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Tumult im Gericht nach Urteil

Prozess in Lübeck Tumult im Gericht nach Urteil

Er soll seinen 29 Jahre alten Ex-Schwager getötet haben. Das Landgericht Lübeck verurteilt den 47-jährigen Angeklagten dafür zu zwölf Jahren Haft. Nach dem Urteil gab es Tumulte im Gerichtssaal.

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Die Tat ereignete sich im März 2015 auf einem Feldweg in Oststeinbek im Kreis Stormarn.

Quelle: Ulrich Perrey/dpa

Lübeck. Wegen der tödlichen Schüsse auf einen Nachtportier hat das Landgericht Lübeck einen 47 Jahre alten Mann am Dienstag zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Richter waren überzeugt, dass der Angeklagte seinen ehemaligen Schwager im Streit um ein illegales Geschäft getötet hat, wie der Kammervorsitzende Christian Singelmann am Dienstag sagte. Der Angeklagte reagierte mit Überraschung, die Nebenkläger mit Unverständnis auf das Urteil. Die Verteidigung kündigte Revision an.

Nervosität und Anspannung waren dem Angeklagten kurz vor der Urteilsverkündung deutlich anzumerken. Als er den Schuldspruch vernahm, blickte er ungläubig in den Raum, immer wieder schüttelte er den Kopf. Der Angeklagte hatte die Tat bis zum Schluss bestritten. Sein Verteidiger hatte Freispruch gefordert.

Das Gericht folgte jedoch im Wesentlichen dem Antrag von Staatsanwalt Nils-Broder Greve, der auf lebenslange Haft wegen Mordes plädiert hatte. Verteidiger Stefan Tripmaker kündigte kurz nach der Urteilsverkündung Revision an. Er begründete das mit der aus seiner Sicht einseitigen Beweiswürdigung des Gerichts.

Der wie sein Opfer aus Afghanistan stammende Angeklagte soll sich nach Überzeugung des Gerichts mit seinem Opfer — einem 29 Jahre alten Familienvater — in der Nacht zum 5. März 2014 auf einem einsamen Feldweg in Oststeinbek im Kreis Stormarn verabredet haben. Der 29-Jährige hatte als Nachtportier in einem Hotel in Hamburg-Wandsbek gearbeitet. Bei dem Treffen sei es vermutlich um ein illegales Geschäft und hohe Geldsummen gegangen, sagte Singelmann.

Gegen Mitternacht habe der Angeklagte dann eine Pistole gezogen und sein Gegenüber mit vier gezielten Schüssen getötet. Zwischen dem Angeklagten und dem 29-Jährigen bestanden Familienbande. Der Ältere war bis 2013 mit einer Schwester der Ehefrau des Jüngeren verheiratet.

„Wir gehen davon aus, dass es vor der eigentlichen Tat noch ein Streitgespräch gegeben hat, so dass das Opfer nicht mehr arglos war, als die Schüsse fielen“, sagte Singelmann. Deshalb sei das Mordmerkmal der Heimtücke nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachzuweisen, so dass der Angeklagte nicht wegen Mordes zu verurteilen war, sagte er.

An der Schuld des Angeklagten hegte das Gericht jedoch keinen Zweifel. Dafür sprächen im Wesentlichen die Aussagen von zwei Zeugen, denen er die Tat gestanden haben soll. „Diese Aussagen decken sich im Wesentlichen mit dem Tathergang, der durch die Gerichtsmedizin, die Spurensicherung und die Auswertung von Handydaten belegt ist“, sagte der Vorsitzende.

Aus den Handydaten beider Männer ging unter anderem hervor, dass sie in der Stunde vor der Tat mehrmals miteinander telefoniert und sich dann beide auf den späteren Tatort zubewegt hatten. Kurz nach der Tat soll der Angeklagte außerdem einem Cousin gegenüber gesagt haben, dass er jemanden getötet und sein Auto mit Benzin angezündet habe. „Der ehrlose Penner kam ohne Geld. Ich habe ihn in den Kopf geschossen“, soll er dem Zeugen gesagt haben. Tatsächlich wurde das Opfer mit drei Kopfschüssen getötet, sein Auto wurde ausgebrannt in der Nähe des Tatortes gefunden.

Am Ende der Sitzung kam es im Gerichtssaal zu emotionalen Szenen. „Dieser Mann hat uns alle umgebracht“, rief eine Angehörige des Opfers. Aus dem Zuschauerraum stürzte eine Tochter des Angeklagten schluchzend auf ihren Vater zu, der immer wieder rief: „Es ist alles nicht wahr.“

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Ein Artikel von
Deutsche Presse-Agentur dpa

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