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Kiel - Gettorf Wegen Krankheit geschlossen

Frust und Ärger über die Personalpolitik der Bahn: Nicht zum ersten Mal sind auf der Bahnstrecke zwischen Kiel und Gettorf Züge ausgefallen. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis weißt die Kritik zurück. Dass die Bahn keine Vertretungskräfte bereithalte, „trifft nicht zu“.

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Bahnhof Eckernförde: Alles lief am Montag wieder normal. Sonnabend mussten die Fahrgäste nach Kiel in Gettorf in den Bus umsteigen. Das Stellwerk Neuwittenbek war unbesetzt.

Quelle: Cornelia Müller

Kiel/Eckernförde. Der Ausfall der Regionalzüge zwischen Kiel und Gettorf auf der Strecke nach Eckernförde hatte am Sonnabend die Fahrgäste auf die Palme gebracht. Weil ein Fahrdienstleiter im Stellwerk Neuwittenbek krank war, lag der Zugverkehr ab mittags brach – nicht zum ersten Mal. Neu war diese Begründung, die die Bahn morgens ins Netz gestellt hatte, für regelmäßige Bahnnutzer nicht. Erst am 30. September hatte der gesamte Schienenverkehr zwischen Kiel und Eckernförde stillgestanden, weil ein Fahrdienstleiter in Gettorf krankheitsbedingt fehlte. Immerhin vier Züge pro Stunde waren den ganzen Tag über betroffen.

 Jetzt sorgte also wieder eine Krankmeldung für Chaos. Dass es keine Vertretung gibt zum Schichtwechsel der beiden Eisenbahner, die sich in der kleinen Dienststelle mittags ablösen, lässt viele Bahnfahrer genervt abwinken. Und auf dem Eckernförder Bahnhof wird die Tatsache, dass Bahnkunden bis 1 Uhr in der Früh von Gettorf bis Kiel und umgekehrt den Schienenersatzverkehr, also den Bus, nehmen müssen, sofort zum Thema der Spötter. Das jahrelange Provisorium mit Behinderungen am Bahnübergang Domstag hat Bahn- und Autofahrer aus Eckernförde höchst sensibel für Ankündigungen der Deutschen Bahn gemacht. Da müsse in Neuwittenbek doch nur einer die Schranken hoch- und runterkurbeln, echauffiert sich etwa einer der Schreiber im Online-Forum der Kieler Nachrichten, „Und das hätte jeder Azubi hinbekommen.“

 Egbert Meyer-Lovis, Sprecher der Bahn AG für Hamburg und Schleswig Holstein, weist das am Montag entschieden zurück. Dass die Bahn keine Vertretungskräfte bereithalte, „trifft nicht zu“, sagt er auf Nachfrage. Das betroffene Stellwerk sei für Weichen, Signale und Schranken im Bereich Neuwittenbek zuständig. Die Dienststelle sei von 5 Uhr bis 1 Uhr täglich mit zwei Fahrdienstleitern besetzt, die sich abwechselten. Einer habe sich Freitagabend krank gemeldet, so dass er für die Schicht ab Sonnabendmittag ausgefallen sei. „Für diese Fälle gibt es Vertretungskräfte, die wegen des hohen Krankenstands auch nicht verfügbar waren“, erklärte der Bahnsprecher. „Das war absehbar, also konnten wir die Änderung zeitig bekannt geben.“

 Dass ein Kollege aus einem anderen Bereich in Schleswig-Holstein hätte einspringen können „oder gar ein Azubi“, sei unmöglich. Fahrdienstleiter machten eine zwei- bis zweieinhalbjährige Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst und danach die Zusatzausbildung mit Prüfung für ihren Einsatzbereich. Der erkrankte Mitarbeiter sei ebenso wie sein Kollege speziell für Neuwittenbek geschult. Das Stellwerk Gettorf sei für den Abschnitt von Neudorf-Bornstein bis Altenhof zuständig. Vertretungskräfte seien für mehrere Stellwerke ausgebildet, aber eben nicht für alle. „Einen landesweiten Vertretungspool gibt es daher nicht“, betonte Meyer-Lovis. „Fachpersonal lässt nicht einfach umschieben.“

 Gleichwohl scheinen Fahrdienstleiter bei der Bahn weiterhin Mangelware und die Vertretungsdecke zu dünn. „Wir nehmen Azubis mit Kusshand, denn wir suchen händeringend weitere Fahrdienstleiter“, räumt der Sprecher ein. 2013 hatte die Bahn AG wegen akuten Notstands versprochen, die Zahl der bundesweit 12500 Fahrdienstleiter bis 2018 um 1500 neue Stellen aufzustocken.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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