kirche sinnvoll sein könne, nicht von einer Ehe zu sprechen.

Im April hatte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz den Weg für eine rechtliche Gleichstellung von Segnungen und Trauungen frei gemacht, es jedoch auch bei verschiedenen Namen belassen. Beide Kirchen öffnen konservativen Pastoren ein Hintertürchen: Sie dürfen die Segnung homosexueller Paare aus Gewissensgründen verweigern. Die weitestgehende Regelung einer „Ehe für alle“ gibt es in der rheinischen Kirche. „Die Trauung ist ein Gottesdienst anlässlich der Eheschließung oder der Begründung einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft“, heißt es in einem im Januar verabschiedeten Gesetz.

Insbesondere lutherische Kirchen scheinen sich jedoch schwer zu tun. Zwar strebt mit der Landeskirche Hannovers auch die mitgliederstärkste deutsche Landeskirche eine Reform an, ein Zeitplan steht aber noch nicht. Sachsen hingegen gilt als konservatives Bollwerk im Kreis der 20 EKD-Gliedkirchen. Die Nordkirche wäre die fünfte Landeskirche, die Trauung und Segnung rechtlich gleichstellt. In dieser Hinsicht kann die Nordkirche unter den Mitgliedern der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) als progressiv gelten. Ihr Beschluss dürfte ein wichtiges Signal sein – ist Ulrich doch auch Leitender Geistlicher der VELKD.

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