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AfD segelt nach rechts

Petry gewinnt Machtkampf AfD segelt nach rechts

Unversöhnlich standen sich die beiden AfD-Lager beim Parteitag gegenüber. Bei den Wahlen zum Bundesvorstand behält der rechtskonservative Flügel um Frauke Petry die Oberhand. Wie es mit dem unterlegenen Bernd Lucke weitergeht, ist offen.

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 Bei der Wahl des ersten Vorsitzenden setzte sich auf dem Bundesparteitag in Essen Frauke Petry klar gegen den liberal-konservativen Parteigründer Bernd Lucke durch.

Quelle: Maja Hitij/dpa

Essen. Der erbitterte Machtkampf in der AfD ist zugunsten des rechtskonservativen Flügels entschieden. Bei der Wahl des ersten Vorsitzenden setzte sich auf dem Bundesparteitag am Samstag in Essen Frauke Petry klar gegen den liberal-konservativen Parteigründer Bernd Lucke durch. Petry erhielt 2047 der 3428 abgegebenen Stimmen, das sind 59,7 Prozent.

In einem zweiten Wahlgang sollten die Mitglieder später einen zweiten Vorsitzenden wählen. Laut Satzung wird der Erstgewählte nach Verabschiedung des Parteiprogramms — geplant für Ende des Jahres - die Alternative für Deutschland (AfD) alleine führen. Der Zweitgewählte wird dann automatisch zu einem der vier Stellvertreter.

Für die Wahl des ersten Vorsitzenden waren fünf Mitglieder angetreten, dabei galten nur Lucke und die sächsische Partei- und Fraktionsvorsitzende Petry als ernstzunehmenden Kandidaten. Für die anderen Positionen hatten sich nach Parteiangaben mehr als hundert Kandidaten gemeldet.

Luckes Niederlage deutete sich schon zu Beginn des Parteitags an, als die Teilnehmer ihn mit Pfeifkonzerten und Buh-Rufen empfingen. Seine Begrüßungsrede in der Essener Gruga-Halle wurde von Anhängern Petrys mehrfach mit Zwischenrufen unterbrochen.

Mit einer Mehrheit von 61 Prozent beschloss der Parteitag, die von Lucke ausdrücklich gewünschte Wahl eines Generalsekretärs von der Tagesordnung zu nehmen. Teil desselben Antrags war allerdings auch der Vorschlag, die Wahl des neuen Vorstandes auf der Grundlage der Anfang Februar in Bremen verabschiedeten Satzung abzuhalten. Diese Satzung hatte Petry damals vehement bekämpft, weil sie eine schrittweise Verengung der Parteispitze von heute drei auf dann nur noch einen Vorsitzenden vorsieht.

Der Machtkampf zwischen den Parteiflügeln und insbesondere Lucke und Petry dauerte bereits seit einem halben Jahr an und wird äußert erbittert geführt. Lucke übte in seiner Essener Rede Selbstkritik. „Statt parteiintern sachlich und problemorientiert zu diskutieren, ist uns die Sache entglitten, bis wir uns in aller Öffentlichkeit stritten, dass die Fetzen flogen“, sagte er.

Konrad Adam, der im alten Vorstand neben Lucke und Petry der Dritte im Bunde war, erntete von den Parteimitgliedern viel Applaus für den Satz: „Als rechts gilt heute, wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Ansicht ist, dass sich der Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen lässt.“

Vor der Halle demonstrierten einige Dutzend Angehörige linker Gruppen gegen die AfD.

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Franz Schönhuber hat es mit den Republikanern in den 80er-Jahren vorgemacht. Ronald Schill schaffte es 2001 in Hamburg. Und Bernd Lucke gelang zuletzt das selbe Kunststück: Innerhalb kurzer Zeit etablierten diese Männer rechts von der Union Parteien, die spektakuläre Wahlerfolge feiern konnten – auch, weil sie Köpfe an der Spitze hatten, die weit ins bürgerliche Lager hinein auf Akzeptanz gestoßen sind.

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