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Fischer befürchten Einbußen

Dorschschonzeit Fischer befürchten Einbußen

Von Montag an ist Schonzeit für den Dorsch in der westlichen Ostsee. Für viele Fischer ist das vorgezogene und auf insgesamt sechs Wochen verlängerte Fangverbot ein herber Schlag. Fischereibiologen halten die Regelung zwar für richtig, sehen aber noch Korrekturbedarf.

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Die Dorschschonzeit wurde von Anfang April auf den 15. Februar vorgezogen und dauert zudem statt einen nun anderthalb Monate.

Quelle: Stefan Sauer

Rostock/Lübeck. Die Fischer in der Ostsee befürchten Einbußen durch die vorgezogene Dorschschonzeit. Statt wie in den Vorjahren Anfang April beginnt das Fangverbot für den westlichen Dorsch am 15. Februar und dauert zudem statt einen nun anderthalb Monate.

„Es ist eine Schweinerei, die Zeit zu verlängern“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Kahlfuß. „Die Quote für den Dorsch wurde um 20 Prozent gekürzt und dazu die Schonzeit um 14 Tage verlängert.“ Während die Schleppnetzfischerei in MV alternativ auf Hering ausweichen könne, sei ein Großteil der Stellnetzfischer zum Nichtstun verdammt, da der Hering noch nicht die gewünschte Qualität habe.

Existenzbedrohung

„Die EU-Kommission hat uns diese Neuregelung einfach übergestülpt. Für kleine Betriebe ist das existenzbedrohend“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes Schleswig-Holstein, Lorenz Marckwardt. Die wenigsten Fischer hätten die Möglichkeit, in die östliche Ostsee auszuweichen, wo die Schonzeit nicht gelte. Marckwardt befürchtet gravierende Einkommenseinbußen für viele seiner Kollegen.

Die EU-Kommission hatte auf Empfehlung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) die Dorschschonzeit in diesem Jahr vorgezogen. Damit soll die Erholung des Bestandes gefördert werden. Ausnahmen gibt es laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung für kleine Kutter unter 12 Meter. Und unter acht Metern dürfen Kutter ohne Einschränkung innerhalb ihrer Quote weiterfischen.

Laichzeit schützen

„Wir wissen aus langjährigen Untersuchungen, dass der westliche Dorsch im Februar und März laicht“, sagte der Fischereibiologe Uwe Krumme vom Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock. „Deshalb schützt die Schonzeit im April die Laichtiere nicht.“ Der Bestand des westlichen Dorsches ist nach Angaben der Forscher in einem schlechten Zustand. Die sogenannte Laicherbiomasse des Dorsches (geschlechtsreife Tiere) liegt nach Angaben des ICES bei 23 700 Tonnen. Für einen gesunden Bestand müssten es aber 40 000 Tonnen sein.

Schleswig-Holstein besonders betroffen

Besonders hart trifft die vorgezogene Dorschschonzeit die Schleppnetzfischer in Schleswig-Holstein, da diese anders als ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern keine Heringsquote hätten und somit nicht auf andere Fischarten ausweichen könnten, wie der Chef der Erzeugergemeinschaft der Nord- und Ostseefischer, Kai-Arne Schmidt, sagte. Für den Monat März rechne er deshalb für diese Kutter mit Einbußen von bis zu 50 Prozent. Ob im April — nach dem Ende der Schonzeit — die Verluste aufgeholt werden können, sei ungewiss. „Wir wissen nicht, ob der Dorsch dann noch in der westlichen Ostsee steht.“ Mit dem Dorschfangangverbot für Netze mit einer Maschenweite von 90 Millimeter sei neben der Fischerei auf Dorsch auch der Fang von Plattfischen und Wittling betroffen.

Korrekturbedarf

Das Thünen-Institut in Rostock sieht für die kommenden Jahre noch Korrekturbedarf. Langjährige Untersuchungen in der westlichen Ostsee haben gezeigt, dass Dorsche dort unterhalb von 20 Metern Wassertiefe laichen. Ein Vorschlag, die Dorschfischerei im Februar und März in Wassertiefen von weniger als 20 Metern zu erlauben, habe sich nicht durchgesetzt. „Die Kontrolle einer solchen Maßnahme wäre relativ einfach“, sagte Krumme. Im Sinne der Beweislastumkehr müssten die Fischer nur nach jeder Fangreise nachweisen können, dass nicht unterhalb von 20 Meter gefischt wurde. Dafür könnten einfache GPS-Tracker oder Bord-Kameras zum Einsatz kommen.

Die Dorsche, die Freizeitfischer — vor allem Angler — aus der Ostsee entnehmen, unterliegen derzeit keiner Quotierung. Für sie gilt die Schonzeit nicht, was von der Berufsfischerei heftig kritisiert wird. Eine Entscheidung, wie die Berufs- und Freizeitfischerei im Fischereimanagement in Zukunft behandelt werden sollen, ist offen.

Fangverbot für alle?

„Zwischen 2005 und 2014 wurden allein von der deutschen Freizeitfischerei, hauptsächlich von Kleinboot- und Kutteranglern, zwischen 2100 und 4100 Tonnen jährlich geangelt“, sagte Krumme. Damit zögen die etwa 160000 deutschen Ostseeangler pro Jahr zwischen 34 und 90 Prozent zusätzlich zu den Anlandungen der deutschen kommerziellen Fischerei aus der westlichen Ostsee. Gleichzeitig habe die Angelfischerei aber auch eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Küstenregionen. Helfen würde hier eine Regelung, die für alle gleichermaßen gelte, sagte Krumme. Hier komme wieder die 20 Meter Tiefenlinie ins Spiel, unterhalb der das Fangverbot in der Schonzeit konsequent für alle gelten könnte.

Von Eva-Maria Mester und Martina Rathke

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