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Ein apokalyptisches Wasteland

Wacken Open Air Ein apokalyptisches Wasteland

„See you in Wacken, rain or shine!”, so lautet das Credo des größten Heavy-Metalfestivals, und am Mittwoch fiel die Wahl komplett auf „rain“. Der ohnehin schon aufgeweichte Boden wurde pausenlos weiter feucht genährt und am Abend glich das Gelände einem apokalyptischen Wasteland. Die Verstärker dröhnten trotzdem und das gut frequentierte „Bullhead City Circus“-Zelt war am Abend Schauplatz für echte Rocklegenden.

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Joey Tempest von Europe.

Quelle: Kai-Peter Boysen

Wacken. „Bitte reist heute nicht mehr an oder nutzt öffentliche Verkehrsmittel“ ist der Wacken-App zu entnehmen. Also ab ins Auto und sehenden Auges in die Katastrophe. Die Anfahrt ist eine einstündige Gratis-Autowäsche, kurz vor Wacken ein Firmenschild an einem Gebäude, „Sommer“ ist dort in verwitterten Lettern zu lesen. Fast unnötig zu erwähnen, dass das Gebäude leer steht. Welches Schicksal sich auch immer dahinter verbergen mag, sinnbildhafter geht es nicht und ist einen Schmunzler wert.

Nach dem reibungslosen Check-In fährt man direkt in eine Art unwirklich illuminiertes Wasteland aus Matsch, Schlamm oder wahlweise Schlamm und Matsch. Begriffe wie Neopren und Thermopren machen im Kopf die Runde. Zeltplatz? Müde winken die Wacken-Crewmitglieder ab, die noch nutzbaren Flächen sind voll und ein Blick auf den Restbereich genügt, um zu sehen, dass man sein Fahrzeug dann auch direkt in Förde hätte fahren können. Also Tagesparkplatz und strategisch günstig geparkt, um eventuell nächtens wieder herauszukommen.  

Springerstiefel, Regenhose, Kapuzenpullover, Regenjacke (alles schwarz natürlich), raus aus dem Gefährt und direkt zehn Zentimeter eingesunken. Der Bullhead City Circus ist das Ziel, dort befinden sich die W:E:T- und die Headbanger Stage, auf letzterer wird gleich die Alternative-Legende New Model Army stehen. Doch bis dahin heißt es Wattwandern, vielmehr Wackwandern und an einem Bauzaun hangelnderweise eine breite Pfütze überqueren.

Das Zelt ist voll, der Boden ist zwar mit Platten ausgelegt, doch auch hier steht überall das Wasser. Egal, von oben ist es trocken und der britischen Band mit dem charismatischen Frontmann und ewigen Mahner Justin Sullivan gelingt es, das ohnehin stets offene Wacken-Publikum für sich zu gewinnen. Zu „Devil`s Bargain“ greift Sullivan sogar zur akustischen Gitarre, Michael Dean ist ein Trommler mit Sinn für Tribal Grooves, ein mystischer Schleier zieht über die nasse Masse, „Angry Planet“ ist ein Song „about our scary, scary future“, den Sullivan gestenreich interpretiert. Einzig „I Love The World“ ist aus der Reihe der Klassiker dabei und wird natürlich gefeiert.

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Aufs richtige Schuhwerk könnte es diesmal besonders ankommen.

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Zeit zum Wechsel an die Bühne nebenan, dort steht im Anschluss Maler, Philosoph und vor allem Gitarrist Uli Jon Roth mit Band, der von 1973 bis 1978 songschreiberisch die Geschicke der Scorpions lenkte und für Klassiker wie „In Trance“ oder „Pictured Life“ verantwortlich ist und diese Klassiker meisterhaft neu auflegt. Vor allem das Riff von „Sails Of Charon“ hat heutige Saitenhexer begeistert, Roth hat einen klar strukturierten Stil, mag Arpeggien und voluminöse Soundeffekte. Wie ein Gitarren-Gandalf zieht der 60-Jährige die Massen in seinen Bann.

Dann Europe, die schwedische Hardrockband mit dem Überhit „The Final Countdown“. Die Band stellt vorerst jedoch ausgiebig ihr neues Album „War Of Kings“ vor, das neben dem dunkel groovenden Titelsong, dem sensiblen „Praise You“ vor allem den famosen Shuffle-Rocker „The Days Of Rock`n Roll“ mit klasse Riff von Gitarrist John Norum aufweist. Sänger Joey Tempest hat stimmlich mit den Jahren eher dazugewonnen und bringt Klassiker wie „Rock The Night“ oder eben das frenetisch umjubelte „The Final Countdown“ souverän an die Kundschaft. Das gibt den nötigen Schwung, den man braucht, um das Auto danach durch den Schlamm auf die rettende Straße zu lenken.

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