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Gericht bestätigt Haftstrafe für jungen Raser

Fahrlässige Tötung Gericht bestätigt Haftstrafe für jungen Raser

Gericht bestätigt Haftstrafe: In der Berufungsverhandlung um die fahrlässige Tötung eines 57-Jährigen ist die Haftstrafe von 18 Monaten gegen den 25-Jährigen Angeklagten am Montag von der zwölften kleinen Strafkammer des Landgerichts Kiel bestätigt worden.

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In der Berufungsverhandlung um die fahrlässige Tötung eines 57-Jährigen ist die Haftstrafe von 18 Monaten gegen den 25-Jährigen Angeklagten am Montag von der zwölften kleinen Strafkammer des Landgerichts Kiel bestätigt worden.

Quelle: Arne Dedert/ dpa

Kiel/Norderstedt. In der Berufungsverhandlung um die fahrlässige Tötung eines 57-Jährigen hat das Landgericht Kiel das Urteil gegen einen 25-jährigen Norderstedter zu 18 Monaten Gefängnis bekräftigt. Zuvor hatte ihn bereits das Amtsgericht Norderstedt für schuldig befunden, im November 2014 einen tödlichen Verkehrsunfall durch ein Straßenrennen verursacht zu haben. Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

Das Amtsgericht Norderstedt sah es im Oktober 2015 als erwiesen an, dass sich der zur Zeit des Unfalls 23-jährige Anlagenmechaniker auf der Niendorfer Straße in Norderstedt mit seinem Mercedes-Benz der C-Klasse ein Rennen mit einem Freund geliefert hatte. Der Angeklagte und sein Kontrahent – ebenfalls in einem Mercedes unterwegs – sollen gegen 12.20 Uhr auf der zweispurigen Straße mehrere Fahrzeuge überholt haben. Kurz vor dem verhängnisvollen Unfall fuhr der Beschuldigte schräg rechts hinter dem befreundeten Fahrer, ehe er sein Fahrzeug laut Zeugenaussagen stark beschleunigte, um ihn zu überholen. Laut einem Gutachten erreichte er eine Geschwindigkeit zwischen 113 und 130 Stundenkilometern, erlaubt waren 60. Bei diesem Manöver verlor er die Kontrolle über sein Auto, überquerte den durchgezogenen Mittelstreifen und kollidierte frontal mit dem entgegenkommenden Auto eines 57-jährigen Sülfelders. Das Opfer starb noch am Unfallort, seine 48-jährige Ehefrau erlitt schwere Verletzungen, unter denen sie bis heute leidet.

Der Berufungsprozess beschränkte sich auf das Strafmaß. Mit einer „auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkten Berufung“, wie es im Fachjargon hieß, habe der Angeklagte seine Schuld anerkannt und der Witwe des Unfallopfers den erneuten Weg vor ein Gericht erspart, erklärte die Verteidigerin Dr. Christiane Yüksel. Die Juristin forderte Bewährung und argumentierte mit einer guten Sozialprognose. Zudem habe sich ihr Mandant bei der Witwe entschuldigt; das Verfahren habe so intensiv auf ihn eingewirkt, dass er „bestimmt nie wieder etwas riskieren wird“. Zudem sei ein Schmerzensgeld vielleicht besser, als wenn der Unfallverursacher „im Gefängnis verschwindet“.

Auch die Staatsanwaltschaft hielt die Vollstreckung der Haftstrafe „für nicht geboten“. Der Angeklagte habe selber psychische und physische Folgen erlitten, durch den Führerscheinentzug seinen Arbeitsplatz verloren und sei zum Unfallzeitpunkt noch relativ jung gewesen.

Der Anwalt der Nebenklage sprach sich gegen ein milderes Urteil aus. „Es wäre für das Rechtsempfinden der Allgemeinheit nicht verständlich, wenn die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird“, sagte Rechtsanwalt Jörn Wohlgehagen.

Weil der Beschuldigte „fahrlässig die körperliche Unversehrtheit“ der Opfer verletzt habe, verwarf das Gericht die Revision. Für eine Bewährungsstrafe reiche eine gute Sozialprognose nicht aus, erklärte Richter Peter Döbel. Besondere Umstände, die eine Bewährung rechtfertigen, seien nicht gegeben. Zudem sei der 25-Jährige zwar nicht vorbestraft, war jedoch mehrfach wegen Geschwindigkeitsübertretungen auffällig geworden und hatte bereits im Frühjahr 2014 seinen Führerschein für vier Wochen abgeben müssen. Richter Döbel verwies außerdem auf ein Oberlandesgerichtsurteil, das bestätigt hatte, dass „verantwortungslose Raserei“ mit Todesfolge eine Strafe erfordere, die nicht ausgesetzt werden kann.

Die Verteidigung hat bis kommenden Montag die Möglichkeit, Revision gegen das Urteil einzulegen.

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