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Zwei Teenager Richtung Syrien ausgereist

Ziel „Islamischer Staat“? Zwei Teenager Richtung Syrien ausgereist

Eine 17-jährige Hamburgerin und eine 18-Jährige aus Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) haben sich nach Recherchen des ARD-Magazins „Panorama“ Anfang Juni auf den Weg nach Syrien gemacht. Dort wollten sie sich offenbar der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) anschließen.

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Zwei Teenager aus dem Raum Hamburg sind Richtung Syrien ausgereist.

Quelle: Youssef Badawi/dpa

Kiel/Geesthacht. Das Verschwinden von zwei 16 und 18 Jahre alten Mädchen aus Schleswig-Holstein und Hamburg bringt die Polizei in Erklärungsnot: Eine der Vermissten hatte offenbar bereits im November 2014 versucht, über Istanbul in der Türkei nach Syrien zu gelangen, war allerdings rechtzeitig aufgehalten worden. Obwohl das Landeskriminalamt in Kiel damals über den Vorfall informiert wurde, unternahmen die Ermittler nichts. „Es gab zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung“, sagt Stefan Jung vom Landeskriminalamt. Anfang Juni flüchteten die beiden Mädchen von zu Hause, um sich der Terrororganisation „Islamischer Staat“ anzuschließen. Am Hamburger Flughafen kauften die 18-jährige Ece B. aus Geesthacht (Herzogtum Lauenburg) und ihre zwei Jahre jüngere Freundin Merve S. zwei Tickets nach Istanbul. Die minderjährige Hamburgerin legte dafür eine gefälschte Vollmacht ihrer Eltern vor. „Wir wissen mittlerweile aus Unterlagen, die wir von den Eltern erhalten haben, dass die beiden über den Landweg nach Syrien weitergereist sind“, sagt Jung. Die hiesige Polizei wurde am Tag nach dem Verschwinden der Mädchen informiert. Zusätzliche Dramatik bekommt der Fall durch den Freitod des Vaters von Ece B., der sich am vergangenen Wochenende das Leben nahm.

Der LKA-Sprecher bestätigt, dass die junge Frau, die zuletzt an ihrem Hauptschulabschluss arbeitete, bereits Ende 2014 versucht hatte, sich abzusetzen. Angehörigen gelang es allerdings, Ece B. in Istanbul aufzugreifen und nach Hause zu schicken. „Als wir von dem Fall Kenntnis erhielten, haben wir uns den Vorfall angesehen, konnten allerdings keine Radikalisierungstendenzen ausmachen“, sagt Jung. Nach der erneuten und nunmehr erfolgreichen Flucht stelle sich die Situation natürlich anders dar. „Von der Familie wissen wir, dass eine Radikalisierung erst in den vergangenen Monaten stattgefunden hat, was durch eine Veränderung des Freundeskreises, Kleidung, Interessen und Medienkonsum im Internet aufgefallen sei“, berichtet der Behördensprecher – eine Entwicklung, von der die Polizei aber erst erfahren habe, als die Mädchen bereits ausgereist waren.

Eindringlich warnt der Verfassungsschutz vor gezielten Anwerbeversuchen des IS bei jungen Frauen. Vor allem in sozialen Netzwerken werde von Salafisten weiblicher Nachwuchs gesucht. Für Familien, die sich um möglicherweise gefährdete Freunde und Angehörige sorgen, ist ein bundesweites Info-Telefon eingerichtet worden.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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