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Die Maurer von der S-Bahn

Video der Tat aufgetaucht Die Maurer von der S-Bahn

Zweieinhalb Monate nachdem Unbekannte die Tür einer Hamburger S-Bahn zugemauert haben, ist ein Video der Tat aufgetaucht. Der fast sechs Minuten lange Film steht seit Montag im Netz.

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Durch die Aktion ist ein Schaden von mehreren 10.000 Euro entstanden.

Quelle: dpa

Hamburg. Es zeigt, wie zwei Vermummte Material heranschaffen und eine Tür der S-Bahn fachgerecht zumauern. Außerdem filmten die Täter die Reaktionen von Fahrgästen, die durch die sich öffnende S-Bahn-Tür einsteigen wollten und plötzlich vor einer Mauer standen.

Die betroffene S-Bahn war am 28. April vom Betriebsbahnhof Barmbek in Richtung Blankenese unterwegs. Erst auf dem Rückweg nach Altona wurde der Zugführer auf die zugemauerte Eingangstür aufmerksam. Der Schaden durch den Ausfall des Wagens soll sich auf mehrere 10000 Euro belaufen.

Die Bundespolizei hatte intensiv ermittelt und tappt dennoch noch im Dunkeln. „Wir haben bislang vergeblich nach den Tätern gefahndet“, räumte der Sprecher der Bundespolizei Hamburg, Rüdiger Carstens, am Dienstag ein. „Unsere Ermittler werten jetzt das Video gründlich aus. Es gibt uns neue Ermittlungsansätze.“ Den Tätern drohe eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine hohe Geldstrafe.

Offenbar haben es die Ermittler mit Profis zu tun. Dem auch auf YouTube gezeigten Video zufolge handelt es sich um die Gruppe „Moses & Taps“. Der Graffiti-Experte Martin Gegenheimer vom Berliner Archiv der Jugendkulturen kennt die Gruppe, die sich auf das Besprühen von Zügen spezialisiert hat. „Moses & Taps arbeiten was die Menge angeht auf höchstem Level in Europa“, sagte er.

„Sie machen dabei auch originelle und kreative Dinge und sind auch ganz oben bei der Selbstvermarktung“, sagte Gegenheimer. Sie haben Ausstellungen und verkaufen erfolgreich ihre Bücher, „nicht nur in der Szene, sondern auch bei Graffiti-Fans — und wohl auch bei Ermittlern“. Diese Form der Aktionskunst im öffentlichen Raum habe ein erhebliches Echo gehabt. „Das sind echte Größen in der Sprayerszene und darüber hinaus.“ Die Gruppe selbst sprach im April auf ihrer Web-Seite von „Konzept-Vandalismus“.

Es könnte eine aggressive Werbeaktion sein, sagte Gegenheimer. Denn das Video wurde bei YouTube vom Modelabel „Nofugazi“ hochgeladen und taucht auch auf der Startseite des in London registrierten Labels auf.

2014 hat die Bahn bundesweit mehr als 30 000 Vandalismus- und Graffiti-Taten gezählt. Das waren rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Den allein durch Graffiti entstandenen Schaden beziffert die Bahn bundesweit mit 8,1 Millionen Euro.

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Hamburg
Foto: Unbekannte haben eine Tür eines Hamburger S-Bahn-Waggons zugemauert.

Unbekannte haben eine Tür eines Hamburger S-Bahn-Waggons zugemauert. Die Bausteine wurden untereinander mit einem Kleber befestigt und auch der Eingangsbereich zugeleimt, teilte die Bundespolizei am Mittwoch mit. Die betroffene S-Bahn war demnach am Dienstagnachmittag vom Betriebsbahnhof Barmbek in Richtung Blankenese unterwegs.

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