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Wohnungsnot: In Kiel wird’s eng

Flüchtlinge Wohnungsnot: In Kiel wird’s eng

Bei der Unterbringung der weit über 20000 Flüchtlinge in diesem Jahr stößt Schleswig-Holstein an seine Grenzen. Zur Bewältigung des Problems denkt die Stadt Kiel in großen Lösungen, wie der Unterbringung in einem Wohnschiff.

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Für die Flüchtlinge wird in Schleswig-Holstein Wohnraum gesucht und benötigt.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa (Symbolfoto)

Kiel. Vor allem in Schleswig-Holsteins Städten sind die Kapazitäten erschöpft. Allein Kiel hat seit Januar über 1000 Flüchtlinge aufgenommen und erwartet nochmal so viele bis Dezember. Zur Bewältigung des Problems denkt die Stadt in großen Lösungen, wie der Unterbringung in einem Wohnschiff. Experten der Bauwirtschaft raten zur Nutzung leerstehender Wohnungen im ländlichen Raum.

 Die allermeisten Asylbewerber, die von der Erstaufnahme in Neumünster nach Kiel kommen, werden in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. „Alle zwölf Gemeinschaftsunterkünfte sind bereits voll belegt“, berichtet Arne Leisner, der bei der Stadt Kiel für die Flüchtlingsunterkünfte zuständige Abteilungsleiter. Neue Standorte würden derzeit „mit Hochdruck“ hergerichtet – zum Beispiel in der Waisenhofstraße (60 Plätze). Unterkünfte im ehemaligen Geburtshaus am Lübscher Baum (25) und in der Marinetechnikschule in der Arkonastraße (400) sollen noch vor dem Winter fertig werden.

 Weitere Standorte für 600 bis 700 Personen sind in der Planung. Doch auch das werde nicht reichen. Zusätzlich hält man Ausschau nach Büro- und Gewerbeflächen. Und selbst die Unterbringung mehrerer hundert Personen in einem Wohnschiff werde von der Verwaltung geprüft, so Leisner. „Wir haben uns im holländischen Utrecht ein Schiff angeschaut mit 400 Flüchtlingen. Nach unseren Belegungsstandards könnten wir dort jedoch nur die Hälfte unterbringen.“ Sechs Quadratmeter stehen einem Flüchtling laut einem Erlass des Landes zu. Wenn noch mehr Flüchtlinge kämen, sei das jedoch auch hierzulande nicht mehr zu garantieren.

 Neben den Gemeinschaftsunterkünften sind Flüchtlinge in Mietwohnungen untergebracht. Allein in Kiel sind es 1037 verteilt auf 270 Wohnungen. Und die Stadt sucht händeringend weitere (siehe Artikel unten). Der Markt ist angespannt, die Konkurrenz um günstige Wohnungen groß. Neben den Flüchtlingen, buhlen Studenten, Hartz VI-Empfänger, Geringverdiener und auch zunehmend alte Menschen um günstigen Wohnraum, berichtet Christoph Kostka. Als Geschäftsführer beim Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (WNV) in Schleswig-Holstein vertritt er 77 Wohnungsgenossenschaften mit einem Viertel aller Mietwohnungen im Lande. Er schließt aus, das kurzfristige Problem durch Wohnungsneubau lösen zu können: „Die Bauverfahren sind zu langwierig, hier ist der Bund gefragt Erleichterungen zu schaffen, um den Prozess zu beschleunigen.“ Auch Container, die kurzfristig in Städten aufgestellt werden, sind für ihn keine gute Wahl: „Die Kosten sind exorbitant hoch, vergleichbar mit einem Wohnungsneubau mit einfachem Standard.“

 Eine sinnvolle Möglichkeit, die Lage etwas zu entspannen, sieht er hingegen in der Unterbringung von Flüchtlingen in leerstehenden Wohnungen außerhalb der Ballungszentren. „Wir haben in Schleswig-Holstein Leerstände etwa in Itzehoe und Leck und vielen kleinen ländlichen Orten.“ Um diese Wohnungen zu nutzen, müsste der Verteilungsschlüssel nach Einwohnerzahlen geändert werden. Aber: „Die Kommunen dürften nicht allein gelassen werden, denn sie sind finanziell und personell nicht in der Lage, die Betreuung und Begleitung zu leisten. Hier sind Land und Bund in der Pflicht.“ Kostka betont außerdem, es gehe ihm nicht darum, Schrottbestände aus dem ländlichen Raum loszuwerden.

 Für Helmut Knüpp, Vorstandsvorsitzender der Wankendorfer Baugenossenschaft, kommt es derzeit zu kuriosen Situationen wie dieser: Während seine Gesellschaft für Bad Segeberg aktuell den Neubau einer Gemeinschaftsunterkunft mit 78 Plätzen plant, stünden acht Kilometer weiter in Wahlstedt 30 Wohnungen leer. Knüpp findet das „volkswirtschaftlich nicht einfach nachvollziehbar“.

 Helfen ohne Risiko

 Auf der Suche nach Wohnraum für Flüchtlinge, richtet sich die Stadt Kiel auch an Privatleute. Wer eine Wohnung, ein Zimmer oder gar ein größeres Gebäude in Kiel an Flüchtlinge vermieten möchte, kann sich beim Wohnungsamt unter 0431/9013660 oder Arne.Leisner@kiel.de melden.

 Wie andere Städte oder Gemeinden tritt die Stadt Kiel als Vertragspartner der Mietpartei auf. Die Verträge gehen von einem halben Jahr bis zu drei Jahren und werden nach Möglichkeit verlängert. Ein risikoarmes Geschäft für den Vermieter, da er nicht mit Mietausfällen zu rechnen hat. Einzige Voraussetzung: Die Räumlichkeiten müssen in Kiel liegen und ein „würdiges Wohnen“ ermöglichen. Dafür verlangt die Verwaltung Mindestanforderungen: „Die Wände müssen trocken, der Wohnraum muss beheizbar sein, die Tür abschließbar und es darf keine Brandgefahr von der Elektrik ausgehen. Außerdem müssen Küche mit Herd und Spüle, sowie ein Bad vorhanden sein. Dusche in der Küche oder Toilette auf halber Treppe sind kein Problem“, erläutert Abteilungsleiter Arne Leisner. Als Miete kann die Stadt maximal die Obergrenze des Mietspiegels zahlen. Für eine Zweizimmerwohnung für zwei Personen mit etwa 60 Quadratmetern bedeutet das maximal 411 Euro Bruttokaltmiete; für eine Dreizimmerwohnung für drei Personen bis 75 Quadratmetern zahlt die Stadt bis zu 510 Euro. Um Streitigkeiten zwischen den Bewohnern auszuschließen, sind Flüchtlings-WG’s in Kiel übrigens kein Thema.

 Besitzer oder Mieter eines Objekts in Kiel, die Flüchtlinge zur Untermiete in einem Zimmer oder einer Einliegerwohnung aufnehmen möchten, sind ebenfalls im Wohnungsamt an der richtigen Adresse. „Wir versuchen für solche Fälle eine Vermittlung zu organisieren“, kündigt Leisner an. Bis das soweit ist, leitet er die Angebote an den christlichen Verein weiter, der den Kontakt zwischen Flüchtlingen und Vermietern herstellt. Auch in diesen Fällen zahlt die Stadt die Miete. In jedem Fall gilt: Hat ein Bewohner das dauerhafte Bleiberecht erhalten, liegt es im Interesse der Stadt, dass er den Mietvertrag übernimmt. Dies geschieht natürlich nur mit Zustimmung des Vermieters.

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