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Zeitdruck und mangelnde Anerkennung

Sylt-Pendler üben Kritik Zeitdruck und mangelnde Anerkennung

Jeder zweite Befragte einer DGB-Studie zu Sylt-Pendlern beklagt geringe Wertschätzung durch seinen Arbeitgeber. Demnach verhielten sich die Arbeitgeber auf Sylt „deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt“, teilte der DGB Nord am Donnerstag mit.

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Zwei Drittel der Pendler nach Sylt gaben an, sich gehetzt und unter Zeitdruck zu fühlen.

Quelle: Bodo Marks/dpa

Niebüll/Hamburg. Hoher Zeitdruck, viel Arbeit, Schichtzeiten, die kurzfristig geändert werden — die Liste der Kritik von Sylter Pendlern an ihren Jobs ist lang. Der DGB befragte sie an Bahnhöfen. Und war überrascht über das Ausmaß der Belastung.

Die Promi-Insel Sylt ist beliebt bei Urlaubern — Arbeitnehmer beklagen allerdings zunehmenden Stress und Druck. Der DGB befragte Pendler nach ihrer Situation am Arbeitsplatz. Das Ergebnis: Die Hälfte leidet nach eigenen Angaben unter geringer Wertschätzung durch den Arbeitgeber. Demnach verhielten sich die Arbeitgeber auf Sylt „deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt“, teilte der DGB Nord am Donnerstag mit.

Mitte August waren knapp 500 Pendler an vier Bahnhöfen zwischen Westerland und Niebüll nach ihren Arbeitsbedingungen gefragt worden. Viele von ihnen arbeiten im Baugewerbe, im Handel und im Hotel- und Gastronomiegewerbe. Hetze und Zeitdruck machen den meisten zu schaffen — zwei Drittel beklagten sich darüber. In der Gastronomie der Touristenhochburg waren es sogar 85 Prozent. 70 Prozent der Befragten kritisierten, immer mehr in der gleichen Zeit schaffen zu müssen. Für Überstunden bekam mehr als die Hälfte selten oder nie Geld. Die Existenz eines Betriebsrats verbessere die Situation, hieß es.

Positiv vermerkt der DGB dagegen, dass inzwischen nur noch jeder Zwölfte weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdiene. Bei einer Befragung 2012 sei es noch jeder Vierte gewesen.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach zeigte sich nach der Präsentation der Studie überrascht, „wie groß doch bei der Befragung im Gastgewerbe das Empfinden von Arbeitsstress und Belastung ist“. Das Ausmaß sei auf Sylt größer als im Bundesdurchschnitt. „Es zeigt sich, dass sich da dringend was ändern muss.“

Nach Darstellung von DGB-Regionalgeschäftsführerin Susanne Uhl müssen besonders Frauen, die im Reinigungsgewerbe arbeiten, mit hoher „Arbeitsverdichtung“ fertig werden. So gebe es Beispiele, dass in Hotels mehr Zimmer zum gleichen Preis zu putzen seien.

Auch der Mangel an Wertschätzung müsse behoben werden, forderte Buntenbach. Oft würden Arbeitszeiten kurzfristig geändert, oder zusätzliche Arbeit werde nur kurzfristig angekündigt. Dabei werden auf der Insel ständig Fachkräfte gesucht, vor allem in Hotellerie und Gastronomie.

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