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Zahl der Denkmäler schrumpft

Schleswig-Holstein Zahl der Denkmäler schrumpft

Wie viele Kulturdenkmäler existieren in Schleswig-Holstein überhaupt noch? Nach der Denkmalschutz-Reform werden sie erstmals flächendeckend erfasst. Die ersten Ergebnisse erschrecken den Landeskonservator und die zuständige Ministerin.

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 Das Schifffahrtsmuseum verein an seinem Standort alte Werftgeschichte im Inneren mit der Neuzeit direkt davor.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Die Reform des Denkmalschutzes erhitzte vergangenes Jahr in Schleswig-Holstein die Gemüter. Mittlerweile haben Denkmalschützer etwa ein Drittel der geschätzt 16 000 einfachen Kulturdenkmale im Land erfasst. Das Ergebnis ist aus Sicht des Denkmalschutzes erschreckend. Nur 2800 der 5800 Objekte werden in die geplante Denkmalliste aufgenommen. Der Rest existiert entweder überhaupt nicht mehr oder wurde in der Vergangenheit baulich so stark verändert, dass er nicht den neuen Denkmal-Kriterien genügt.

„Wenn ein wesentlicher Teil unseres kulturellen Erbes nicht mehr vorhanden ist, dann haben wir als Gesellschaft ein Problem“, sagte Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) am Donnerstag. Landeskonservator Michael Paarmann sprach von einem „riesigen Aderlass an Verlust“. Er sprach von einem flächendeckenden Phänomen.

Seit der Denkmalschutz-Reform wird nicht mehr zwischen einfachen und den etwa 8500 besonderen Kulturdenkmalen unterschieden. Für Letztere ändert sich nichts. Die Besitzer von bislang einfachen Denkmalen, die in die neue Denkmalliste aufgenommen werden sollen, will die Behörde in der zweiten Jahreshälfte informieren. Zunächst sollen Eigentümer im Herzogtum Lauenburg benachrichtigt werden.

Erst nach der Aufnahme ihres Gebäudes in die Denkmalliste können sie Einspruch erheben. Der stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, Georg Skalecki, rechnet nicht mehr einer hohen Zahl an Klagen gegen die Aufnahme von Gebäuden in die Denkmalliste.

Vor der Reform wurden Gebäude im Norden per Verwaltungsakt zu Denkmälern erklärt. Eigentümer hatten die Chance, frühzeitig dagegen vorzugehen. CDU und FDP im Landtag warnten deshalb, Sanierungen könnten durch die Gesetzesänderungen komplizierter, Versicherungen teurer und wirtschaftliche Interessen von Eigentümern beeinträchtigt werden. Auch der Eigentümerverband Haus & Grund hatte Spoorendonks Reform massiv kritisiert.

„Der Grund vieler Frustrationen und Unmuts in Schleswig-Holstein war die Tatsache, dass viele Eigentümer nicht wussten, dass sie ein sogenanntes einfaches Kulturdenkmal besitzen“, sagte Paarmann. Nach Ansicht von Spoorendonk hat sich die Einführung eines einheitlichen Denkmalbegriffs deshalb bereits bewährt. Das sogenannte deklaratorische Verfahren sei in vielen anderen Bundesländern auch üblich. „Es hat nach manchen Aufgeregtheiten dazu geführt, dass alles deutlich ruhiger geworden ist.“

„Noch nicht zufrieden“ zeigte sich Spoorendonk dagegen mit der Inventarisierung der Denkmäler. Sie sprach von einem „jahrzehntelangen Vollzugsdefizit“. Die Denkmalliste werde nicht bis Ende des Jahres fertig sein. Zumindest bis Ende 2016 soll die Arbeit der sieben damit beschäftigten Mitarbeiter weitergehen. „Das ganze Projekt ist aufwendiger als wir gedacht haben.“ Nach Ministeriumsangaben betragen die Kosten dafür im kommenden Jahr 290 000 Euro und werden aus dem Haushalt der Behörde finanziert. Andere Projekte würden deshalb nicht gestrichen, sagte ein Sprecher.

Der CDU-Kulturpolitiker Peter Sönnichsen bezeichnete die Reform als Kostenfalle. „Aus dem Autofenster heraus ist eine qualitative Begutachtung von Kulturdenkmalen gar nicht möglich“, sagte er. Auch Spoorendonk müsse klar gewesen sein, dass sich 16 000 Denkmale nicht in zwei Jahren sorgsam erfassen lassen. „Das aber hätte bedeutet, dass sie von Anfang an mit höheren Ausgaben hätte rechnen und diese auch der Öffentlichkeit mitteilen müssen.“

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