6 ° / 4 ° Regen

Navigation:
Land prüft Schutzgebiet auf A 20-Trasse

Zwergschwäne Land prüft Schutzgebiet auf A 20-Trasse

Neuer Rückschlag für die Autobahn 20: Nach Einschätzung der Landesregierung leben an der geplanten Trasse nahe Itzehoe so viele seltene Zwergschwäne, dass die Kriterien für ein EU-Vogelschutzgebiet erfüllt sein könnten.

Voriger Artikel
Polizei nimmt drei Verdächtige fest

Hier finden sie Nahrung und auch sichere Schlafplätze: Zwergschwäne in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge. Zwergschwäne sind nur geringfügig kleiner als Singschwäne. Foto Thomsen/NABU

Quelle: sh zwergschwan

Kiel. Damit drohen der A20 weitere Verzögerungen. Nach Informationen unserer Zeitung wussten die Spitzen des früheren Verkehrs- wie des Umweltministeriums spätestens seit 2015 von den A20-Schwänen, hielten das Problem aber unter der Decke.

„Das Verkehrsministerium wird gemeinsam mit dem Umweltministerium prüfen, ob dieser Bereich als EU-Schutzgebiet ausgewiesen werden sollte“, sagte der Sprecher des Verkehrsressorts, Harald Haase, am Donnerstag. Erst am Vortag hatte der neue Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) im Rahmen seiner A20-Eröffnungsbilanz erstmals von den Schwänen berichtet. Mehr als 300 der scheuen Vögel nutzen das Breitenburger Moor südöstlich von Itzehoe als Schlafplatz. Die A20 soll nur 1800 Meter entfernt verlaufen. Die Fressplätze der Schwäne, die denselben EU-Schutz genießen wie etwa der Wachtelkönig, liegen in der Hörner Au-Niederung und damit teils sogar im unmittelbaren Trassenbereich.

Dem SPD-geführten Verkehrsministerium war das Öko-Problem spätestens seit Ende 2015 bekannt, dem alten wie neuen Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ebenfalls. Die Spitze beider Ministerien behandelten die A20-Schwäne sogar Anfang 2016 in einer internen Ad-Hoc-Arbeitsgruppe. Sie war auf Druck des damaligen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) nach der Abstimmungspanne rund um einen verwaisten Adlerhorst an der geplanten Trasse eingerichtet worden. Im Anschluss ließ Verkehrs-Staatssekretär Frank Nägele (SPD) die Planungen an den betroffenen Trassenabschnitten zwischen A7 und A23 weitgehend einstellen – und das auch mit der Absicht, diesen Teil der A20 später von einer Bundesgesellschaft planen zu lassen.

Von dem geheim gehaltenen Planungsausstieg wurde Habeck nach Darstellung seines Ministeriums nicht informiert. Dass Habeck das Schwan-Problem nicht öffentlich machte, erklärt eine Sprecherin damit, dass „weder der Planungsprozess noch die Kommunikation dazu“ Sache des Umweltressorts gewesen sei.

Klar ist, dass die Öko-Verbände Sturm laufen. Der BUND forderte die Ausweisung eines Vogelschutzgebietes und drohte andernfalls mit einer Klage. Der CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp hofft auf eine einvernehmliche Lösung. „Es wäre sinnvoll, die Zwergschwäne umzusiedeln.“ 

Unterdessen haben SPD und SSW eine Aktuelle Stunde zur A20 im Landtag beantragt. Der Vorwurf: Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) könne seine Wahlversprechen zum Bau der Trasse nicht halten und wolle das der SPD in die Schuhe schieben. Günther konterte: „Vieles, was uns die Vorgängerregierung bei den Planungen hinterlassen hat, ist nichts als Makulatur.“

Voriger Artikel
Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3