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Weltlinkshändertag Sie machen das mit links

Die Zeiten, in denen Eltern und Lehrer linkshändige Kinder umerziehen wollten, sind weitestgehend vorbei. Trotzdem kommt es noch vor, dass linkshändige Kinder versuchen, ihre rechte Hand zu nutzen, etwa zum Schreiben. Doch das muss nicht sein.

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Während Rechtshänder den Stift ziehen müssen Linkshänder ihn schieben.

Kiel. Was haben Ministerpräsident Daniel Günther, Schauspieler Axel Milberg, Tennisspielerin Angelique Kerber und fünf Spieler des THW Kiel gemeinsam? Wenn man davon absieht, dass sie alle etwas mit Schleswig-Holstein zu tun haben, eint sie vor allem eines: Sie alle sind Linkshänder und seit 1976 ist der 13. August „ihr“ Tag – der Weltlinkshändertag.

Eine, die sich besonders gut mit diesem Thema auskennt, ist Judith Bremer. Sie ist Händigkeitsberaterin in Kappeln und testet Kinder und Erwachsene, ob sie links- oder rechtshändig sind. „Meist kommen die Eltern zu mir, wenn ihre Kinder in die zweite oder dritte Klasse kommen und ganz plötzlich Schwierigkeiten in der Schule haben“, sagt Bremer. „Denn die Probleme offenbaren sich erst, wenn ab der dritten Klasse die verbundene Schrift geübt wird. Wer da seine nicht-dominante Hand nutzt, überlastet sein Gehirn sehr stark.“ Die Folgen können Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Lese-Rechtschreibschwächen, Sprachauffälligkeiten und grundsätzliche Rechts-Links-Unsicherheiten sein.

So war es auch bei Bremers eigenen Sohn. „Mein Erstgeborener ist sehr gut in die Schule gestartet. Dann, in der zweiten Klasse, hatte er plötzlich Schwierigkeiten.“ Es folgte ein Marathon aus Schulpsychologen und Ergotherapeuten. Dann traf Bremer auf das populär-wissenschaftliche Buch „Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn“ und dachte: „Das ist es! Wie oft hatten wir über unseren Sohn gesagt, es ist, als habe er einen Knoten im Gehirn.“ Und siehe da: Er war Linkshänder. Eine Händigkeitsberaterin lernte ihn an, der Knoten platzte. In dieser Phase merkte auch Diplom-Pädagogin Bremer, dass sie sich für das Thema Händigkeit begeisterte und entschied sich für eine Zusatzausbildung in diesem Bereich.

Grundsätzlich plädiert Bremer dafür, das Thema Händigkeit in die Lehrerausbildung aufzunehmen. Aus diesem Grund sei sie auch schon mit dem Bildungsministerium in Kontakt getreten. „Wir als Gesellschaft müssen dafür sorgen, dass ein Passus zur Förderung linkshändiger Kinder in den Lehrplan eingeführt wird“, sagt sie.

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Ein Artikel von
Alev Doğan
Lokalredaktion Kiel/SH

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