21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Flüchtlinge dürfen nach Pause weiterreisen

Lübeck Flüchtlinge dürfen nach Pause weiterreisen

Nach dem Zwangsstopp eines Fernzugs mit 200 Flüchtlingen mit Ziel Kopenhagen in Lübeck will die Polizei einen Großteil von ihnen nach Dänemark weiterreisen lassen. Es bleibe in Schleswig-Holstein beim Prinzip „keine Gewalt“, sagte der Leitende Polizeidirektor Joachim Gutt am Dienstag.

Voriger Artikel
Zug prallt gegen Pferd
Nächster Artikel
Wohnungsnot: In Kiel wird’s eng

In einem ICE nach Kopenhagen saßen 200 Flüchtlinge. Er wurde in Lübeck gestoppt.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Lübeck. Die Landespolizei hat am Dienstag erstmals Flüchtlinge trotz fehlender Papiere nach Skandinavien weiterreisen lassen. Um 8.06 Uhr stoppte die Bundespolizei in Lübeck einen Zug nach Kopenhagen, in dem 200 Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan und dem Irak saßen. Sie weigerten sich, in eine Erstaufnahmeeinrichtung zu gehen. Die Polizisten hätten sie dazu zwingen müssen. „Es bleibt bei dem Prinzip: keine Gewalt gegen Flüchtlinge“, sagte der Leitende Polizeidirektor Joachim Gutt. Insgesamt kamen am Dienstag 1000 Asylsuchende in Schleswig-Holstein an – so viele wie noch nie an einem Tag.

„Wir waren vollkommen überrascht und wissen nicht, woher die Menschen kamen“, sagte Gutt. Es sei eine „polizei-operative“ und keine politische Entscheidung, die Flüchtlinge fahren zu lassen, die er eigenverantwortlich getroffen habe. Unterstützung erhielt er von Innenminister Stefan Studt (SPD): „Allein aus Gründen der Humanität verbietet es sich, gegenüber Menschen, die Schutz suchen, Gewalt anzuwenden.“ Die Menschen hätten mit aller Macht nach Dänemark und weiter nach Schweden gewollt. Sie seien gegenüber den Polizisten nicht kooperativ gewesen. „Eine Räumaktion mit unmittelbarem Zwang habe ich untersagt“, sagte der Polizeidirektor, der den Einsatz aus Kiel leitete. Zweimal wurde kurzzeitig der Bahnhof gesperrt, zwei Gleise bis zum frühen Abend, weil die Gefahr bestand, dass die Menschen darauf gehen könnten.

Um den Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten, wurden in Kooperation mit der Bundeswehr schnell 300 Plätze auf dem Truppenübungsplatz Putlos hergerichtet. „Wir betreiben Tag für Tag Krisenmanagement und sind mit zwei Schichten rund um die Uhr im Einsatz“, sagte Gutt. Mit der Hilfe von Dolmetschern konnte die Polizei 30 Flüchtlinge dazu bringen, in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Neumünster zu fahren. 70 Menschen, darunter 51 Erwachsene und 19 Kinder, erklärten sich bereit, einen Zug in Richtung Putlos zu nehmen. „Sie sind in Oldenburg aber wieder ausgestiegen und nach Kopenhagen weitergefahren. Wir haben das nicht verhindert“, sagte Gutt.

100 Asylsuchende blieben in Lübeck. Sie veranstalteten eine Sitzblockade und protestierten friedlich für ihre Weiterfahrt. Gegen 19.30 Uhr stiegen sie unter Polizeiaufsicht in einen Zug über Puttgarden nach Skandinavien. „Es ist aber nach der Rechtslage möglich, dass die Dänen uns die Menschen sofort wieder vor die Tür stellen“, so Gutt.

„Wir müssen schnell weitere Standorte schaffen, um die Flüchtlinge aufnehmen zu können, denn die Bedingungen in Neumünster sind grenzwertig“, sagte der Polizeidirektor. Bis Freitag werden insgesamt 800 Plätze in Putlos geschaffen. In Boostedt sollen kurzfristig 350 zusätzliche Plätze eingerichtet werden, so dass dort 1000 Asylsuchende aufgenommen werden können. Auf dem Volksfestplatz in Lübeck sollen 100 Container aufgestellt werden. „Dazu werde ich mit Bürgermeister Bernd Saxe in einem Gespräch letzte Details klären“, sagte Gutt. Er habe zudem fünf bis sechs weitere Objekte oder Standorte im Blick, in den sich schnell Unterkünfte oder Containerdörfer realisieren lassen. Container sind in Schleswig-Holstein noch verfügbar, sie werden aber immer teurer.

Wir waren vollkommen überrascht und wissen nicht, woher die Menschen kamen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Günter Schellhase
Digitale Angebote

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Flüchtlinge
Foto: Bereits am Montag waren 400 Flüchtlinge mit dem Zug aus Bayern in Neumünster eingetroffen und in der Stadt von Helfern mit Obst, Getränken und Kleidung empfangen worden.

Rund 370 weitere Flüchtlinge sind am frühen Dienstagmorgen in Neumünster angekommen. Der Zug aus Salzburg traf gegen 3.30 Uhr ein, wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3