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Mehr Lehrer für weniger Schüler

Neues Schuljahr Mehr Lehrer für weniger Schüler

Eine bessere Unterrichtsversorgung für alle, mehr Deutschunterricht für Flüchtlinge, freiwilliger Schul-TÜV: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Ernst, fast ein Jahr im Amt, sieht die Schulen im Norden gerüstet fürs neue Schuljahr. Die Opposition sieht Schwächen.

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In Schleswig-Holstein beginnt in der kommenden Woche wieder der Unterricht.

Quelle: dpa/Angelika Warmuth

Kiel. Die Regierung hat den Sparkurs in den Schulen vorerst beendet. Im neuen Schuljahr werden mehr Lehrer weniger Schüler unterrichten. Zum Schulstart am Montag servierte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) gestern im Landeshaus weitere Neuigkeiten. Die große Welle der Schulassistenten soll erst nach den Herbstferien anfangen und der freiwillige Schul-TÜV könnte nach der Landtagswahl für alle Schulen verbindlich werden.

„Wir gehen mit guten Voraussetzungen ins neue Schuljahr“, sagte Ernst. Das gelte auch für die Unterrichtsversorgung. Im Schuljahr 2015/16 gibt es 22531 Lehrer-Planstellen. Das sind 63 Stellen mehr als im Vorjahr, obwohl die Gesamtzahl der Schüler trotz des Flüchtlingszustroms um 1700 auf 378700 sinkt. Folge: Die Unterrichtsversorgung verbessert sich rechnerisch, weil sich ein Lehrer künftig statistisch nur um 16,8 Schüler kümmern muss. Zum Start der Wahlperiode 2012 waren es 17,3 Schüler.

Das Schülerplus an den Grund-, Gemeinschafts- und Berufsschulen erklärte Ernst mit der Flüchtlingswelle. Von den gut 14000 Asylbewerbern, die in diesem Jahr bisher nach Schleswig-Holstein kamen, sind etwa ein Drittel Kinder und Jugendliche. Wie viele Flüchtlinge zur Schule gehen, weiß das Ministerium nicht. Für die Flüchtlinge gibt es 240 Lehrerstellen zusätzlich. Der Bedarf wurde allerdings auf Grundlage der alten Prognose (bis zu 20000 Flüchtlinge) berechnet. Nach der aktuellen Prognose könnten es bis zu 25000 werden.

Ernst, die das Ministeramt im September von Waltraud Wende übernommen hatte, zog zugleich eine positive Bilanz ihres ersten Amtsjahrs und ging dabei auf viele schulpolitische Bereiche ein. Die Kernfelder:

Inklusion : In diesem Schuljahr lernen schon 12200 Kinder mit Behinderungen in Regelschulen. Die Inklusionsquote steigt damit anders als angekündigt deutlich um 3,3 Punkte auf 70,9 Prozent. Schleswig-Holstein dürfte damit weiter an der Bundesspitze liegen.

Schulassistenz: Von den Inklusionshelfern (314 Stellen), die ursprünglich ab Montag in den Grundschulen arbeiten sollten, ist laut Ernst „so gut wie niemand“ da. Die Ministerin machte dafür die Kreise verantwortlich, mit denen das Land lange über die Trägerschaft gestritten hatte. Das Land will nun selbst 60 Prozent der Assistenten beschäftigen. Der Rest soll von Städten und Verbänden angestellt werden. Das neue Versprechen der Ministerin: „Nach den Herbstferien wird ein großer Schwung die Schulen erreichen.“

Schul-TÜV: Die landesweit rund 800 Schulen können sich ab Februar von zwei auswärtigen Fachleuten begutachten lassen. Die Experten werden in Hamburg geschult. Ernst kündigte an, in der nächsten Wahlperiode (nach 2017) eine Bilanz der freiwilligen Aktion zu ziehen. Machen zu wenig Schulen mit, wird absehbar ein Zwangs-TÜV eingeführt. Schleswig-Holstein war Vorreiter beim Schül-TÜV. Die CDU/FDP-Vorgängerregierung kassierte die Regelung.

Lehrerbesoldung: Die rund 2000 Grundschullehrer, die an Gemeinschaftsschulen arbeiten, sollen wie berichtet besser bezahlt werden (A13 statt A12). Ernst machte jetzt erste Angaben, wie die auf insgesamt acht Jahre angelegte Aktion ablaufen soll. Demnach sollen zuerst Lehrer befördert werden, die viele Dienstjahre vorweisen können, das allerdings erst nach einer Fortbildung von insgesamt vier Wochen.

Gastschulabkommen: Das Land überweist für Kinder, die mit Sondergenehmigung in Hamburg zur Schule gehen dürfen, in diesem Jahr 13,2 Millionen Euro an die Hansestadt. Ernst möchte diese Regelung fortschreiben, weil eine freie Schulwahl in der Metropolregion angeblich teurer würde. Die rot-grün-blaue Koalition setzt weiter auf die Wahlfreiheit. Ernst will jetzt mit den Koalitionären reden.

SPD, Grüne und SSW sparten nicht mit Lob für Ernst, CDU, FDP und Piraten übten teils harsche Kritik an der Ministerin. „Leider hat sie die Erwartungen nicht erfüllt“, sagte Heike Franzen (CDU). „Anstatt eine pragmatische Bildungspolitik zu betreiben und notwendige Korrekturen durchzuführen, hat sie die ideologische Arbeit ihrer Vorgängerin fortgesetzt.“

Anita Klahn (FDP) warf Rot-Grün-Blau vor, in der Frage des Gastschulabkommens mit gespaltener Zunge zu reden. Sven Krumbeck (Piraten) gestand der Ministerin zu, dass sie das von ihrer Vorgängerin zerstörte Vertrauen Stück für Stück zurückgewinne. „Allerdings ist durch Sozialkompetenz nicht alles zu ersetzen, was an Ressourcen oder handwerklichen Feinschliff in der Landesregierung für die Schulen fehlt.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Der Ton macht auch in der Politik die Musik. Ein gutes Beispiel ist Schulministerin Britta Ernst. Sie setzt den Schulkurs ihrer umstrittenen Vorgängerin Waltraud Wende fort, das aber hanseatisch kühl, sachorientiert und bodenständig. Mit dem Ergebnis kann das Regierungslager zufrieden sein.

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