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Wölfe meist nur auf der Durchreise

Wildtiere im Norden Wölfe meist nur auf der Durchreise

In den ersten Monaten des Jahres lösten Wölfe in Schleswig-Holstein heftige Diskussionen über den Umgang mit den Wildtieren aus. Inzwischen ist es ruhig geworden. In der offiziellen Wolfsstatistik des Bundesumweltamtes taucht das Land zwischen den Meeren nach wie vor nicht auf.

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Sind die Wölfe in Schleswig-Holstein eigentlich noch auf dem Vormarsch? In den vergangenen Monaten ist es ruhiger geworden um die Wildtiere.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Dazu müsste ein Wolf länger als sechs Monate im Land nachgewiesen werden. Doch bisher nutzen die Tiere Schleswig-Holstein als Transitland – oft unbemerkt.

Die 38 ehrenamtlichen Wolfsbetreuer bekommen immer mal wieder Hinweise aus der Bevölkerung. Mal wurden Spuren gefunden, mal gerissene Wildtiere oder Schafe entdeckt. Oder jemand meint, einen Wolf gesehen zu haben. „Das zählt aber nur, wenn es einen verlässlichen Nachweis gibt, also ein Foto etwa aus einer der Fotofallen vorliegt, Spuren wie Losung eindeutig identifiziert werden oder Risse nachweislich von einem Wolf verursacht wurden“, erklärt Jens-Uwe Matzen, Forstwirt aus Stolpe und Wolfsbetreuer. Das ist jedoch seit Monaten nicht mehr der Fall.

Kein Wolfsrevier und keine Paarbildung

Das heißt nicht, dass es keine Wölfe mehr im Land gibt. „Einzelne Tiere kommen und gehen. Aber wir haben kein Wolfsrevier und keine Paarbildung.“ Im Umweltministerium geht man davon aus, dass sich aktuell immer mal wieder kurzfristig ein bis maximal drei Einzeltiere im Lauenburgischen aufhalten. Aber wo sind die Wölfe geblieben, die im ersten Halbjahr für Schlagzeilen sorgten? Das ist nicht in allen Fällen bekannt. „Einige konnten aber anschließend in den benachbarten Regionen wie Dänemark und Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen werden“, sagt Nicola Kabel, Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums.

Einzelne Tiere sorgten hingegen für Aufsehen. Da war der Wolf, der im Februar bei Mölln eine Schafherde angriff, vier Tiere tötete oder verletzte und sich zunächst nicht von Menschen vertreiben ließ. Ob dieses Tier von Menschen angefüttert worden war und deshalb die Scheu verloren hatte oder ob es schlicht ein unerfahrener Wolf war, blieb ungeklärt. Für Letzteres spricht, dass sich der Wolf nicht aggressiv gegenüber den Menschen verhielt. Hätte er Menschen bedroht, hätte er von einem Beauftragten des Landes erschossen werden können. Dies sollte aber nur das letzte Mittel sein, findet der Wolfsexperte Dr. Norman Stier von der TU Dresden, der das Land fachlich berät. Die Scheu von Wölfen werde stark durch Umwelteinflüsse bestimmt. „Negative Erfahrungen, etwa durch Zusammenstöße mit Autos oder Stromschläge an Zäunen nahe menschlicher Siedlungen erhöhen die Scheu“, sagt Stier. „Positive Erfahrungen, dazu gehören die Fütterung oder Duldung durch Menschen, verringern dagegen die Scheu und sind deshalb unbedingt zu unterlassen.“

Koexistenz ist weiter das Ziel

In den folgenden drei Monaten gab es vier weitere Vorfälle, bei denen Wölfe Schafe töteten. Am größten war der Verlust in einer Schafherde bei Schierensee. Der Wolf tötete 20 Tiere und verletzte zahlreiche andere so schwer, dass sie erlöst werden mussten. Janine Bruser vom Landesverband der Schaf- und Ziegenzüchter fordert ein besseres Meldesystem, um Wölfe von Schafen fernzuhalten. Auch Umweltminister Robert Habeck zeigt sich von dem Angriff auf die Schafherde schockiert, hält aber am Ziel einer Koexistenz mit dem Wolf fest. Matzen setzt auf Aufklärung, Geduld und Geld: „Andere Wolfsgebiete zeigen, dass dann eine Koexistenz möglich ist.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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