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Jeder Zehnte leidet unter Diabetes

Zahl der Zuckerkranken steigt Jeder Zehnte leidet unter Diabetes

In Schleswig-Holstein sollen Schulkrankenschwestern an Grundschulen für die Betreuung von chronisch kranken Kindern eingesetzt werden. Diese und weitere Vorschläge enthält der neue Diabetesbericht des Gesundheitsministeriums, der in dieser Woche dem Landtag vorgestellt wird.

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Blutzuckermessgerät, Insulin, Teststreifen: Wer an Diabetes erkrankt ist, benötigt oftmals eine mobile Hausapotheke.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Landesregierung will mit den Maßnahmen auf die Zunahme von Diabetikern in Schleswig-Holstein reagieren. Bei der AOK ist jeder achte Versicherte betroffen, insgesamt ist es jeder zehnte Schleswig-Holsteiner: Bei 7,2 Prozent der Erwachsenen wurde laut des Robert Koch Instituts bereits ein Diabetes diagnostiziert. Bei weiteren gut zwei Prozent geht man davon aus, dass die Krankheit noch nicht entdeckt ist. Diese Erwachsenen leiden vorwiegend unter Diabetes Typ II, auch Altersdiabetes genannt.

 Hinzu kommt eine steigende Zahl von Kindern und Jugendlichen: 142 waren 2014 an Diabetes, vorwiegend Typ I, erkrankt. Das sind verglichen mit alten Menschen wenige. Aber die Steigerung von 30 Prozent innerhalb von zwei Jahren macht Gesundheitspolitikern und Ärzten große Sorge. „Immer mehr betroffene Familien haben große Probleme, die aufwändige Therapie in den Alltag zu integrieren. Dies ist besonders problematisch, weil sich in dieser Zeit entscheidet, wie Kinder ihre Krankheit und die lebenslange Therapie akzeptieren“, erklärt Gesundheitsstaatssekretärin Anette Langner. Schulkrankenschwestern sollen deshalb den Kindern mit Diabetes, aber auch mit anderen chronischen Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis und Lebensmittelunverträglichkeiten helfen, damit sich die Krankheit zumindest nicht weiter verschlimmert.

 Jedes zwölfte Kind leidet bei der Einschulung an solch einer chronischen Erkrankung. Die Schulkrankenschwestern sollen im ersten Schritt in offenen Ganztagsschulen eingesetzt werden. Weil zudem zehn Prozent der Kinder bei der Einschulung übergewichtig oder fettleibig sind und damit ein erhöhtes Diabetesrisiko haben, soll auch die Prävention verstärkt werden. „Wir wollen Trinkwasserbrunnen in Schulen einrichten, weil dies eine effektive und günstige Möglichkeit ist, den Zuckerkonsum zu reduzieren. Wasser trinken soll cool werden“, sagt Langner. Viele Kinder nehmen bis zu 100 Gramm Zucker allein über Getränke zu sich – pro Tag sollten es aber insgesamt maximal 40 Gramm Zucker sein.

 Für Prof. Morten Schütt, Sprecher der Schleswig-Holsteinischen Gesellschaft für Diabetes, zeigt der Bericht die besondere gesundheits- und volkswirtschaftliche Dimension des Diabetes mellitus. „Dies betrifft die gesamte Gesellschaft in sämtlichen Lebensphasen.“ Am stärksten im Alter: Jeder vierte Heimbewohner hat Altersdiabetes. Doch auch Jüngere leiden immer öfter darunter. Bei türkischstämmigen Migranten sind es 15 Prozent. Auch der Anteil von Schwangerschaftsdiabetes wächst. Für beide Gruppen schlägt der Bericht eine verbesserte Beratung und gezielte Prävention vor. Finanziert werden soll das alles vom Land und vor allem über den neuen Präventionsfonds der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kassen haben sich noch nicht explizit geäußert. Allerdings sitzen auch Kassenvertreter in der Arbeitsgruppe Diabetes, die die Vorschläge mit erarbeitet hat.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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