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Mittelalter ist zurück in Schleswig

Wikingertage Mittelalter ist zurück in Schleswig

Wenn Frauen in langen Gewändern kostbaren Schmuck feilbieten und Männer im Kettenhemd und mit langen Bärten am Thingplatz vorbeischlendern — dann sind die Wikinger los in Schleswig. Manche kommen nicht aus dem echten Norden, sondern aus Bremen oder Sachsen.

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Die Wikingertage gehen noch bis Sonntag.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Schleswig. Das Mittelalter ist zurück in Schleswig: Am Freitag haben in der Stadt an der Schlei die jährlich stattfindenden Wikingertage begonnen. Bis Sonntag können sich die Besucher in die Zeit der wilden Nordmänner und -frauen zurückversetzen, Feuershows ansehen oder lieber auf dem Wasser mit einem nachgebauten Boot aus der Wikingerzeit fahren.

Die Wikingertage gehören nach Angaben der Veranstalter zu den größten Wikingerveranstaltungen in Europa und ziehen Tausende Besucher an. Viele Familien mit Kindern waren zur Eröffnung des Wikingerdorfes gekommen. Die mussten manchmal erst über die dargestellte Epoche aufgeklärt werden: „Die spielen hier das Wikingerleben nach, Strom gibt's hier nicht“, erklärte eine Mutter ihrem kleinen Sohn.

Auch der Kunsthandwerker Arend Borchers aus Bremen bietet im Dorf seine Waren an. Der ältere Mann mit langem Bart verkauft kunstvoll geschnitzte Gegenstände aus Lindenholz, etwa Brettchen, Armspangen und Schalen. Für einige Stücke dienten Verzierungen in einer norwegischen Stabkirche aus dem neunten Jahrhundert als Vorbild, erzählt Borchers. „Ich versuche, mit den Mustern etwas Neues zu machen“, sagt der Rentner. Auch die Wikinger hätten bereits ihren Schmuck ständig weiterentwickelt. Dennoch wolle er authentische Muster nachahmen.

Einst lernte er in einer Tischlerei, dann studierte er Architektur. Beides ist ein guter Hintergrund für seine Kunstschnitzerei, sagt er. Alles entsteht mit einer Laubsäge. Seit 15 Jahren ist Borchers bei den Wikingertagen dabei, verkaufte aber auch schon in Frankreich, Polen und Norwegen. 150 Stunden sitzt er an manchem Stück, doch der mögliche Erlös bedeutet ihm nicht so viel. „Das Wichtigste ist die Anerkennung“.

Bei der Schmuckverkäuferin Anne Tyrock aus Sachsen werden häufig „Reenactment-Leute“ fündig, Menschen also, die das Mittelalter auf Märkten oder als Hobby nachstellen. Fibeln oder Nadeln werden oft an ihrem Stand mit Bronzeguss-Waren gekauft, normale Besucher greifen eher zu Ketten. 80 Prozent der Stücke entstünden „nach Fund“, also originalen Schmuckstücken. Die gegossenen Dinge seien besonders aufwendig herzustellen, berichtet Tyrock.

Service:

Wiesenstraße, 24837 Schleswig, geöffnet 24. bis 26. Juli, Freitag 13.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 20.00 Uhr, Eintritt 8,50 Euro, Kinder ab vier Jahren 5,50 Euro.

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