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Stimmenfang ohne Plakate?

Wahlkampf Stimmenfang ohne Plakate?

Es ist soweit: Von Straßenlaternen, Ampelpfosten und Verkehrsinseln lächeln ab sofort Kandidaten aller Parteien ihren potentiellen Wählern entgegen, werben mit Kombination aus Wahlspruch und Gesicht um Stimmen für die Bundestagswahl. Ohne Plakate geht es also nicht. Oder doch?

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Wahlwerbung ohne Gedrucktes geht nicht, sagt sich auch FDP-Spitzenmann Wolfgang Kubicki, hier in der Plakatversion im Rapsambiente zur Landtagswahl 2017.

Quelle: Ulf Dahl

Lübeck. Plakate zählen zum Standardrepertoire der Wahlwerbung, mehr als 35.000 stellt allein die CDU dieses Jahr in Schleswig-Holstein auf. Der Einfluss der Polit-Poster auf den Wahlausgang ist allerdings umstritten: Unverzichtbares Instrument, um Menschen auf sich aufmerksam zu machen, meinen die einen – „nichtssagend“, „alles das Gleiche“ und „steht nur im Weg“ sagen die anderen.

Vor allem in Lübeck sorgen Wahlplakate wegen nicht eingehaltener Aufstell-Regeln oft für Diskussionen. Auch deshalb fahren die Grünen in der Hansestadt diesmal eine andere Strategie: Sie werden den Wahlkampf komplett ohne Plakate bestreiten. „Ich halte diese Art der Werbung für überholt“, sagt Direktkandidat Thorsten Fürter. Ihm sei wichtiger, die Wähler über Medien anzusprechen, bei denen diese sich aktiv am Dialog beteiligen können, zum Beispiel über Facebook. Doch dieses Experiment wagt zunächst nur der Kreisverband Lübeck, die Landesgrünen beteiligen sich noch nicht. „Der Gedanke war: Verzichten wir mal darauf, und schauen, wie es sich auswirkt“, so Fürter.

Für andere Parteien kommt so ein Versuch bislang nicht in Frage. „Wir haben als Volkspartei den Anspruch, jeden zu erreichen“, sagt CDU-Sprecher Max Schmachtenberg. Die Grünen hingegen hätten die Möglichkeit, den Großteil ihrer Wähler online besser anzusprechen.

Aus Sicht des Werbeprofis ist ein reiner Digital-Wahlkampf ein höchst riskanter Schritt: „Nein, so gewinnt man keinen Urnengang“, sagt Sören Mohr, geschäftsführender Gesellschafter der Kieler Agentur New Communication. Begründung: „Wer ganz auf Plakate und Flyer verzichtet, verliert zwangsläufig kommunikative Aufmerksamkeit bei älteren Zielgruppen.“

Direktkandidat Fürter geht gleichwohl davon aus, dass papierlose Wahlwerbung funktioniert. „Oder zumindest, dass uns die Aktion nicht schadet und die Wähler uns nicht dafür abstrafen.“ Die Digital-Strategie habe außerdem einen Extra-Bonus zu bieten: sie sei deutlich umweltfreundlicher.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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