18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Wilde Heimat in der Fremde

Wacken Open Air Wilde Heimat in der Fremde

Tief in der schleswig-holsteinischen Wildnis, wo man eigentlich nur mit Kühen und Maisfeldern rechnet, liegt am ersten Augustwochenende die Heimat tausender Metal-Fans: Wacken. Landestypischer Proviant darf beim Wacken Open Air (WOA) nicht fehlen.

Voriger Artikel
Mit Nana Mouskouri in den Metal-Tag
Nächster Artikel
Kräftemessen endet im Krankenhaus

Fünf Dänen in Feierlaune (von li.): Michael Petz, Thomas Jorgensen, Marlene Paulsen, Tim Stie, Louise Stoy.

Quelle: Michael Kaniecki

Wacken. „Ich reise ziemlich viel herum, aber wenn ich das Auto nach 20 Stunden Reise hier um vier Uhr morgens abstelle, dann fühle ich mich zuhause“, sagt Tarquin Bin Hashim aus Malaysia. Ein ganzes Wochenende nur Metal und Rock in entspannter Atmosphäre – das zieht Fans aus der ganzen Welt an und verbindet natürlich.

 Zwischen weißen Pavillons, Flaggen und jeder Menge Menschen ist vor allem eins unübersehbar: der Zusammenhalt. „Wenn ich im Alltag unterwegs bin, denken immer alle ich wäre böse oder Satanistin, dabei bin ich total lieb. Hier bin ich normal“, sagt Oda Gabriela Undertun Antonsen. Vielleicht ist die Akzeptanz anderer gerade wegen der schrägen Blicke im täglichen Leben, der Rechtfertigungen für den vermeintlich schrägen Musikgeschmack und anderen Vorurteilen gegenüber Metallern hier so groß. Die Norwegerin und der Metal-Fan aus Malaysia haben sich vor zwei Jahren auf dem Campingplatz kennengelernt und treffen sich hier wieder.

 Unter Bandshirts mit kaum lesbaren Aufschriften und langen Haaren verbergen sich große Herzen. In jedem Zeltlager wird man mit Bier, Essen oder einem lautstarken Wacken-Ruf begrüßt. Vor allem Ingo Ruwoldt hat diese Mentalität verinnerlicht. Ob Cola, Grillfleisch oder Dosenbier – immer wieder verlässt er seinen Liegestuhl, um Bewohner und Besucher zu versorgen. Seit einigen Jahren begleitet er seine Tochter Ines auf das Festival. Am Donnerstag komplettieren Mutter und Sohn das Familienquartett.

Hier finden Sie Fotos vom Dienstag in Wacken.

Zur Bildergalerie

 „Urlaub ist das nicht“, weiß Ingo, „aber es ist schön, das gemeinsam als Familie zu erleben.“ Bei strömendem Regen und Matschwetter hat er für die gesamte Familie plus die schwedischen Freunde Suppe gekocht. Eben ein typischer Papa. Jocke Sunderberg, Judas Thulstrup und Douglas Larson waren so begeistert, dass sie ihm den Spitznamen „Almighty Ingo“ gaben. Die drei Skandinavier freuen sich zusätzlich über das günstige deutsche Bier. „In Schweden würde ich für ein Festivalticket so viel zahlen, wie für die gesamte Reise mit Proviant zum Wacken“, sagt Sunderberg. Trotzdem darf der blau-gelbe Dosenkaviar und das Wasa Knäckebrot aus der nordischen Heimat nicht fehlen. Sogar außerhalb des Wackens hält die deutsch-schwedische Freundschaft, durch gelegentliche Besuche in beiden Ländern.

 Auch deutsch-niederländische Freundschaften werden gepflegt. Xenia Miller und Kim in´t Veld gehören zur Gruppe der „Wacken 49ers“ – ein Club, dem 55 Niederländer und Deutsche angehören. Einige Tagen vor Wacken treffen sich alle bei Freunden und feiern die Pre-Party, dann geht es gemeinsam aufs Festival-Gelände. Die Verbundenheit zum Club beweisen beide mit einer „Wacken 49ers“-Tätowierung. „Eigentlich hatte ich Angst vor so einem großen Festival, weil ich kleinere Veranstaltungen familiärer finde,“ sagt Kim in´t Veld, „aber Wacken verbindet beides.“ Das kann Miller nur bestätigen: „Ich habe hier noch nie einen Streit oder eine Prügelei mitbekommen.“ Beide sind sich einig: Das macht die Musik. Obwohl sie sich hier in der Provinz wohlfühlen, helfe nur der original niederländische Käse gegen den Kater am nächsten Morgen. Aber vor lauter Pre-Parties sei der schon lange ausgegangen.

 Auf einem Festival mit über 120 Bands geht es natürlich nicht nur um die Besucher auf dem Campingplatz. „Wir kommen aus Dänemark. Wenn wir uns auf dem Acker betrinken wollen, machen wir das bei uns. Wir sind für die Bands hier“, sagt Niklas Korsholm lachend. In diesem Jahr fiebern die Metalheads besonders dem Auftritt von Iron Maiden entgegen. Höchstens für den Kultmusiker Mambo Kurt schwärmen die Nachbarn aus dem Norden noch mehr.

 Den wichtigsten Satz für das Wacken Open Air können übrigens alle: „Hast du ein Bier?“ Und ehrlich: Mehr Deutschkenntnisse braucht man an einem Metal-Wochenende in der norddeutschen Provinz auch nicht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3