14 ° / 10 ° Regen

Navigation:
Waffennarr hortete viel mehr als erwartet

Nordfriesland Waffennarr hortete viel mehr als erwartet

Waffennarr oder anderer ernster Hintergrund? Nach dem Fund eines Weltkriegspanzers sorgt ein Waffenarsenal in einem Einfamilienhaus in Nordfriesland für Schlagzeilen: Nur durch Zufall entdeckten Ermittler dort bis zu 90 Kilogramm TNT und 40 Langwaffen.

Voriger Artikel
Siebenjähriger nach Unfall in Lebensgefahr
Nächster Artikel
Zum Arbeiten in den Kindergarten

Polizisten haben bei einer Razzia in einem Einfamilienhaus im nordfriesischen Winnert kistenweise Panzerfäuste, Handgranaten, Maschinenpistolen und Sprengstoff sichergestellt.

Quelle: Wolfgang Runge/dpa

Winnert/Flensburg. Das Neubaugebiet wirkt auch tagsüber verschlafen: Die Straßen in Winnert sind menschenleer, vor vielen Fenstern schirmen Jalousien den Blick ins Innere ab. Ein flatterndes Absperrband stoppt die Fahrt eines kleinen Jungen in dem Ort mit gut 700 Einwohnern im Kreis Nordfriesland. „Ich weiß, was die da machen: Der Mann hat Kriegswaffen“, ruft der Junge. Aber nicht nur Kriegswaffen haben die Ermittler bei einer Razzia in dem Einfamilienhaus hinter dem Flatterband gefunden, auch knapp 90 Kilogramm des Sprengstoffs TNT. „Wenn nur eines dieser Teile explodiert wäre, würde hier kein Haus mehr stehen“, zeigt sich eine eine Nachbarin in einem Interview mit dem NDR schockiert.

„Außerdem beschlagnahmten die Beamten 40 Langwaffen, darunter ein Maschinengewehr, diverse Kurzwaffen, 2 Panzerfäuste und eine Landmine russischer Herkunft“, sagt die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt. Zu den Durchsuchungsobjekten gehört auch ein Schuppen des Mannes. Eine Handgranate müssen die Einsatzkräfte bereits am Dienstag kurz nach Beginn der Aktion kontrolliert vor Ort sprengen. Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler nun von den Daten eines sichergestellten Computers.

Nur durch Zufall sind die Ermittler auf die Spur des nicht vorbestraften 35-jährigen Mannes geraten. Auslöser waren Ermittlungen des Bundeskriminalamtes im Zusammenhang mit sogenannten Salut-Waffen. Der Mann soll fünf dieser nicht schussfähigen Waffen aus der Slowakei eingeführt haben. Tatsächlich soll es aber möglich gewesen sein, diese Deko-Waffen mit einfachen Mitteln wieder kriegstauglich zu machen.

„Der Hintergrund ist völlig unklar“, sagt Oberstaatsanwältin Stahlmann-Liebelt. Gegen den Mann wird wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ermittelt. Die Vernehmung dauert am Mittwoch an. Bereits den zweiten Tag hintereinander füllen Beamte vorsichtig Waffen, Munition und illegales Feuerwerk in Gitterboxen. Woher sie stammen, ist ebenso unklar wie die Frage, ob es sich bei dem Eigentümer um einen Waffennarren handelt oder ob es einen anderen, ernsten Hintergrund gibt.

In dem kleinen Ort herrscht unterdessen Aufregung. Sie habe zunächst geglaubt, nach der Sprengung einer Handgranate sei der Spuk vorüber, sagt Bürgermeisterin Jutta Rese, die in derselben Straße wie der Mann wohnt. Doch dann hätten die Kampfmittelräumer immer mehr Kisten aus dem Haus getragen. „Dann kamen bei mir der Schock und die weichen Knie. Das ging auch anderen Dorfbewohnern so.“

Von den Waffen habe sie nichts gewusst, sagt die Lokalpolitikerin. „Rein optisch macht der Mann überhaupt keinen gewalttätigen Eindruck.“ Er wirke eher leise, ruhig, freundlich, aber auch distanziert — so beschreibt sie ihren Nachbarn. „Er hat keine großen Kontakte in der Straße.“

Der 35-Jährige habe das Haus vor fünf oder sechs Jahren gekauft und dort eine Zeit lang mit einer Lebensgefährtin gelebt. Die habe sie aber seit langem nicht mehr gesehen. „Sie war nach meinem Kenntnisstand Polizistin“, sagt Rese. Beide hätten zusammen in der Garage offenbar gelegentlich Schießtraining gemacht, allerdings wohl mit Platzpatronen.

Während viele Grundstücke in Winnert zur Straße hin offen sind, liegt das Haus des Mannes in dem Neubaugebiet versteckt hinter mannshohen Bäumen: Ein rot geklinkertes Gebäude mit Krüppelwalmdach, an der Südseite eine Haufen Kaminholz und einige Baumstämme, die noch darauf warten, gespalten zu werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Heikendorf
Foto: Ermittler sind mit Tiefladern und Bergepanzern in Heikendorf angerückt, um schweres Kriegsgerät zu beschlagnahmen.

Ein Kampfpanzer aus der Wehrmachtszeit wurde jetzt bei den Durchsuchungen von Polizei und Staatsanwaltschaft auf einem privaten Anwesen im Heikendorfer Ortsteil Kitzeberg beschlagnahmt und abtransportiert. Außerdem wurde ein rund sieben Meter langer Torpedo sichergestellt.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3